Gutach im "Kulturführer Ortenau" gut vertreten
Der jüngst erschienene "Kulturführer Ortenau" führt dem Leser in attraktiver Aufmachung die Vielfalt einer reichen Kulturlandschaft vor Augen. Der über 500 Seiten starke Band bietet lesenswerte "Kulturportraits" der Gemeinden, Beschreibungen von "Himmlischen Plätzen in der Ortenau" und eine erstaunliche Vielzahl kultureller Einrichtungen sowie künstlerisch und kunstgewerblich tätiger Einzelpersonen und Gruppen.
Gutach und Gutacher sind in dem Handbuch gut vertreten. Unter "Museen, Sammlungen und Erlebniswelten" werden ausführlich das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof und das Kunstmuseum Hasemann-Liebich vorgestellt. Im Kapitel "Autoren" findet man Beiträge über Leben und Werk von Cindy Blum und Wendelinus Wurth, der natürlich auch bei der Vorstellung des Drey Verlags Gutach genannt wird. Beim "Kunsthandwerk" ist die Bollenhutmacherin Gabriele Aberle vertreten und in der Sparte "Magic+Music" Alfred Metzler (im Index wohl fälschlicherweise unter Oberwolfach). Die Gutacher Chorakademie erscheint unter "Festivals und Kulturreihen im Jahreslauf". Auf 34 Seiten kann sich der Leser an "Himmlischen Plätzen in der Ortenau" vergnügen. Hierzu schrieb für Gutach Ansgar Barth einen Beitrag über den "Zuckerhut", einen herrlichen Aussichtspunkt im Obertal. Er hat auch das "Kulturportrait der Gemeinde Gutach" verfasst.
Kulturportrait:
Die Kultur einer Gemeinde wird geprägt von der Landschaft, der Geschichte und der Eigenart der Menschen. Als Gutach um 1100 besiedelt wurde, galt es im Unterlauf des gleichnamigen Flusses nach und nach den Urwald zu roden, zunächst in der rund 10 Kilometer langen Talaue, dann in den
Seitentälern Steinenbach, Wonnenbach, Blumbach und Sulzbach und schließlich an den bis auf 800 Meter Höhe ansteigenden Hängen und Bergrücken. Die 65 Lehenträger – später Bauern genannt – bekamen je etwa 25 Hektar Land. Sie waren Besitzer und durften ihre Höfe vererben, aber Eigentümer blieben die Herren von Hornberg und später die Grafen und Herzöge von Württemberg, denen sie Frondienste leisten und Abgaben entrichten mussten. Als Selbst-
versorger war die wichtigste Aufgabe der Talbewohner, genügend Wiesen, Felder, Weideflächen und Reutberge zur Verfügung zu haben. Der Wald wurde immer weiter zurückgedrängt, so dass in Gutach um 1800 bei einer Gesamtgemarkung von 3174 Hektar nur
300 Hektar Wald waren. Im Jahr 2009 sind es 2200 Hektar! Diese Zahlen machen deutlich, wie sehr sich die Kulturlandschaft in den letzten 200 Jahren gewandelt hat.
Im Lauf der Geschichte Gutachs ergaben sich durch einschneidende Ereignisse Entwicklungen und Neuerungen, die mosaikartig das spätere Bild der Lebenswelt ergaben. Der Übergang von den Herren von Hornberg zu den Württembergern als Landesherren im 15. Jahrhundert brachte eine völlig neue Verwaltungsstruktur und eine von schwäbischer Art geprägte Arbeits- und Lebensweise. Von großer Bedeutung für das Dorf war auch die Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich im Jahr 1534. Außer den Gemeinden des württembergischen Amtes Hornberg waren die Nachbarn katholisch geblieben, wodurch der „Heiratsmarkt“ für die Gutacher kleiner wurde.
Die kriegerischen Ereignisse des 17. und 18. Jahrhunderts trafen das Kinzig- und Gutachtal als „Einfallstore in das Reich“ besonders
hart. Immer wieder wurden Häuser zerstört, Hab und Gut geraubt
und den Menschen Angst und Schrecken eingejagt. Dennoch begann schon im 17. Jahrhundert ein zaghafter Wandel, der sich bis 1800 zunehmend deutlich fortsetzte. In diesem Zeitraum wurden nach und nach die mächtigen Bauernhäuser gebaut, die zu den ortsprägenden, oft gemalten und fotografierten Attraktionen des Tals wurden. Die Lage der Höfe, umgeben von Wiesen, Feldern und Weiden, und die vielen Obstbäume ergaben ein Bild, das Maler anzog und Schriftsteller vom „Himmelreich des Gutachtals“ schwärmen ließ. Der aus Mühlberg an der Elbe stammende Kunstmaler Wilhelm Hasemann (1850-1913) kam 1880 nach Gutach, 1891 sein Künstler-
kollege Curt Liebich (1868-1937). Beide ließen sich hier nieder und wurden mit ihren herrlichen Bildern zu Kündern des Schwarzwaldes.
Zum Erfolg ihrer Malkunst trug die Gutacher Tracht mit dem Bollenhut bei, die als Markenzeichen der Schwarzwaldlandschaft bis heute weltweite Ausstrahlung hat. Hasemann und Liebich sowie zahlreichen anderen Künstlern der Malerkolonie Gutach ist zu verdanken, dass die Gemeinde „Heimat der Bollenhuttracht“ genannt wird. Die heutige Malerkolonie und das Museum Hasemann-Liebich, getragen vom örtlichen Kunstverein, wirken nicht nur in der Tradition der früheren Künstler, sondern sind ein wesentlicher Teil des Gutacher Kulturlebens.
Der Bau der Schwarzwaldbahn durch das Gutachtal in den Jahren 1870 – 1873 brachte einen ungeahnten Wandel der Lebenswelt. Im bis dahin rein landwirtschaftlich geprägten Dorf gab es zunehmend
Beschäftigung bei Bahn und Post, vor allem in der damals entstehenden Industrie. So wurde schon 1868 in Gutach-Hohweg eine Baumwollbuntweberei gegründet und 1898 im Dorf eine Metall-
warenfabrik. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe vor allem der metallverarbeitenden Branche, so dass Gutach heute mehr Ein- als Auspendler zählt.
Im 19. Jahrhundert wuchs auch die Zahl der Handwersbetriebe, der Geschäfte und der Wirtschaften. Es bildete sich neben der bäuerlichen Schicht ein Bürgertum, von dem entscheidende Impulse für Vereinsgründungen ausgingen. Die Vereine waren und sind auch heute wesentliche Träger des kulturellen Lebens im Dorf.
Angefangen hat es mit dem „Gesangverein Eintracht“ , später kam der Kirchenchor, der Musikverein – heute Trachtenkapelle – dazu, der Turn- und Sportverein, der Schwarzwaldverein, der Radsportverein, das Akkordeonorchester und zahlreiche andere. Sie alle bieten ein Angebot, das Einheimische und Gäste begeistert und allen Altersgruppen viele Möglichkeiten eröffnet, die Freizeit sinnvoll und genussreich zu gestalten.
Darüber hinaus gibt es kulturelle und touristische Angebote, die Gutach weit über die Region bekannt gemacht haben. Seit Jahren
Treffen sich Sängerinnen und Sänger aus ganz Deutschland im Mai zur „Gutacher Chorakademie“ und erarbeiten nach häuslicher Vorbereitung in drei Tagen Konzerte von höchster Qualität.
Die regelmäßigen Sonderausstellungen im Museum Hasemann-Liebich locken seit 2005 viele Besucher an.
Einheimische Vereine und Gruppen laden zu Konzerten, Festen und sportlichen Höhepunkten ein, so die seit Jahrzehnten vom Turn- und Sportverein, dem mit über 1000 Mitgliedern größtem Verein, durchgeführte Dorfsportwoche.
Das vom Ortenaukreis getragene Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof ist zum meistbesuchten Museum seiner Art in Deutschland geworden und trägt seit Jahrzehnten dazu bei, dass der Bekanntheitsgrad Gutachs immer größer wird.
Auch Einrichtungen wie die „Ganzjahresrodelbahn“ und der „Park mit allen Sinnen“ gehören zu den Attraktionen Gutachs, die man natürlich auch zu Fuß beim erholsamen und genussreichen Wandern kennen lernen kann – alleine oder gut geführt mit dem Schwarzwaldverein.
Geschichte, Kunst und Kultur bilden in der Bollenhutgemeinde eine Einheit mit interessanten und schönen Facetten, so dass sich der Slogan vielseitig bewahrheitet: „Gutach bietet mehr“.
Ansgar Barth Bei den Höfen 3 77793 Gutach Barth-gutach@t-online.de







