im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Der Sound von Pfingsten

Das hat die alte Hausacher Dorfkirche noch nicht erlebt: Internationale Christen, die an der elften Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe teilnehmen, feierten dort am Sonntagmorgen, 04.09.2022 einen vielsprachigen ökumenischen Gottesdienst. Die Texte wurden vorwiegend in Englisch und Deutsch gesprochen.

Aber die Lieder und Gebete sang und sprach jeder in seiner Sprache. Das Lied „Lobe den Herren“ erklang gar in sieben Sprachen. „So stelle ich mir den Sound von Pfingsten vor“, stellte Dominik Wille, Pfarrer der evangelischen Gemeinden Hausach und Gutach, fest. In den Gebeten und Fürbitten der internationalen Gäste lag sehr viel Zuversicht. „Was wir hier lernten, lebt in unseren Herzen und in unseren Seelen weiter“, sagte eine der Teilnehmerinnen.

„Wie Kirche lebt“

Pfarrer Gerhard Koppelstätter, der gemeinsam mit Dominik Wille den Gottesdienst ökumenisch zelebrierte, erhielt dankbaren Applaus für sein Schlusswort auf Englisch: „We are united in Jesus Christ – wir sind vereinigt in Jesus Christus.“ Er war beseelt von der Atmosphäre. „Wenn die Bornierten und Steifen vom Ordinariat da gewesen wären, hätten sie mal erlebt, wie Kirche lebt“, sagte er später im Gespräch.

Stefan Armbruster stellte als Bürgermeisterstellvertreter anschließend in der Erzpoche die Stadt Hausach vor, in der „fast 6000 Menschen aus vielen verschiedenen Nationen und Religionen in guter Harmonie zusammenleben“. Er sei sehr froh gewesen um diesen Termin, „es war schon etwas Besonderes, diesen Spirit zu erleben“, sagte er. Sonst hätte er diesen Gottesdienst wohl verpasst.

Rolf Holderer stellte die Erzpoche und die Bedeutung des Bergbaus für die Region vor. Immerhin steckt auch im Freiburger Münster einiges Silber aus Hausach. Mario Hermann, Leiter der Dienststellen Offenburg und Hausach des Diakonischen Werks, sprach über die diakonische Arbeit in Hausach von der Anlaufstelle für psychisch kranke Menschen über die Tagespflege bis zur Schwangerenkonfliktberatung. Die Unterstützung von Armen und Kranken sei schon eine göttliche Forderung in der Bibel gewesen, so Hermann.

Drei Fenster zum Himmel

Anne-Kathrein und Hanspeter Frech dolmetschten die beiden Reden, und Letzterer beschrieb auch die angebotenen Butterbrezeln, die großen Zuspruch fanden, als „traditionelles Gebäck mit drei Fenstern, durch die man zum Himmel schauen kann“.

Die Organisation war nicht ganz einfach und offensichtlich nicht ganz kompatibel mit der Organisation in Karlsruhe. Waren zunächst 45 Teilnehmer gemeldet, wurde am Tag eine Liste mit 35 Namen gemailt – gekommen sind dann nur 20. „Wir hatten dann zwar 25 Betten übrig, aber die Begegnungen waren so viel intensiver“, sagte Dominik Wille.

Den Samstag verbrachten die Gäste in Gutach. Herbert Kumpf, der die Idee für diese Exkursion hatte, führte gemeinsam mit „Museumspfarrer“ Hans-Michael Uhl durch das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof. Nach einem badischen Mittagessen im Rommelehof lernten die Gäste in drei verschiedenen Führungen etwas über die evangelische Peterskirche und ihre Geschichte, über das besondere Kriegerdenkmal von Curt Liebich und über die ökumenische Zusammenarbeit in den Gemeinden Hausach und Gutach.

Zuversicht und Stärke

Abends stand ein lockerer Austausch auf dem Programm, der sehr intensiv genutzt worden sei. Es habe sich in vielen Gesprächen herausgestellt, dass die Christen auf der Welt alle die gleichen Probleme hätten: Die Zahl der Christen nimmt ab, und die Bedeutung der christlichen Kirche ebenfalls, berichtete Dominik Wille. Alle seien auf der Suche, dem zu begegnen – und diese sei geprägt „von der Zuversicht, dass wir uns auf unseren Gott verlassen können.“ Diese Zuversicht und die Stärke, die Gemeinschaft spenden kann, prägte auch den gemeinsamen Gottesdienst am Sonntagmorgen.


Stimmen der Teilnehmer:

Yvonne Dianna Wright von der Presbyterian Church USA aus Kentucky: „Das Kinzigtal ist der perfekte Ort, um Menschen aus der ganzen Welt zu erleben. Diese Gemeinschaft ist ein Geschenk. Wir müssen zusammenstehen in der Welt, wir sind nur gemeinsam stark.“

Zoughbi Zoughbi aus Bethlehem in Palästina: „Ich bin sehr gerührt und aufgewühlt von den Erlebnissen hier. Ich fühle eine tiefe Spiritualität. Wir erleben hier im Schwarzwald eine wundervolle Gastfreundlichkeit. Das ist ein Stück Himmel auf Erden.“

Father Thomas Ninan von der Christian Service Agency (CSA) aus Indien: „Ich spüre sehr viel Liebe hier. Es ist wundervoll und wir fühlen uns sehr willkommen. Die CSA fördert die Entwicklung der Menschheit hin zu einer Gesellschaft der Gerechtigkeit, des Friedens und der Würde für alle.“

Rachelle van Andel, Pfarrerin aus Maastricht, bald Amsterdam (Niederlande): „Mein Partner ist Hindu, die Verständigung der Religionen hat für mich so auch eine ganz persönliche Bedeutung. Wir sind so froh, dass wir uns hier alle treffen und austauschen können.“

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Aus allen Kontinenten kamen Vertreter aus christlichen Kirchen der Welt nach Gutach und Hausach, um ein Stück Schwarzwald zu genießen und sich mit den heimischen Christen auszutauschen. Hinten in der Bildmitte Bürgermeister Siegfried Eckert, der die Teilnehmer herzlich in Gutach vor der evangelischen Peterskirche begrüßte.