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Abschied vom Kindergarten

Am Mittwoch, 19.06. war der letzte Arbeitstag von Elisabeth Pasternack, der langjährigen Leiterin des Evangelischen Kindergartens „Unterm Regenbogen“. Noch einmal rief sie alle Kinder und Erzieherinnen im Vorraum des Kindergartens zum „Monatskonzert“ zusammen. “ Bei dieser regelmäßig stattfindenden Zusammenkunft können sich Kinder mit Liedern oder anderen Beiträgen präsentieren. Auch Elisabeth Pasternack zog dabei noch einmal alle Register ihrer pädagogischen Begabung und begeisterte Kinder und Erwachsene. Zum Abschied gab es für jedes Kind noch einen persönlichen Handschlag und dabei floss auch so manche Träne.

Mit viel Herzblut und Kompetenz hat Elisabeth Pasternack den Kindergarten über 35 Jahre geleitet. In dieser Zeit hat sie gemeinsam mit dem Träger- der evangelischen Kirchengemeinde-, dem Team, dem Elternbeirat und der politischen Gemeinde wertvolle pädagogische Arbeit geleistet.

Am Sonntag, 14.07.2019 wird Elisabeth Pasternack im Gottesdienst um 10.00 Uhr von der Evangelischen Kirchengemeinde Gutach in großer Dankbarkeit verabschiedet. Die ganze Gemeinde ist hierzu herzlich eingeladen.

Rosemarie Armbruster
im Namen des Kirchengemeinderates

 

Elisabeth Pasternack blickt zum Abschied auf 35 Jahre Kindergartenleitung in Gutach zurück

Ihren letzten Arbeitstag hat Elisabeth Pasternack bereits hinter sich. Am kommenden Sonntag, 07.07.2019 folgt im Gottesdienst der evangelischen Gemeinde die offizielle Verabschiedung. Die 65-Jährige hat nach 45 Berufsjahren und 35 Jahren als Leiterin des evangelischen Kindergartens »Unterm Regenbogen« ihren Ruhestand im Urbanshof im Sulzbach angetreten.

Können Sie sich noch erinnern, warum Sie vor 45 Jahren Erzieherin geworden sind?

Elisabeth Pasternack: Es war das Umfeld, Freundinnen meiner Jugendgruppe, die mir geraten haben, einen sozialen Beruf zu erlernen, weil das zu mir passen würde. Ein Vorpraktikum in einer Familie mit Zwillingen hat dies bestätigt. 

Und heute im Rückblick – war es der richtige Beruf?

Pasternack: Ja, auf jeden Fall. Diese Altersgruppe passt zu mir. Ich kann mich auf Augenhöhe mit den Kindern begeben, kann mich in sie reinversetzen und verstehe auch ihren Humor. Ich bin selbst ein wenig Kind geblieben.

Aber zur Leiterin einer solchen Einrichtung braucht es ja noch viel mehr. Warum haben Sie sich vor 35 Jahren auf die Leitungsstelle in Gutach beworben?

Pasternack: Ich wurde bereits zwei Jahre nach meinem Anerkennungsjahr in Denzlingen Kindergartenleiterin. Die zehn Jahre dort haben mich sehr geprägt, da habe ich mit einer kritischen, herausfordernden Elternschaft aus dem Umfeld Freiburgs sehr viel gelernt. Und als zur gleichen Zeit, als wir den heimischen Urbanshof übernehmen wollten, die Leitung des Gutacher Kindergartens ausgeschrieben war, hat das sehr gut gepasst.

Was hat sich in den 35 Jahren am Konzept der Kindergartenarbeit verändert?

Pasternack: Wir haben die Türen geöffnet, es ist alles viel offener geworden. Das war in der Arbeit mit den Kindern auch politisch gewollt. Aber auch die Kolleginnen sind immer offener miteinander umgegangen. Es hieß nicht mehr »meine Gruppe, meine Kinder, meine Arbeit«. Heute arbeiten wir im Team gemeinsam, jede fühlt sich verantwortlich und jede kann auch ihre Stärken einbringen.

Und was hat sich bei den Kindern verändert?

Pasternack: Grundsätzlich nichts. Kind ist Kind. Aber die Kinder müssen sich heute sehr viel früher den gesellschaftlichen Anforderungen anpassen. Wenn beide Eltern arbeiten, lernen die Kinder, mit der neuen Situation klarzukommen. Für die einen ist es einfacher, für andere schwieriger.

Kann man das im Kindergarten auffangen?

Pasternack: Das kann man, aber dazu braucht es entsprechend Personal.

Das war schon immer Ihr Kampf?

Pasternack: Ja, das war mir immer wichtig. Es ist durchaus auch von Vorteil, wenn Kinder früher in die Einrichtungen kommen. Der Kindergarten bietet gerade den Ein-Kind-Familien ein soziales Umfeld, er kann viele Impulse setzen und Unterstützung geben. Aber nur, wenn das Personal stimmt. Die Gesellschaft ändert sich. Wir Frauen wollten das alles ja und haben auch viel erreicht. Aber die Unterstützung ist noch lang nicht so, wie sie sein sollte. Die Politik müsste dies aufnehmen und viel mehr Wert auf den Elemantarbereich legen. Dort müsste geklotzt werden mit Personal. In den Grundschulen auch noch. Dann sind die Grundlagen gelegt.

Damit ist ein Teil der Frage beantworte, was sich bei den Eltern geändert hat.

Pasternack: Ja – als ich in Gutach anfing, gab es nur vereinzelt berufstätige Frauen. Heute ist dies der Normalfall. Aber ich habe das Gefühl, dass die Eltern heute sehr vieles leisten müssen in der Arbeit und in der Freizeit, um ins Raster zu passen. Durch den Druck, dazuzugehören, hat die Gelassenheit eingebüßt. Auch die Freizeitangebote verursachen Hetze, und dann bleibt letztendlich vieles an der Oberfläche. Man hat ja kaum mehr Zeit, sich in Ruhe zu streiten.

Apropos Streit: Vor neun Jahren hat die Gemeinde der Kirchengemeinde den Vertrag aufgekündigt. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?

Pasternack: Das war die schwierigste Zeit für mich als Leiterin und persönlich. Aber es war auch ein Lernprozess für alle. Wir haben es geschafft, danach wieder mehr aufeinander zuzugehen und gemeinsam etwas Positives zu gestalten, vor allem zum Wohl der Kinder.

Ihr letzer Arbeitstag liegt nun ja schon gut zwei Wochen zurück. Haben Sie sich an das Rentnerleben schon gewöhnt?

Pasternack: Nein. Ich habe mich zunächst einmal zu Hause in die Arbeit gestürzt. Das Rentnerdasein ist mir noch nicht so bewusst.  Es beschäftigt mich aber und wird mich einholen. Ich habe mein Leben lang getan, was getan werden musste: Arbeit, Familie, Hof, sich um die alten Eltern kümmern. Dass ich nun meine Interessen in den Vordergrund stellen darf, muss ich erst noch lernen. Aber mein Mann ist ja auch Rentner, wir werden diesen Weg gemeinsam finden.

Was werden Sie vermissen?

Pasternack: Ich hatte ja täglich viele Kontakte zu Menschen. Hier oben ist man ziemlich allein. Ich werde jetzt aber all die Kontakte zu Freunden und Familie wieder intensivieren, für die ich all die Jahre zu wenig Zeit hatte.

Und worauf freuen Sie sich noch?

Pasternack: Auf Kurzreisen, auf Fahrradtouren. Darauf, dass wir jetzt an einem schönen Tag ganz spontan mal eine Radtour machen können. Und darauf, mir die geliebte Gartenarbeit nach Lust, Laune und Wetter einteilen zu können. Und aufs Lesen, auf alle Bücher, die ich liegen gelassen habe. Und auf Kultur. Da freu’ ich mich drauf!

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt