»Jemand muss den Kopf hinhalten«
Peter Wälde war Bürgermeister auf Zeit: Der 59-Jährige vertrat das Gutacher Dorfoberhaupt in der Ferienzeit.
Er ist dann doch etwas ungewohnt, der große Ledersessel im Amtszimmer des Gutacher Bürgermeisters. »Diese Lehne – man kippt so leicht nach hinten«, findet Peter Wälde. Doch dauerhaft im Chefsessel Platz nehmen, das hat der bescheidene Gutacher ja ohnehin nicht vor. Peter Wälde war Bürgermeister auf Zeit. Während Amtsinhaber Siegfried Eckert für drei Wochen mit seiner Familie im sonnigen Süden weilt, ist er als Bürgermeister-Stellvertreter Ansprechpartner im Rathaus, »wenn ein Bürger mit einem Anliegen kommt«. /Am Vormittag hat Wälde einem älteren Ehepaar zur goldenen Hochzeit gratuliert, ihm im Namen der Gemeinde einen Blumenstrauß und einen Präsentkorb überreicht, sich danach auch Zeit genommen, gemütlich bei einem Tässchen Kaffee mit ihnen zu plaudern. Goldene Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen – diese Termine gehörten zu den angenehmen Aufgaben eines BürgermeisterStellvertreters. Wälde ist sich seiner Verantwortung jedoch durchaus bewusst.
Vorgeschriebene Arbeitszeiten gibt es für einen Bürgermeister-Stellvertreter zwar nicht, dennoch verbringt er derzeit stundenweise seine Vormittage regelmäßig auf dem Rathaus, um die eine oder andere Angelegenheit mit den Verwaltungsmitarbeitern abzusprechen. Termine wahrzunehmen oder einfach präsent zu sein – obwohl der Vollerwerbslandwirt eigentlich auch auf seinem Hof alle Hände voll zu tun hätte. »Zum Glück ist mein Sohn bereits in den Betrieb eingestiegen«, zeigt sich der 59-Jährige erleichtert. »Sonst könnte man solche Ehrenämter ohnehin nicht ausüben.« Neben seinem Gemeinderatsmandat, das Wälde seit 1984 für die Freien Wähler ausübt, engagiert sich der Gutacher im Vorstand der Forstkammer.
Diese Erfahrung gibt ihm die nötige Gelassenheit und Souveränität, um das Dorfoberhaupt in der Zeit seiner Abwesenheit nach bestem Wissen und Gewissen zu vertreten. »Es muss halt jemand da sein, der im Endeffekt den Kopf hinhält«, scherzt Wälde, der das Amt des Bürgermeister-Stellvertreters seit der letzten Kommunalwahl innehat und Bürgermeister Siegfried Eckert bereits im vergangenen Jahr vertreten hat. Nichts läuft ohne Rücksprache mit den Experten im Rathaus. Für Alleingänge sei er ohnehin nicht zu haben: »Ich mache nichts ohne Rücksprache mit der Verwaltung – das sind schließlich die Experten.« Vor seinem Urlaub habe ihn Eckert in die Amtsgeschäfte eingewiesen. Und bei Ernstfällen, etwa einem starken Unwetter, würde ohnehin der Gemeinderat einberufen werden, um über Soforthilfen oder Notfallpläne zu entscheiden. »Allerdings beschäftigt man sich mit diese Dingen dann als Verantwortlicher schon anders«, räumt Wälde ein, der dem Gutacher Bürgermeister die Auszeit gönnt. Doch bislang läuft alles in geregelten Bahnen. »In den Schulferien ist auch auf den Behörden nicht viel los«, hat der Stellvertreter beobachtet. Und in der kommenden Woche wird dann auch wieder Bürgermeister Siegfried Eckert in dem großen Ledersessel Platz nehmen – hoffentlich gut erholt.
Text und Photo: Grüninger, Schwarzwälder Bote







