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Bau schon Anfang 2021 möglich

Photovoltaikanlagen könnten schon bald entstehen / Experte stellt Potentiale vor

Öffentlich transparent und mit Bedacht will die Gemeinde das Thema Photovoltaikanlagen (PV) auf Freiflächen angehen. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 28. Mai 2020 stellte Gerhard Kienzler, Geschäftsführer der Windkraft Schonach (WKS), Optionen und Potentiale der Gemeinde vor.

„Es geht nicht darum, Bereiche auszuweisen, sondern einen Prozess wie seinerzeit bei der Windkraft anzustoßen,“ stellte Bürgermeister Siegfried Eckert eingangs der Sitzung fest. Gutach sei bereits klimaneutrale Gemeinde und es solle nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben, was die weitere Entwicklung von Gewinnung von umweltfreundlichem Strom angehe. Wesentlich sei eine landschaftsverträgliche Standortplanung. „Wir müssen auf den Tourismus achten und das einsehbare Gutachtal ist tabu,“ betonte Eckert. Ebenso wichtig sei es, zu schauen, was der örtliche Flächennutzungsplan hergibt. Ein weiterer Eckpfeiler des Projekts ist laut dem Bürgermeister die Unterstützung der Landwirte, die seiner Aussage nach immer mehr zu „Energiewirten“ mutieren.

Kienzler ging in seiner Präsentation darauf ein, dass PV auf Freiflächen aufgrund des Flächenverbrauchs oft kritisch betrachtet werden. „Wir sollten aber nicht warten, bis wie propagiert, erst mal die Dächer voll sind,“ warb Kienzler um frühzeitige weitere Ausrichtung auf das Erreichen der Klimaschutzziele des Landes. Auch der Vorwurf der Unwirtschaftlichkeit von erneuerbaren Energien, sei nicht aufrechtzuerhalten. Vorteile von Freiflächen-PV sind den Ausführungen Kienzlers nach stark gefallene Materialkosten und unkomplizierter Bau und Unterhaltung der Anlagentechnik. Auch die Planungs- und Genehmigungsprozesse würden einfacher verlaufen als bei Windkraftanlagen. „Es genügt die Aufstellung eines kommunalen Bebauungsplans und damit hat die Gemeinde Gutach auch alles in der Hand,“ so Kienzler. (siehe Info)

Aktuell sei er mit örtlichen Landwirten im Gespräch, um eventuell Freiflächen mit Photovoltaikanlagen zu bestücken. Potentiale seien unter anderem eingeschränkte landwirtschaftliche Nutzung, ebene Flächen nach Süden geneigt, Mindestgrößen von zwei bis drei Hektar und günstiger Netzanschluss. Die Flächen der Anlagen werden laut Kienzler über langjährige Pachtverträge gesichert und die Rückbaubürgschaft sei ähnlich der wie bei Windenergieprojekten. „Schön sind die Anlagen nicht, aber verschließen möchte ich mich dem Vorhaben auch nicht,“ meinte Gemeinderat Karl-Heinz Wöhrle (FDP). Ratskollege Florian Oßwald erkundigte sich nach den Auswirkungen auf die Vegetation. Es fände keine Versiegelung statt, antwortete Kienzler, und Vegetation gebe es weiterhin: „Gängige Praxis ist die Beweidung durch Schafe einmal im Jahr.“ Die nächsten Schritte wären seinen Worten nach die Bewertung des Projektes und Abwägung durch die Gemeinde sowie das Einbringen eines abgestimmten Antrags durch die WKS. Die Projektfinanzierung erfolgt über die Windkraft Schonach. Nach der ambitionierten Zeitschiene, die Kienzler vorstellte, wäre der Baubeginn eines ersten Projektes bereits nächstes Jahr.

INFO:
Das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) sieht für Photovoltaikanlagen auf Freiflächen vor allem Konversionsflächen wie brachliegende Flächen, die ehemals militärisch genutzt wurden oder schadstoffbelastet sind sowie Seitenrandstreifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen vor. Mit der Freiflächenöffnungsverordnung gibt das Land in sogenannten „benachteiligten Gebieten“ weitere Flächen frei. Zu den Kriterien gehören unter anderem Hangneigung, Höhenlage und magere Böden. Die Solarstromerzeugung oder die Verpachtung der dafür benötigten Flächen soll den Landwirten ein zusätzliches Einkommen ermöglichen.

Evelyn Jehle, Schwarzwälder Bote

Photovoltaikanlagen (PV) wie diese der „Windkraft Schonach“ sind Thema im Gutacher Gemeinderat gewesen.