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Die Schwarzwald-Modellbahn kommt nach Gutach

Die Tinte unter dem Pachtvertrag ist trocken, die Sache ist geritzt: Im nächsten Jahr wird die Schwarzwald-Modellbahn aus Hausach in die Halle neben dem Gutacher Norma eingepasst. Samuel Reichert plant auch noch einen Anbau für mehr Platz und mehr Flair.

 Zu den vielen Tourismusattraktionen Gutachs kommt nun eine weitere „Indoor-Attraktion“ hinzu: Dass die Schwarzwald-Modellbahn, die im vergangenen Jahr in Hausach geschlossen wurde, nach Gutach kommt, ist nun endgültig. Samuel Reichert hat am Montagnachmittag, 16.12.2019 den Pachtvertrag mit Centerscape abgeschlossen für die Halle neben dem Norma-Einkaufsmarkt – einst Schlecker und Getränke-Lauble.

Als bekannt wurde, dass Thomas Panzer seine Anlage in Hausach aufgeben würde, hatte der Gutacher „Engel“-Wirt die gleiche Idee wie Bürgermeister Siegfried Eckert: „Die Anlage muss nach Gutach.“ Im Abstand von nur einer halben Stunde haben sich beide bei Panzer gemeldet. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte dieser die Anlage schon an einen hessischen Investor so gut wie verkauft. Als sich dieser Handel dann doch noch zerschlagen hatte, meldete sich Panzer wieder bei Samuel Reichert – und dessen Interesse war unverändert.

Anbau gleicht Bahnhof Himmelreich

Er hatte bereits eine Leader-Förderung abgeklärt, die aber nur „Nagelneues“ fördert – und eine neue Modellbahn hätte „utopische Summen“ gekostet. Reichert wurde nicht nur mit Panzer handelseinig, sondern auch mit Oliver Djoric von  Centerscape. Den erforderlichen Anbau wird er selbst bauen, dafür darf er die gepachtete Halle während der Aufbauzeit mietfrei nutzen.

Samuel Reichert ist mit seiner ganzen Familie Feuer und Flamme für dieses neue Projekt. Auf der Suche nach historischen Schwarzwaldbahnhöfen stießen sie sehr schnell auf den Bahnhof Himmelreich (an der Höllentalbahn im Hochschwarzwald): So soll der Anbau aussehen – originalgetreu mit gleicher Dachneigung für einen großzügigen Shop mit Bistro im Schwarzwald-Flair.

Kunstmaler kommt schon im Januar

Noch stehen die Module der Schwarzwald-Modell-Bahn in ihrer einstigen Halle, nur die Loks sind alle schon gut verpackt in Gutach verstaut. Reichert kündigte Hauptamtsleiter Fritz Ruf und Bürgermeister Siegfried Eckert rechtzeitig die Unterlagen an, damit der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung im neuen Jahr über die Nutzungsänderung entscheiden kann. Der Bauantrag für den Anbau werde etwas länger brauchen.

Aber dann kann im Januar schon mal der Maler anrücken – der gleiche, der auch damals in Hausach die weißen Wände in eine Schwarzwaldlandschaft verwandelt hat. Die 526 Quadratmeter große Halle hat die gleiche Breite wie die Hausacher, ist aber etwas kürzer. Thomas Panzer wird die Schwarzwald-Modellbahn dort einpassen, und er wird dann auch die technische Betreuung der Anlage übernehmen – gemeinsam mit Asriel Unterweger. Der Neffe von Samuel Reichert freut sich darauf, sich da einzuarbeiten.

Die gesamte Beleuchtung wird auf LED umgestellt. Wie damals in Hausach wird die Bahn auch in Gutach eröffnen, bevor sie fertig ist, um den Modellbahnfreaks die Möglichkeit zu geben, den Aufbau mitzuverfolgen und eventuell auch mitzuhelfen. „Ostern wäre super, aber eine große Herausforderung“, so Reichert.

Kleines Gutacher Konjunkturpaket

Der Bau der Schwarzwald-Modellbahn wird auch ein kleines Gutacher Konjunkturpaket: Den Anbau für Laden und Bistro wird das Zimmergeschäft Lothar Gebele übernehmen, die Elektroinstallation die Firma Brohammer, und beim Betrieb des Bistros wird Dorfbeck Karl-Heinz Wöhrle mit im Boot sein.

Bürgermeister Siegfried Eckert freute sich am Montag riesig, dass dieser Deal gelungen ist. Erstens habe man damit wieder einen Leerstand in Gutach beseitigt, und zweitens könne man das Touristikangebot noch einmal um eine sehr gute Attraktion bereichern. Mit dem Ensemble Dorotheenhütte in Wolfach, Kinzigtalbad in Hausach und Schwarzwald-Modellbahn in Gutach könne man den Gästen damit ein sehr gutes Angebot auch für Schlechtwettertage machen. Dass die Gästezahl in Gutach steigen wird, dafür wird dann auch die neue Zukunft der „Linde“ sorgen.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Samuel Reichert, rechts, hat mit Oliver Djoric von Centerskape den Pachtvertrag abgeschlossen.