Bollenhut und Schwarzwälder Schinken
Landwirtschaftsministerin llse Aigner demonstriert im Gutacher Freilichtmuseum Verbundenheit zur Scholle
Der Ort hätte nicht besser gewählt sein können: Im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof fühlte sich Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Mittwochabend letzter Woche bei ihrem Besuch in Gutach sichtlich wohl.
Zwischen Trachtenmädchen mit Bollenhüten und den Gutachern Jagdhornbläsern und mit Stallgeruch in der Nase, gab sich Ilse Aigner auf der Tenne des historischen Falkenhofs bodenständig. »Ich bin auch in einem kleinen Ort aufgewachsen«, bekannte die aus dem oberbayrischen Feldkirchen-Westerham stammende CSU-Poltikerin.
»Die Zukunft der Landwirtschaft im ländlichen Raum« war denn auch das Thema der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Den Vortrag organisiert hatte die CDU-Ortsgruppe Gutach, unterstützt durch die CDU Hausach und dem Bundestagsabgeordneten Siegfried Kauder. Doch trotz demonstrativer Verbundenheit zur Scholle und Lob der Schwarzwälder Kirschtorte – falsche folkloristische Fröhlichkeit ließ Aigner in ihrem Vortrag nicht aufkommen.
Regionale Spezialitäten als Markenzeichen Gerade der ländlichen Region machten Strukturwandel und demografische Entwicklung verstärkt zu schaffen. Aigner sprach von einer »großen Herausforderung in diesem Bereich«, um »ein aktives Leben auf dem Land« weiterhin zu ermöglichen.
Um sich als ländlicher Raum zu profilieren, setzt Aigner auf »Markenzeichen der Region«: Spezialitäten wie die Kirschtorte, aber auch Schwarzwälder Forelle und Schinken, die mittlerweile unter EU-Schutzsiegel vertrieben werden. Für Landwirte, die wie im Schwarzwald benachteiligte Flächen bewirtschaften, böten solche Spezialitäten eine echte Chance.
Daneben stellte Aigner die Zukunft der Landwirtschaft auf eine zweite Säule: Man müsse sich fragen, »ob Landwirte ›nur‹ Produzenten von Lebensmitteln sind – oder auch von Produkten, die nicht an der Ladentheke bezahlt werden.« Deutlich sprach sich Aigner für Ausgleichszulagen aus, um die Offenhaltung der Landschaft als »gesellschaftliche Leistung« zu honorieren.
Dennoch sei der Wunsch der Bauern nach höheren Preisen für ihre Produkte gerechtfertigt, betonte die Ministerin – und entbot damit »ein besonderes Grüß Gott an die Vertreter der Milchwirtschaft«. Neben Mitgliedern des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter waren zahlreiche Landwirte aus der Region auf den vollbesetzten Falkenhof gekommen. Im Anschluss an Aigners Vortrag entspann sich so eine rege Diskussion, die von der Situation der Milchbauern im Allgemeinen bis zu agrarpolitischen Besonderheiten wie der »Cross-Compliance«-Prämie einen weiten Bogen spannte.
Text und Photos: Schwarzwälder Bote, Grüninger







