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Der Schanzenweg im Gutachtal

Heute der westliche Teil Gutach – Hornberg: 14,5 km; Aufstieg: 767 m, Abstieg 703 m; ca. 5 St.

Der Schanzenweg führt über die Anhöhen des Gutachtals zwischen Gutach und Hornberg an insgesamt 10 Schanzen und mehrere Naturdenkmälern vorbei. Er lässt sich vorteilhaft in zwei Etappen teilen, am West- bzw. am Ostkamm. Atemberaubende Aussichten und abwechslungsreiche Wege belohnen den Wanderer für seine Mühe.

Schanzen und Linien gehörten zu einem großen Verteidigungssystem des 17. und 18. Jahrhunderts und wurden gegen die immer wieder ins Reich einfallenden französischen Truppen angelegt. Die rund 350 km lange Hauptlinie verlief vom Roten Haus (in Murg, bei Bad Säckingen) bis nach Neckargmünd und wurde bereits Ende des 17. Jahrhunderts angelegt. In der Umgebung sind damals nur wenige Schanzen vorhanden: die Schanze in Hausach (beim Schwimmbad, wo die Tennisspielplätze sind), die Schanze am Höchst, die Schanzen am Rensberg und „Rorensberg“ (Rohrhardsberg) zwischen Oberprechtal und Triberg und das „Alarmfeuer“ am Spitzberg bei Hausach und an der Schöndelhöhe oberhalb Hornbergs. Zwischen den Schanzen erfolgt die Absicherung mit Verhau (gefallenen Bäumen). Nach 1701 kam noch eine aufwendige Seitenlinie vom Karlstein bis nach Hausach auf dem westlichen Bergrücken des Gutachtals dazu. Schanzen und Linien wurden mit großem Aufwand erbaut, hatten aber nie militärische Bedeutung.

Die Schanzenwanderroute am westlichen Gutachtal startet am Parkplatz Dorfmitte in Gutach. Es wird Richtung Sulzbach über die Straße erstmal gewandert.

In der Karte der „beständige Postierung auf dem Schwartzwalt“ aus 1701 wird die „Guttacher neue Redoute“, die „im Sommer gemacht worden“ ist, samt mit „A l’arme feuer“ erwähnt. Die Stelle musste bedeutende Nachteile haben, da diese Schanze auf der Karte von 1734/35 nicht mehr erscheint und demnach bereits aufgegeben worden ist.

Die vermutete Stelle auf dem sandigen Hügel an der Gabelung vom Sulzbach beim Oberbauernhof (am „Schwigger-Haus“, Martin Blum) erscheint logisch, wegen des Blickkontakts zur Schanze am Höchst und der privilegierten Beobachtungsposition zum Gutachtal.

Der Weg verläuft weiter Richtung linken Sulzbach über den Birlebauernhof Richtung Büchereck. Am Grillplatz rechts zur Schanze abbiegen: ca. 150 m. weiter, an der rechten Wegseite, befindet sich die Schanze.

Die Schanze wurde im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts erbaut und sicherte die Passhöhe am Büchereck. Sie war in Sichtkontakt mit den beiden benachbarten Schanzen auf dem Schorenkopf (im Norden) und am Höchst (im Süden), beide ziemlich unmittelbar unter den dort jeweils jetzt stehenden Windrädern.

Ein Abstecher zum Schorenkopf ist hier möglich. Erstmal auf den Westweg weiterlaufen, bis die Beschilderung auf den Schorenkopf hinweist. Der Wall ist anfänglich bescheiden, dann im letzten Abschnitt zum Schorenkopf sehr ausgeprägt. Am Gipfel selbst sind nur wenige Reste der Schanze zu erkennen. Die Ortung ist jedoch durch historische Karten und Satellitenbilder absolut zweifelsfrei.

Zurück zum Büchereck wird über den Westweg bis zur Schanze „Am Höchst“ gewandert. An der rechten Wegseite ist der durchgehende Wall gut sichtbar und teilweise überwältigend.

Die Schanze „am Höchst“ wurde Ende des 17. Jahrhunderts erbaut (sie ist als einzige auf einer Karte von 1701 an der ganzen Seitenlinie verzeichnet) und sicherte die „Alte Straße“ von Gutach nach Elzach, die unterhalb verlief. Der Schwarzwaldverein Gutach hat die Schanze 1981 – 1984 freigelegt und restauriert und jüngst Ende Juni 2020 im Rahmen einer heimatpflegerischen Aktion wieder freigelegt.

Weiter auf den Westweg wird bis zur Gabelung an der Hirschlache gewandert. Die Schanze ist sehr schwer im Dickicht zu finden, unmittelbar hinter der Holzbiege. Wie fast alle anderen wurde sie im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts erbaut und sicherte die Passhöhe der „Alten Straße“ von Gutach nach Elzach, die hier ihren höchsten Punkt erreicht.

Im weiteren Verlauf auf den Westweg wird der „Füllbrunnen“ nach weiteren 150 m. erreicht. Jahrhundertelang war die „Alte Straße“ die einzige für Fuhrleute nutzbare Verkehrsverbindung vom Elztal zur württembergischen Oberamtsstadt Hornberg. Der steile und vor allem steinige Aufstieg vom Landwasser her verlangte von den Zugtieren und den Fuhrleuten das Äußerste ab. Ein Schluck des köstlichen Weines aus den Fässern spornte jedoch immer wieder zu neuer Leistung an. Zum Glück gab es kurz vor der Passhöhe den „Füllbrunnen“, aus dem die Fässer mit frischem Quellwasser wieder aufgefüllt wurden.

Immer weiter auf den Westweg wird die höchste Schanze auf dieser Talseite bald erreicht, die Prechtaler Schanze. Angekommen auf der Anhöhe soll der Wanderer ca. 100 m. links laufen; gegenüber dem Haus steht die Schanze. Sie ist die größte an dieser Talseite (ca. 40 x 40 m.) und ist leider stark beschädigt. Sie hat direkten Sichtkontakt zu mehreren Schanzen, auch auf die andere Talseite (Schondelhöhe). Hier sind auch zwei Flakstellungen und ein Munitionsdepot aus dem 2. Weltkrieg zu finden.

Am Bannstein steigt der Wall auf den Kamm und verläuft runter zur Schanze am Huberfelsen. Der Wanderer bleibt weiterhin auf dem Westweg. Die Schanze ist ca. 150 m. an der linken Wegseite vor der Wegekreuzung am Huberfelsen zu finden. Sie sichert die Passhöhe an den Weg, der Oberprechtal und Steinenbach verbindet und beobachtet eventuell anmarschierende Truppen durch das Prechtal.

Nach dem Huberfelsen werden die Wegemarkierungen „Ziegelkopf“ immer verfolgt. Der letzte Anstieg zum Ziegelkopf ist ein schmaler und sehr steiler Weg, der leicht übersehen werden kann. Die Schanze wurde nach 1703 angelegt, nachdem französische Truppen ungehindert durch das Wonnenbachtal marschierten und Hornberg über die Anhöhen einnahmen. In der „Linienbeschreibung“ von 1710 wird der „Posten auf der „Wannenbacher Egg“ genannt, eine „verpallisadirte“ Redoute. Sie ist der Ankerpunkt der Gutachtallinie mit der Hauptlinie vom Roten Haus bis nach Neckargmünd.

Runter wird links von der Schanze gewandert und dann weiter (unten wieder links abbiegen) Richtung Schlossschanze. Diese ist die letzte Schanze auf dieser Talseite. Das Hornberger Schloss, auch integriert in dieser Schanzenlinie, wird kurz später erreicht. Hornberg wird dann schnell über den Steg erreicht.

Jean-Philippe Naudet
Schwarzwaldverein Gutach, Heimatpfleger

Atemberaubende Aussichten über den Schwarzwald belohnen den Wanderer für seine Strapazen, wie hier an der Prechtaler Schanze.