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Winzerhäuser sind knapp

Um den Nordschwarzwald darzustellen, will das Gutacher Freilichtmuseum das Haus von Rebleuten zeigen. Endlich wurde die Immobilie gefunden – jetzt geht es um die Finanzierung trotz Corona.

Im Herbst hofft Margit Langer, das neue Winzerhaus vorstellen zu können: Gemäß dem Konzept für die neu erworbenen 1,8 Hektar Ausstellungsfläche soll nach dem Effringer Schlössle damit das zweite Hausobjekt im Freilichtmuseum Vogstbauernhof in Gutach realisiert werden, so die Geschäftsführerin. Allerdings: „Corona hat das Vorhaben verzögert.“

Zum einen die Finanzierung. „Es gibt Förderzusagen vom Land, das Gelder für den Ausbau der Freilichtmusen vergibt“, so Langer. 65 Prozent der Kosten übernimmt das Land aus seinem Fördertopf, der sich aus dem Toto-Lotto-Fonds speist. Bleiben noch 35 Prozent, die der Ortenaukreis tragen muss. Im Juli, wenn die Haushaltsplanungen des Kreises zur Debatte stehen, soll das Vorhaben auf dem Tisch sein.

Die Museumschefin rechnet damit, dass die Kosten für unter denen des Effringer Schlössle bleiben. Das hat damals rund 3,5 Millionen Euro gekostete. „Einen unteren siebenstelligen Betrag“ avisiert sie, da das Gebäude deutlich kleiner ist. Allerdings braucht es etwa Infrastruktur: Eine Toi-
lettenanlage soll entstehen, zudem will man das Weinthema dort auch sichtbar machen.

Auch das Denkmalamt muss dem Vorhaben noch zustimmen. „Wir brauchen eine Abrissgenehmigung“, erklärt die Museumschefin. Weil das ortsbildprägende Haus dann eine Lücke in seiner Umgebung hinterlässt, wird es wie ein Abrisshaus gewertet. Wobei natürlich klar ist, dass die geplante Versetzung das Gebäude für die Nachwelt rettet. „Eine Versetzung ist meist die letzte Option“, so Langer. Als die Gebäude entstanden, waren die Voraussetzungen andere; nun müssen die Nachfahren für den Unterhalt oder die Modernisierung aufkommen, was sich wirtschaftlich meist nicht für sie rechnet – auch, weil die Denkmalauflagen meist sehr hohe Kosten verursachten.

Abgesehen von der Krise sei es auch gar nicht einfach gewesen, das „Ortenauhaus“ zu finden: „Es war sehr schwer, etwas zu finden, was allen Kriterien entspricht.“ Man wollte einen Bau aus der oberrheinischen Tiefebene präsentieren. „Diese Höfe sind Liebhaberobjekte und erzielen entsprechende Preise“, sagt Langer. Das Freilichtmuseum bezahlt aber kein Geld, sondern rettet ein Haus lediglich vor dem Abriss. „Es sollte den Stand der 50er- oder 60er-Jahre haben“, nennt sie die weiteren Bedingungen für den Neuzugang. Da die Ortenau aber eine beliebte Gegend ist und zudem wirtschaftlich florierend, „sind die meisten Höfe schon sehr gut modernisiert ausgebaut“.

Kultur komplett abbilden

Die Besucher soll das Winzerhaus ebenfalls mit auf Zeitreise nehmen, wie sie im Jahr 2014 in der Erweiterungskonzeption vorgestellt worden war. „Wir wollen den Mittel- und Nordschwarzwald komplett kulturhistorisch abbilden“, sagt sie. Das Effringer Schlössle, dessen Versetzung den Projektbeginn markierte, steht für die 70er-Jahre, seit 2017 gibt es eine Wohneinheit, die die 80er-Jahre im Museum präsentiert. „Die Lücke 50er- und 60er-Jahre sollen nun die neuen Gebäude schließen“, so die Museums-
chefin. Man könne dann einen Blick in das Alltagsleben der Nachkriegszeit werfen.

Drei Jahre „Umbauzeit“

Etwas anders sieht es beim dritten Objekt aus, das das Ensemble komplettieren soll. Dann wird ein sogenannter Vier-Seiten-Hof gesucht, etwas aus der Gegend Freudenstadt – Baiersbronn. Dort scheint es einfacher, ein Objekt für das Projekt „Norderweiterung“ zu ergattern. Weil noch mehr Häuser im ursprünglichen Zustand sind. Es gebe auch Angebote, aber so richtig schaut man noch nicht danach: Das wird erst viel später spruchreif. „Aktuell kümmern wir uns um das Winzerhaus: Es wird rund drei Jahre dauern, bis wir Einweihung feiern können.“ Eine neue Attraktion tut dem Museum immer gut, meint Langer: Die Schließung durch Corona habe eine „deutliche Schieflage“ gebracht.

Weinfest eine Nummer kleiner

Freiluft hin, Museum her: Auch der „Vogtsbauernhof“ muss wegen Corona seine Teilnehmerzahlen beschränken. Das gilt nicht nur für die Mitmachkurse für Kinder, sondern auch für das Weinfest.

Bislang fuhr zu diesem Termin sogar ein Sonderzug zum Museum, die Landfrauen engagierten sich und das kulturelle Erbe und die Vielfalt des Weinbaugebiets wurden gezeigt.

In diesem Jahr muss alles etwas kleiner ausfallen. Statt des großen Festes wird es am 23. August einige Verkostungsstände geben. Ab Juli kann man sich hierfür anmelden.

Bettina Kühne, Offenburger Tageblatt

Projekt „Norderweiterung“: Das Effringer Schlösschen im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof bekommt bis in etwa drei Jahren Gesellschaft von einem Winzerhaus – sofern die Haushaltsplanungen des Kreises die Finanzierung zulassen.