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Blitzidee beim Salatschleudern

Die Gutacher Ingenieurin Franziska Wülker hat an ihrem Arbeitsplatz in der Duravit die Weltraumtoilette „Lunar Loo“ entwickelt und unter 20 000 Teilnehmern den dritten Preis der Nasa geholt.

Gut, dass Franziska Wülker gerade an der Reihe war mit Kochen. Und dass es Salat gab an diesem Tag, an dem sie intensiv darüber grübelte, wie eine Toilette sowohl bei Schwerelosigkeit als auch mit Schwerkraft auf dem Mond funktionieren könnte. Bei Schwerelosigkeit würde eine Absauglösung funktionieren, mit Schwerkraft nicht. Da brachte die Salatschleuder den zündenden Gedanken: Die Kombination aus Absaugung und Zentrifuge könnte klappen.

Für die Umsetzung braucht es Ingenieurwissen- und Erfahrung, aber oft seien es Alltagssituationen, die einen auf den richtigen Gedanken bringen, erklärte Franziska Wülker am Montag, 2. November 2020 im Gutacher Rathaus. Bürgermeister Siegfried Eckert hatte sie dorthin eingeladen, um ihr zum großen Erfolg mit ihrer Weltraumtoilette „Lunar Loo“ zu gratulieren. Immerhin hatte sie es bei einem Wettbewerb der Nasa unter 20 000 Teilnehmern aus aller Welt als einzige Nichtamerikanerin und als einzige Ingenieurin unter die besten drei geschafft.

Schmunzelnd erklärt die 30-Jährige, wie es dazu kam. Am letzten Junisonntag hat ihr Vater ihr einen Zeitungsartikel gezeigt, in dem auf diesen Wettbewerb hingewiesen wurde: Eine Toilette zu entwickeln, die sowohl im Weltraum als auch auf dem Mond funktioniert. „Coole Sache“, hatte sie sich gedacht. Und am Montag, zurück im Büro, sandte ihr Duravit-Vorstand Thomas Stammel den Link zum Wettbewerb mit der Frage: „Haben Sie Lust?“.

Optimale Bedingungen

Und ob sie hatte, denn die Bedingungen waren optimal. Sie durfte während ihrer Arbeitszeit am Wettbewerb arbeiten, dort sämtliche Arbeitsmittel nutzen, und sie hatte bei der 3D-Konstruktion auch die Unterstützung eines Konstrukteurs. Das Ziel war ambitioniert: Abgabetermin war der 17. August, das waren gerade mal eineinhalb Monate. „Die Arbeitszeit reichte nicht ganz aus, ich bin sehr oft auch abends noch dran gesessen“, so Wülker. Der Lohn: Der Ruhm als Preisträgerin der Nasa, das Preisgeld von 5000 Euro durfte sie behalten, und bei der Duravit spürte sie bei den Chefs und Kollegen eine „super Anteilnahme“.

Das Wichtigste war zunächst eine Lösung, „das kleine und das große Geschäft eines Astronauten wegzubringen“, erklärt sie ihre Vorgehensweise. Und das der Astronautin. Das war erstens Vorgabe der Nasa (schließlich soll 2024 die erste Frau auf dem Mond landen), und auch ihr besonders wichtig. Bei der von ihr entwickelten Toilette werden nun mittels Absaugung alle Ausscheidungen zuverlässig vom Körper des Benutzers entfernt. Um die fehlende Schwerkraft zu kompensieren, werden die Exkremente in eine Zentrifuge geleitet, wo sie entwässert werden und mithilfe einer Förderschnecke in einen Tank gelangen.

Ausgeklügelte Technik

„Ein weiterer wichtiger Gedanke war, dass keine unangenehmen Gerüche und Bakterien in die Kabine des Raumschiffs gelangen. Das Toilettensystem ist in sich geschlossen, sodass auch bei einem Stromausfall die Sicherheit der Besatzung garantiert ist und sie nicht etwa einem Vakuum ausgesetzt wird. Trotz dieser ausgeklügelten Technik werden die Vorgaben der Nasa zum Gewicht und Energieverbrauch deutlich unterschritten. „Natürlich geht das nicht mit Keramik, das Lunar Loo ist aus einem Hochleistungskunststoff“, erklärt Wülker.

Hintergrund des Wettbewerbs ist, dass die Nasa eine Basis auf dem Mond aufbauen will, quasi als „Sprungbrett“ auf den Mars. Die Nasa habe nun alle Daten, Testsimulationen und 3D-Pläne. Sie vermute, dass sie bei der Entwicklung der Toilette die Stärken aller drei Siegervorschläge herausfiltern wird.

Als Kind schon geforscht

Würde sie das fertige Klosett denn mal gern selbst auf dem Mond ausprobieren, wenn sie die Gelegenheit dazu hätte?  „Niemals“, lacht die junge Frau. Sie habe große Höhenangst, und ihr werde beim Autofahren schon schlecht. „Da schaue ich viel lieber vom Schwarzwald auf den Mond als umgekehrt.“ Und Gutach sei auch deutlich reizvoller als die Einöde des Monds. Sie zog bewusst hierher, sie sei „eher ein Landei“, und die Natur zum Joggen und Langlaufen brauche sie wesentlich häufiger als Kino und städtische Verlockungen.

Franziska Wülker war als Kind schon leidenschaftliche Forscherin. Sie liebte Experimentierbaukästen, Lego und kindliche Studien im Garten, wo sie schon mal mit Lupe und Sonnenlicht Zeitungspapier angekokelt hat. Das verbindet sie auch mit ihrem Mann, ebenfalls Maschinenbauingenieur. Da kann es schon mal vorkommen, dass im Ramsbach Wasserraketen aus PT-Flaschen mit der Fahrradpumpe in die Luft gejagt werden.

Und Siegfried Eckert wäre nicht Gutacher Bürgermeister, wenn er daraus nicht gleich Kapital für seine Gemeinde schlagen wollte. Gut möglich, dass die Wülkers nächstes Jahr irgend etwas Experimentelles fürs Gutacher Ferienprogramm anbieten.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Voller Stolz überreichte Bürgermeister Siegfried Eckert ein Geschenk, Blumen und die Glückwünsche der Gemeinde an Franziska Wülker, die den dritten Platz beim Wettbewerb der Nasa erringen konnte.