im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Beide Seiten sollen gut wegkommen

Auf ihrer Hauptversammlung am Donnerstag, den 04.04.2019  diskutierten die Mitglieder der Jagdgenossenschaft Gutach mit den Jägern die Folgen des Klimawandels und den durch den Einsatz der Jäger zu schützenden Waldbesitz. Stimmberechtigt waren aber nur Waldbesitzer.

Aus gutem Brauch und Sitte waren auch die Jäger zu der Sitzung eingeladen worden. Beim Tagesordnungspunkt "Beschlussfassung über die Zielvereinbarung der Rehwildbejagung" entzündete sich erwartungsgemäß eine Diskussion, die schon das ganze vergangene Jahr über zwischen Waldbesitzern und Jägern geschwelt hatte, von Jagdvorstand Werner Moser und seinem Vorstandsteam aber in vielen Gesprächen erfolgreich befriedet worden war.

Die Jagd auf Schwarzwild und die den Jägern auferlegte Pflicht zur Beseitigung der Wildschweinschäden auf den Wiesen – an manchen Orten wurden von der Jägerschaft teilweise Arbeitseinsätze mit bis zu 15 Helfern gefahren, um in händischer Arbeit die Grasnarbe wieder herzustellen – hatte aus Sicht der Waldbesitzer dazu geführt, dass der Jagddruck auf das Rehwild nachgelassen hatte und einige Waldbesitzer Verbissschäden quer über alle Baumarten zu verzeichnen hatten.

Rehe gehen sogar an die sonst verschmähte Fichte

Selbst die vom Reh eigentlich verschmähte Fichte wurde verbissen. Zur Diskussion stand eine Erhöhung der Abschussquote von derzeit zwölf Rehen pro 100 Hektar Waldfläche.

"Wir müssen ein Modell finden, bei dem beide Seiten gut wegkommen", warben sowohl Waldbesitzer als auch Jäger für eine bessere Kommunikation und ein besseres Verständnis für die Problemlagen der Vertragspartner. "Wenn ihr uns bei der Beseitigung der Schwarzwild-Schäden helft, haben wir auch mehr Zeit, auf Rehwild anzusitzen."

Das Zeitfenster dafür würde durch die Übernutzung des Waldes von fünf Uhr morgens bis in den Abend hinein durch Jogger, Mountainbiker und noch einige mehr immer kleiner. Das immer noch bestehende Verbot des Einsatz von Nachtsichtgeräten bei der Jagd mache die Jagd in der Dunkelheit faktisch unmöglich.

Bürgermeister Siegfried Eckert zeigte sich hocherfreut über den regen Gedankenaustausch der beiden Gruppen. Das Zusammenspiel zwischen Waldbesitzern und Jägern sei für die Gemeinde mit ihren hohen Waldanteil unabdingbar. Jagd und die Aufzucht eines klimaresistenten Walds mit großer Baumartenvielfalt gingen Hand in Hand, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Wenn dann ein Verein wie die Jagdgenossenschaft auch noch einen kleinen Überschuss erwirtschafte und mit diesem karitative Zwecke begünstige – mit je 400 Euro begünstigte die Genossenschaft den Hornberger Tafelladen und die Initiative "Zahnärzte ohne Grenzen" – habe, sei alles gut bestellt. Eckert sah sich in der Debatte um die Folgen der "Übernutzung" des Walds auch in der Entscheidung bestärkt, bewusst auf den Ausweis von Mountainbike-Trails im Gutacher Wald verzichtet zu haben.

Zum fairen und konstruktiven Miteinander passte das Ergebnis der Wahlen. Jagdvorstand Werner Moser kandidierte erneut für das Amt des Vorsitzenden und bekam ein kompetentes Team dazu gewählt. Als erste Amtshandlung bedankte sich Moser bei seinen ehemaligen Mitstreitern Jürgen Aberle, Martin Moser und Georg Pasternack für insgesamt 72 Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit im Vorstand der Jagdgenossenschaft.

Wahlergebnis: Werner Moser (Vorsitzender), Hans Dold (stellvertretender Vorsitzender), Jürgen Wöhrle (Kassier), Hans Breithaupt (Schriftführer), Jürgen Lehmann und Martin Moser (Beisitzer). Zu Kassenprüfern wurden Jürgen Aberle und Helmut Blum bestellt.

Matthias Dorn, Schwarzwälder Bote

Nach den Wahlen: Jürgen Aberle (von links, nach 33 Jahren im Amt des stellvertretenden Vorsitzenden verabschiedet), Georg Pasternack (nach sechs Jahren im Amt des stellvertretenden Schriftführers verabschiedet), Martin Moser (nach 33 Jahren im Amt des Schriftführers verabschiedet), Vorsitzender Werner Moser, Kassier Jürgen Wöhrle, Schriftführer Hans Breithaupt, Beisitzer Jürgen Lehmann und der stellvertretende Vorsitzende Hans Dold