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Appell an die Vernunft aller

Projektleiter Daniel Heilig vom Regierungspräsidium erläutert geplante „besondere“ Gutacher Baustelle

„Einsehen, dass wir ein Problem haben“, das waren mit die eindrücklichsten Worte bei der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 15.05.2019 zur geplanten fünfwöchigen Sperrung in Gutach. Der Projektleiter beschönigte nichts und rief mit Bürgermeister Siegfried Eckert zum Zusammenhalt auf.

„Das Ding wird so laufen, denn es geht nicht anders, weil es die einzige Variante ist“, sagte Projektleiter Daniel Heilig vom Regierungspräsidium Freiburg zur geplanten Fahrbahndeckenerneuerung in der Ortsdurchfahrt Gutach mit der fünfwöchigen Sperrung in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend.

Das Interesse aus der Bevölkerung war riesig. Neben Bürgern waren auch Firmenchefs aus Gutach und der Umgebung anwesend. „Wir schaffen das alle gemeinsam“, strahlte Daniel Heilig einerseits Zuversicht aus, andererseits ließ er wie der Bürgermeister keinen Zweifel daran, dass diese Maßnahme für alle „fünf strapaziöse Wochen“ bedeute. Er erklärte auch noch einmal ganz genau warum.

Denn für die Arbeiten vom Bahnübergang bis zum Sägewerk Spathelf, bei denen ein lärmreduzierter Asphalt (das Wort Flüsterasphalt gebe es gar nicht) aufgebracht wird, greife eine neue Arbeitsschutzrichtlinie. „Ein rigoroser Fakt, und an dem führt nichts vorbei“. Unter 8,50 Metern, mit denen man in Gutach deutlich darunter liege, bedeute das normalerweise eine Vollsperrung. Zu den diversen Parametern, die nach dieser Richtlinie nötig sind gehört, dass die ausführende Firma beispielsweise verpflichtet wird, dass ihre Arbeiter nicht neben den Geräten, sondern dahinter stehen müssen. Allein das werde eine eigens eingestellte Kraft die ganze Zeit überprüfen, so Daniel Heilig. Zur Firma könne er noch nichts sagen, es sei aber Submission gewesen.  „Wir sind über die hohen Lärmwerte erschrocken und wir haben jetzt eben die Auflage“, schilderte zudem Bürgermeister Eckert noch einmal die Notwendigkeit.

Maximale Reduzierung

Gemeinsam mit einem Sicherheitsingenieur habe man alles genauestens unter die Lupe genommen und das Ok für eine Ampel bekommen. „Denn die Gewerbetreibenden müssen an ihre Betriebe kommen. Deshalb gibt es keine Vollsperrung, aber eine maximale Reduzierung des Verkehrs.“

Anlieger sind alle unmittelbar an der Baustelle wohnenden Bürger und die Kunden der Betriebe. Nur diese Gruppe und die öffentlichen Busse dürfen den Ampelverkehr nutzen. „Alle anderen müssen um Gutach herumfahren“, machte Heilig unmissverständlich deutlich. Lediglich an drei Samstagen (29. Juni., 13. und 20. Juli) sind der Busverkehr und die Zufahrt zu einzelnen Grundstücken in den jeweiligen Abschnitten nicht möglich. Heilig appelliert an die Vernunft der Auto- und Lastwagenfahrer, bittet um Verständnis und wirbt für den Zusammenhalt in dieser Zeit.

„Die Ampel zwingt uns zu den Arbeitsschritten. Die Länge der Baustelle gibt den Arbeitstakt vor. Allein nur Manpower bringt da gar nichts. Außerdem spielt für den Einbau das Wetter eine Rolle und die Auskühlzeiten müssen strikt beachtet werden“, erläuterte er weiter. Im Übrigen geht es bei dieser Baustelle nicht nur um die Lärmreduzierung, sondern auch um nötige Arbeiten für den Unterbau. Dies auch einmal öffentlich herauszustellen, war Gemeinderat Rainer Bell (CDU) wichtig.

Staus unvermeidbar

Daniel Heilig ging auf den immensen Aufwand dieser „besonderen Baustelle“ ein, dass technisch alles getan werde und die Abstimmung so lange gedauert habe, weil 22 Stellen mitreden würden. Normalerweise seien sieben Wochen nötig, er gehe aber von fünf Wochen aus, die man irgendwie  halten wolle. Man werde aber keine Woche vorher fertig sein. Er habe bis jetzt immer Glück gehabt, wollte Heilig, der auch schon für die Sperrung in Welschensteinach zuständig war, nichts schönreden.
Und er beschönigte auch einen weiteren Aspekt überhaupt nicht: »Ja, es wird zu unvermeidbaren Staus auf den Umleitungen kommen, auf die sich ebenfalls alle werden einstellen müssen«, beantwortete er die Frage von Thomas Stammel, Vorstand der Hornberger Duravit.

Aber noch etwas fügte er als Warnung hinzu: „Es geht nicht gut aus, wenn Schleichwege genommen werden. Der Verkehr bricht dann völlig zusammen, die Wege kollabieren.“ „Wir müssen einsehen, dass wir für fünf Wochen ein Problem haben.“ Die Pendler seien mit Umstiegen auf Fahrrad, Busse und Bahn in dieser Zeit gefragt – und auch mit „kreativen Lösungen“, wo sie beispielsweise ihre Autos an den Bahnhöfen abstellen oder wie sie bis dahin Fahrgemeinschaften bilden können. „Wir können nicht auf alle Belange reagieren, nicht bei jeder Firma eine Umfrage starten oder noch irgendwo Parkflächen für fünf Wochen bauen“, stellte Heilig klar. Die erste Woche werde die allerschlimmste, dann pendle sich das Ganze ein, prophezeite er aus langjähriger Erfahrung.

Petra Epting, Offenburger Tageblatt

Projektleiter Daniel Heilig vom Regierungspräsidium Freiburg (links) informierte mit zwei weiteren Kollegen in der Gutacher Gemeinderatssitzung über die fünfwöchige Sperrung vom 24. Juni bis 26. Juli. Mit den meisten Firmen hat er bereits persönlich Kontakt aufgenommen. „Wir wissen, wie Sie betroffen sind, und dass die Umleitung nicht komfortabel ist“. Ein Kompliment gab es für den anwesenden Geschäftsführer Joachim Schondelmaier, dessen Unternehmen sich die Mühe macht, die Schichtsysteme an Busse und Bahn anzupassen.