im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Bericht zur Alpenwanderung des Schwarzwaldvereins Gutach am Aletschgletscher (Schweiz)

Acht Frauen und ein Mann erkundeten mit Wanderführer Wolfgang „Weffe“ Blum drei Tage lang die beeindruckende Bergwelt am Aletschgletscher im Schweizer Wallis. Diese Region auf der Südseite der Berner Alpen ist Unesco-Welterbe. Die Anreise von Gutach über Basel und Bern einschließlich Autozug von Kandersteg durch den Lötschbergtunnel bis zum Treffpunkt in Blatten bei Naters zog sich bis in den späten Vormittag hin. Deshalb ging’s zunächst mit der Gondel hoch nach Belalp. Auf rund 2000 Metern Meereshöhe startete dort die Wanderung gegen Mittag.

Schon bald wurden die Schwarzwälder von einer Herde kontaktfreudiger Ziegen umringt, weiter oben ging’s mehrmals vorbei an frei weidenden Schafen. Begeisterung weckte auch die prächtige Alpenflora mit Knabenkraut-Orchideen, Teufelskralle und größeren Flächen frisch erblühter Alpenrosen. Dazu die imposanten Berggipfel im weiten Rund, sogar das oft in Nebel gehüllte Matterhorn war bei klarer Sicht zu erkennen. Das Wetter hielt und nach weniger als fünf Stunden reiner Gehzeit war kurz vor 17 Uhr das Tagesziel erreicht: die Oberaletschhütte auf 2640 Metern Meereshöhe. Die rustikale Unterkunft hatte neben der Außentoilette eine Badewanne zu bieten – ebenfalls im Freien und voll mit eiskaltem Wasser. Das kam auch aus dem Wasserhahn des einzigen Waschbeckens an der Hüttenwand. Bei frischen Temperaturen fiel die Körperhygiene unter freiem Himmel dann recht knapp aus. Das Steinpilzrisotto mit Rotkrautsalat und die weiteren zwei Gänge des Abendessens ließen sich bei bester Stimmung alle gut schmecken.

Auf die moderate Einlauftour mit frühem „Feierabend“ zu Beginn folgte am Sonntag die „Königsetappe“. Die hatte es in der spürbar dünneren Luft und bei warmen Temperaturen in sich. Nach dem Abstieg von der Hütte zunächst auf derselben Route ging’s wieder bergauf, teils mit langen und steilen Anstiegen, vorbei an Grünsee und Bettmersee. Aus Sorge, ob das Wetter halten würde, hielt der erfahrene Wanderführer die Pausen recht knapp. Beim Ablaufen der Strecke unmittelbar vor der Tour war Weffe auf derselben Etappe in ein übles Gewitter mit Hagel und Starkregen geraten. Ein solches Erlebnis wollte er seiner Gruppe gern ersparen. Laut Wetterradar waren Niederschläge vom Nachmittag an wahrscheinlich. Drei Tage zuvor war das Unwetter jedoch Stunden früher als angekündigt aufgezogen.

Wegen eines Felssturzes einige Tage zuvor war unterhalb des Bettmerhorns ein Weg gesperrt. Dies erforderte einen Umweg mit zusätzlich rund 200 Höhenmetern in beide Richtungen und eine entsprechend längere Gehzeit, was die ohnehin anspruchsvolle Etappe weiter „aufwertete“. So waren am Ende alle froh, nach mehr als neun Stunden reiner Gehzeit mit etwa 1300 Metern Anstieg das Tagesziel Gletscherstube beim Märjelensee zu erreichen. Für Kurzweil und immer wieder neue Eindrücke sorgten unterwegs Murmeltiere und vereinzelte Gemsen, die Überquerung der langen Hängebrücke über die Massaschlucht und zuletzt die Route oberhalb des Großen Aletschgletschers. Der ist mit seinen rund 22 Kilometern zwar der längste und größte Alpengletscher und noch 900 Meter tief, schmilzt aber als Folge des Klimawandels laut einer wissenschaftlichen Studie seit der Jahrtausendwende in der Länge um mehr als fünf Meter pro Jahr. Eine Entwicklung, die auch die Wanderer aus dem Schwarzwald mit Sorge erfüllt.

Am letzten Tag der Tour ging’s gemütlich über Fiescher-, Bettmer- und Riederalp zurück zum Ausgangspunkt. Rund 500 Meter Anstieg wirkten im Vergleich zum Vortag wie ein Klacks. Ein paar Regentropfen vor dem langen und teils steilen Abstieg durch den Wald machten bewusst, wie viel Glück man mit dem Wetter hatte. Eine letzte kleine Herausforderung hielten rund 250 Metallstufen – natürlich nach oben - nach Überquerung des Stausees Gibidum bereit. In einer Gartenwirtschaft in Blatten stärkte sich die Gruppe vor der Heimfahrt. Beim kundigen und umsichtigen Wanderführer Wolfgang Weffe Blum bedankten sich alle für eine tolle Tour in grandioser Bergwelt, die lange in Erinnerung bleiben wird.