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»Den Gästen Flügel verleihen«

In Gutach soll bis zur Saison 2020 eine »Twin Flying Fox«, eine 1,5 Kilometer lange Seilrutsche entstehen

Der Bauantrag ist gestellt, der Gutacher Gemeinderat hat am Mittwoch, 19.09.2018 bereits zugestimmt: Am Freitag, 21.09.2018 erläuterte Investor Werner Haas von Forest Fun bei einem Pressetermin im Rathaus sein Projekt einer riesigen Seilrutsche an der Prechtaler Schanze.

Gerade mal drei Monate dauerte es in Gutach vom ersten Vorgespräch mit dem Bürgermeister bis zum positiven Beschluss des Gemeinderats. »Überraschend schnell«, freute sich Werner Haas, der mit seiner Firma Forest Fun bereits in Triberg den Hochseilgarten betreibt und nun mit einer »Twin Flying Fox«, einer Seilrutsche, noch eine Alternative bauen will. In Triberg ist der Investor damit zuvor gescheitert: »Dort ging es 14 Monate vom ersten Gespräch mit dem Bürgermeister bis zum Gemeinderat mit dem Ergebnis Null«, sagte er gestern bei einem Pressetermin im Gutacher Rathaus.

Dass diese Attraktion nun nach Gutach kommen soll, daran sei Bernd Wöhrle vom Müllerjörgenhof »schuld«. Er hatte von der Niederlage in Triberg erfahren und Werner Haas angeboten: »Ich hätte ein ideales Gelände dafür«. Er habe dabei »den Gutacher Tourismus und natürlich auch die eigenen Gäste im Blick gehabt«, sagte Bernd Wöhrle gestern.

Siegfried Eckert bekannte, es sei ihm eine »Herzensangelegenheit, solche Projekte entwickeln zu können«. Es gebe viele Anfragen, und Gutach wolle »längst nicht alles haben«. Man setze ganz bewusst auf sanften Tourismus, und mit dieser Seilrutsche »wollen wir unseren Gästen Flügel verleihen«.

»Keine Autos im Wald«

Das sah auch der Gemeinderat am Mittwoch so, der den Bauantrag mit einer Gegenstimme (Susanne Heinzmann, FDP) absegnete. So eine Zipline sei schon ein großer Eingriff in die Natur, auch in die Wild- und Pflanzenwelt, so die Gemeinderätin. Und nicht nur sie hatte Bedenken, die Besucher könnten zur Bergstation hoch fahren. Bei den meisten konnte Werner Haas diese Skrupel zerstreuen: Der Wirt vom »Landwassereck« werde seinen Parkplatz gern zur Verfügung stellen, auch der Grundstückseigentümer am Weg habe bereits signalisiert, dass hier weitere Stellplätze möglich wären, wenn diese nicht ausreichten.

Und es macht natürlich auch nicht wirklich Sinn, mit dem Auto auf den Berg zu fahren, wenn man nach der Fahrt zu Fuß schneller am Parkplatz ist als wieder oben beim Start. Den Materialtransport will Haas auf jeden Fall mit einem Elektrofahrzeug organisieren, um so wenig wie möglich Immissionen zu verursachen. »Wir werden das eindeutig beschildern, damit es keinen Autotourismus gibt«, so Haas.

Er rechnet auch mit vielen Bussen – im Hochseilgarten in Triberg habe er besonders viele Reisegruppen aus Israel. Die Nähe zur Zipline Hirschgrund in Schiltach/Schenkzell sei kein Problem. Erstens hätte diese ein ganz anderes Konzept (dort müssen sich die Besucher anmelden und werden mit einem Guide geführt), außerdem kämen zum Hirschgrund laut den Wirtschaftszahlen, die ihm vorlägen, rund viermal so viele Besucher als kalkuliert.

Auch beim Hochseilgarten habe er festgestellt, »es gibt da einen Hochseilgarten-Tourismus, die sind morgens am Bodensee und nachmittags bei uns«. Er glaube, dass sich diese Angebote eher ergänzen. Außerdem habe dieser Plan auch bei Bürgermeisterin Helga Wössner in Mühlenbach und seinem Kollegen Roland Tibi in Elzach Freude ausgelöst. Man wolle über die Prechtaler Schanze touristisch noch enger zusammenrücken.

Saison April bis Oktober

Da die »Twin Flying Fox« nur von April bis Oktober geöffnet sein wird, entstünden dort vor allem Saisonarbeitsplätze. Doch nun muss zunächst die Baugenehmigung abgewartet werden. Der Gutacher Hauptamtsleiter Fritz Ruf schätzt, dass das Verfahren ein halbes bis ein dreiviertel Jahr in Anspruch nehmen könnte. Man sei aber nicht blauäugig in die Sache reingegangen und habe bereits Vorgesprächte mit dem Bauamt und dem Landrat geführt, ist Eckert zuversichtlich, dass die Genehmigung nicht verwehrt wird.

Zahlen und Fakten

- Zweigeschossige Bergstation mit Kiosk und bewirtetem Bistro, Toilettenanlagen und Kasse 14,94 x 10,5 Meter, Firsthöhe 7,47 Meter.
- Jeweils ein fünfstöckiger Turm an der Mittelstation und an der Talstation mit acht Metern Höhe und einem Zeltdach.
- Besucherparkplatz am Landwassereck, Fußweg zur Bergstation etwa 15 Minuten.
- Kosten: Rund 500 000 Euro, erhoffte Leader-Förderung von 30 Prozent.

- Baubeginn Mitte 2019, Start zur Saison 2020.
- Mindestens 2000 Besucher monatlich.
- Preis pro Person ca. 30 bis 35 Euro.

Claudia Ramsteiner
Offenburger Tageblatt

Investor Werner Haas (Zweiter von rechts) und Grundstückseigentümer Bernd Wöhrle (links) erläutern Bürgermeister Siegfried Eckert (sitzend) und Hauptamtsleiter Fritz Ruf den Verlauf der Seilrutsche auf der Prechtaler Schanze.