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Geschichte der Schanzen im Gutachtal

In den 1980er Jahren leistete Ansgar Barth eine richtige Pionierarbeit, um die Geschichte der Schanzen im Gutachtal und überhaupt im Schwarzwald zu erhellen und ließ Informationstafeln aufstellen. Seitdem wurde vielerorts im Schwarzwald weiter um das Thema geforscht. Dadurch (und durch zahlreiche vor-Ort-Begehungen und Bearbeitung und Auswertung von Satellitbildern) ist ein noch schärferes Bild über die Schanzen im Gutachtal und ihre Geschichte entstanden.

Aber, worüber reden wir überhaupt bei den „Schanzen“? Die „Schwarzwaldlinien“ (noch „Barockschanzen“ genannt, in Anlehnung an ihrer Entstehungszeit) wurden zur Verteidigung gegen feindliche Einmärsche Frankreichs im 17. und 18. Jahrhundert gebaut. Gutach- und Kinzigtal waren bevorzugte Einfallstore der feindlichen Truppen und wurden daher aufwendig verschanzt.

Die rund 350 km lange Hauptlinie verlief vom Roten Haus (in Murg, bei Bad Säckingen) bis nach Neckargmünd und wurde bereits Ende des 17. Jahrhunderts angelegt. Die erste Schanze in der Umgebung steht bereits in Hausach seit 1620 (beim heutigen Schwimmbad), damit am Anfang des 30-jährigen Kriegs (1618-1648) erbaut und ist auch demnach eine richtige „Schwedenschanze“. Sie hat die Form eines Schwalbenschwanzes und ist so groß, dass drei Tennisspielplätze darin Platz haben.

Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts stehen wieder unruhige Zeiten an: Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688-1697), dann spanischer Erbfolgekrieg (1701-1714) und später polnischer Erbfolgekrieg (1733-1738). 1693 erhält Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, der „Türkenlouis“ (1655 – 1707) den Oberbefehl der kaiserlichen Truppen am Oberrhein. Er weist auf den schlechten Zustand der Schanzen hin und mahnt dringende Reparaturen an.

Mit Hochdruck lässt er in drei Schichten Tag und Nacht an der Instandsetzung der Linien arbeiten. 1701 werden auf einem Lageplan der Schanzen in Südbaden (Gutach ist damals württembergisches Grenzgebiet) nur um das Gutachtal die Schanze am Höchst, „Guttacher neue Redoute“ im unteren Sulzbach (vermutlich auf dem Felsensporn beim Oberbauernhof („Schwigger-Haus“), die Schanze auf der Schondelhöhe und eine Stelle für „Alarmfeuer“ auf einer Anhöhe bei Hausach (vermutlich am Spitzfelsen) erwähnt.

Am 1. Mail 1703 fällt der französische Marschall Villars mit 30.000 Mann ins Kinzig- und Gutachtal ein. In der Verteidigung kann Graf Prosper Ferdinand von Fürstenberg mit 4.000 Mann kaum etwas entgegensetzen. Haslach wird eingenommen. In Gutach wird das Gasthaus „Linde“ u.a. niedergebrannt, Glocken vom Kirchturm und Orgelteile werden mitgenommen. Weiter steigen die frz. Truppen ungehindert durch das Wonnenbachtal auf die Höhen und nehmen von dort Hornberg ein. Eine durchgehende Linie ist damals wohl noch nicht vorhanden, erst an wenigen Stellen sind die Erdarbeiten zum Wall aufgerichtet.

1710 sieht die Lage ganz anders aus: Berichterstatter für den Reichgeneralstab in Wien sind von den Anlagen im Gutachtal begeistert: „die Schlößer würden das Guttacher Thal vortrefflich defendieren (verteidigen) thuen, sodass ein Feind jetzo nicht würde durchkommen können“. Beim Ausbruch des polnischen Erbfolgekriegs fand eine letzte große Instandsetzung der Schanzen.

Ein Lageplan der Schanzen im Tal wurde zu diesem Zeitpunkt 1734 / 1735 erstellt. Es sind neun Schanzen auf dem westlichen Rücken des Gutachtals (auf Gutacher und Hornberger Gemarkung) zu sehen; dazu kommt noch das Hornberger Schloss. Unter ihnen wurde die Schanze am Schorenkopf erst 2020 gesichert. Eine Verteidigungsanlage (vermutlich um den Huberfelsen) bleibt noch zu finden.

Auf der östlichen Talseite befinden sich noch zwei Schanzen. Ein teils mächtiger Wall, der aber vom Wanderer kaum wahrgenommen wird, geht vom Tal aus fast durchgehend bis zur Schanze an der Schondelhöhe. An anderen Stellen bildeten Verhau und Verhack (in feindliche Richtung gefällte Bäume) eine natürliche Schutzlinie. Schanzen und Linien wurden mit großem Aufwand erbaut, hatten aber nie militärische Bedeutung.

 

Jean-Philippe Naudet
Schwarzwaldverein Gutach, Heimatpfleger

Auf der Karte von Badens Markgraf sind sehr wenige Schanzen im Tal zu sehen.

Auf der württembergischen Karte von 1734-35 ist eine vollständige Linie auf dem Westkamm des Gutachtals zu sehen.

Die Hausacher Schanze, mit perfekter Form als Schwalbenschwanz.