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Ausstellung der Gutacher Malerkolonie

Die Gutacher Malerkolonie hat sich für ihre Jahresausstellung das Motto „von der Hand“ gegeben. Die fünf Künstler präsentieren ihre Werke seit Sonntag, 12.09.2021 im Gutacher Kunstmuseum.

„Das geht uns leicht von der Hand“, dächten die Fünf von der Gutacher Malerkolonie oft, wenn sie sich für ein neues Motto erwärmt hätten. „Und wir müssen dann im Nachhinein erkennen, dass das ein vorschneller Gedanke war. „Doch gerade dann fühlt sich der eine oder die andere erst recht angestachelt, sich mit dem Thema einmal richtig auseinanderzusetzen“, sagte Wendelinus Wurth in seiner Einführung zur Herbstausstellung der Gutacher Malerkolonie, die ihre Werke jährlich seit 15 Jahren im Gutacher Kunstmuseum präsentiert – in diesem Jahr unter dem Motto „von der Hand“.

Willy Heine, „Dienstältester“ in diesem Künstlerkreis, hat sich längst ganz der abstrakten Darstellung verschrieben und betont: „Abstraktion ist eine Kunstrichtung, die einen richtig in Anspruch nimmt“. Der Prozess dazu sei kein einfacher. Die Bilder seien mehrmals überarbeitet, „bis sie so weit sind, wie ich sie haben wollte. Und dann haben sie mit dem ersten Entwurf oft nur noch die Idee gemein“, es sei ein „Wachsen unter der Hand.

Beate Axmann hatte sich dagegen gestemmt, dass ihr zu dem Thema zuerst Text in den Sinn gekommen sei. „Es entstand eine Hommage an die Hand“, die sie dann in ihre Werke einfließen ließ. Grundlage war eine Pietà zum Thema „Loslassen“, die nun gesäumt wird von Schriftbannern, die in den Boden fließen, „Black Boxes“ mit Kreide beschriftet und – ganz neu als Kunstform in dieser Ausstellung –.

Dorota Petrow, die in ihrer Kunst oft vom Glauben inspiriert wird, dachte zunächst an „Gottes Hand“ – und dann an die „Hand der Maria“, die im Mittelalter heruntergesprochen worden sei. Sie schuf unter anderem eine Reihe von „Handarbeiten“ aus Holz, die die vier Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam und Hinduismus mit ihren Ähnlichkeiten darstellen.

Bei Martina Dieterle steht die „arbeitende Hand“ im Vordergrund. Ein bereits bestehendes Bild mit einem Amboss erweiterte sie um einen männlichen Akt mit Schmiedehammer, gemalt auf einer alten, korodierten Ofenverwahrung. Sie lieferte auch das Aufmacherbild für das diesjährige Plakat. Das Bild mit den „Händen, die Halt geben, wenn einem unwohl ist“, sei zu Beginn der Coronapandemie entstanden.

Wendelinus Wurth „kommt vom Wort“. Er garniert eine Hand mit vielen „Beiwörtern“ und geflügelten Wörtern zur Hand, setzt sich augenzwinkernd mit der „Hand Gottes“ des Fußballers Maradona und mit der „unsichtbaren Hand“ auseinander.
„Diese Motto ist der Endpunkt der Trias Herz-Hirn-Hand. Am Anfang steht der gefühlsmäßige Impuls, das Hirn reagiert darauf und bringt die Hand als Agenten ins Spiel. Anscheinend war das schon den ersten Künstlern bekannt, haben doch die Höhlenmenschen auf den Wänden unter anderem auch ihre Hände verewigt“, sagte er beim Pressetermin am Montagnachmittag.

Der Vorsitzende des Kunstvereins Hasemann-Liebich Jean-Philippe Naudet freut sich sehr über die nun schon seit 15 Jahren andauernde Kooperation und darüber, wie sich die Künstler, die jährlich hier ausstellen, über die Jahre entwickelt hätten. Wegen der Corona-Einschränkungen gebe es auch für diese Ausstellung keine Vernissage. Eines der fünf Mitglieder der Malerkolonie wird aber während der Ausstellungszeiten immer als Ansprechpartner vor Ort sein.

INFO: Die Ausstellung ist ab Sonntag, 12. September bis zum 17. Oktober immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

v.l.: Die Mitglieder der Gutacher Malerkolonie, Willy Heine, Martina Dieterle, Beate Axmann, Wendelinus Wurth, Dorota Petrow und 1. Vors. d. Kunstvereins Hasemann-Liebich, Jean-Philippe Naudet.