im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

"Gestatten, Wilhelm Hasemann“

Erste öffentliche Probe zu Thomas Hafens Hasemann-Führung. Der Schauspieler Andreas Jendrusch erweckt den Maler zu neuem Leben.

Es war am Donnerstag, 23.06.2022 in Gutach eine „Feuerprobe“, zu der das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof eingeladen hatte: Die erste öffentliche Probe zu der Führung des Malers und Mitbegründers der Gutacher Malerkolonie Wilhelm Hasemann. Die Führung wird vom Museum am 14. August 2022 zum ersten Mal angeboten.

Ein erlesener Kreis von Gästen versammelte sich im Kunstmuseum Hasemann-Liebich und wurde von Gerlinde Hirschbühl vom Kunstverein sowie vom Autor der Führung, Thomas Hafen, begrüßt. Der Freiburger Museumsdirektor Tilman von Stockhausen, der Hasemann für den „Erfinder“ des Bollenhuts hält, machte auf die für den Sommer geplante große Hasemann-Ausstellung im Augustinermuseum aufmerksam.

„Hasemann gehört nach Gutach!“ begründete Hafen, dass die Führung nicht im Freilichtmuseum, sondern in Gutach abgehalten wird. Für die Rolle des Wilhelm Hasemann konnte er den Schauspieler und Regisseur Andreas Jendrusch gewinnen, der das eigene „Theater im Schwarzen Wald“ betreibt. Für ihn hatte Hafen nach dem Bild „Hasemann vor seinem Atelier“ dessen Anzug nachschneidern lassen.

Die Idee für diese Führung hatte Thomas Hafen schon vor eineinhalb Jahren. Drei Projekte nahm er in den Fokus seiner Kreativität. Mit ihnen werden als Zeitzeugen der Kunstmaler Wilhelm Hasemann, die letzte Bewohnerin des Vogtsbauernhof, die „Schondelmaier-Christie“, sowie ein Störhandwerker wieder zum Leben erweckt. „Wilhelm Hasemann, der Gründer der Malerkolonie und des Genres Schwarzwaldmalerei, ist im Jahr 1880 in Gutach hängengeblieben“, erklärte Hafen und gab das Signal zum Aufbruch.

Zuerst ging es die Gutacher Hauptstraße entlang bis zu dem Haus, in dem Hasemanns Malerkollege Curt Liebich einst wohnte und malte.
Weiter ging’s in den Hasemannweg zum ehemaligen Wohnhaus und Atelier Wilhelm Hasemanns. „Gestatten, Hasemann, Professor Wilhelm Hasemann“, wurden die Gäste vom Maler begrüßt – garadezu atemberaubend authentisch in dessen Original-Outfit und in seiner zeitgemäßen Sprache. „Ich bin Maler – Sie sagen wohl Moler“, stellte er sich vor und erklärte, er könne von der Malerei „ganz formidabel“ leben. Er sei 1856 in Mühlberg an der Elbe geboren, hier aber „ein bisschen berühmt“ geworden: „Der Ruhm läuft mir hinterher wie so ein kleines Hündchen“. In jungen Jahren sei er nach Berlin gegangen, berichtete er. Dann habe die „vaterländische Pflicht“ gerufen: Er kam in den Sanitätsdienst, „Halbtote einsammeln“. Zum Glück sei er krank geworden und man habe ihn wieder nach Hause geschickt. Dort winkte erstmals ein Großauftrag: Er sollte Berthold Auerbachs Schwarzwaldroman illustrieren. „Gehen Sie nach Gutach“, riet ihm der Verleger Baron von Cotta. So fuhr er am 16. April 1880 von München nach Gutach. „Heureka! Den Schwarzwald gibt’s ja wirklich!“ rief er aus und quartierte sich im „Löwen“ ein.

„Das ist nur ein erster Abriss, wir arbeiten weiter daran“, sagte Hasemann alias Andreas Jendrusch. Dann übergab er Siegfried Eckert den Schlüssel zum Besichtigen seines Ateliers.
Darin war unter dem Staub von über 100 Jahren die Original-Einrichtung zu sehen. In der Gemeinde Gutach gibt es Pläne, das Atelier zu einem Hasemann-Museum zu machen. In gemütlicher Runde an der „Krone“, zu der Eckert einlud, endete die „Feuerprobe“ für die Hasemann-Führung.

Andreas Buchta, Offenburger Tageblatt

Siegfried Eckert (von links), der Maler Wilhelm Hasemann, Autor Thomas Hafen und Tilmann vom Stockhausen an Hasemanns Originaltisch mit der Patina von über 100 Jahren.

Thomas Hafen zeigte den Besuchern das Haus, in dem der Maler Curt Liebich einst wohnte.

Dem Original zum Verwechseln ähnlich! Der Schauspieler Andreas Jendrusch in der Rolle von Kunstmaler Wilhelm Hasemann.