im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Ein Besuch bei Hasemanns

Im ehemaligen Atelier des weltbekannten Schwarzwaldmalers ist die Zeit stillgestanden

Sanierung und Erhalt des Hasemann-Ateliers war eines der Themen, die Bürgermeister Siegfried Eckert zur Bürgermeisterwahl auf dem Plan hatte. Wir haben uns dieses Archiv einmal mit Siegfried Eckert und Bauhofleiter Björn Welke angesehen.

Als ob die Zeit stillgestanden wäre und sich 100 Jahre lang nicht gerührt hätte. Knarrend öffnet sich die Tür zu dem Raum im Anbau des einstigen Wohnhauses von Wilhelm Hasemann – von außen ein unscheinbarer Holzschuppen an einem Altbau im Hasemannweg in Gutach. Hier, in seinem Atelier, hat der Schwarzwaldmaler seine Trachten- und Landschaftsbilder gemalt, mit denen er weltweit berühmt wurde. Und hier scheint sich in den vergangenen 100 Jahren nichts verändert zu haben.
Bauhofleiter Björn Welke öffnet die Läden, damit Licht eindringt. Durch die kleinen Quadrate der Sprossenfenster fällt es auf einen massiven
Schragentisch mit verzogener Tischplatte, alte Stühle mit geschnitzten Lehnen und gedrechselten Beinen, eine bekleckste Staffelei und einen Schrank aus der Gründerzeit mit einem Globus, aus dessen Welt dieses Kleinod gefallen schien.

Bürgermeister Siegfried Eckert öffnet die Schranktüren – dahinter stapeln sich alte Schriftstücke, die dringend ordentlich archiviert gehören. Björn Welke zieht die oberste Schublade einer alten Kommode auf: Bücher über Bücher. Eduard Mörikes „Sämtliche Werke“, Theodor Storms „Pole Poppenspäler“, ein Buch von 1833 über Niccolo Machiavellis „Kriegskunst“: Eine Fundgrube für Historiker. „Es ist eine Verpflichtung, dieses Atelier zu erhalten, es wäre der Nachwelt nicht erklärbar, nichts zu machen“, sagt Siegfried Eckert. Und es sei ein Wettlauf mit der Zeit, „nach fünf Jahren wird das ja nicht besser hier“.

Hoffnung auf Schenkung

Das Haus gehört der Enkelin von Wilhlem Hasemann. Renate Hasemann wohnt in Freiburg. Sie sei nicht leicht zu erreichen, über Georg Liebich, der sich um das Haus kümmerte, habe man es geschafft. Der Enkel des Schwarzwaldmalers Curt Liebich, des Schwagers von Hasemann, ist vor wenigen Wochen gestorben.
Am Wohnhaus hat die Gemeinde kein Interesse. „Über das Atelier könne man sich schon unterhalten“, berichtete Eckert von einem Gespräch mit Renate Hasemann. Er hofft auf eine Schenkung – die dann aber die Verpflichtung mit sich bringen würde, das Atelier zu sanieren und irgendwie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Eckert sehe es als seine Aufgabe an, mit dem Gemeinderat über die Möglichkeiten zu sprechen. Er rechnet „gefühlt mit einer Investition von 50 000 bis 80 000 Euro“, so der Bürgermeister. Vor dem Hintergrund, dass für 2020 der Haushalt nicht ausgeglichen werden konnte, eine große Summe angesichts vieler dringender Aufgaben. Eckert denkt beispielsweise an einen Förderverein: „Auch in der Malerszene und unter den Liebhabern der Kunst Hasemanns gibt es viele, die dieses Atelier erhalten wollen“, hat er erfahren.

„Wichtiges Zeitzeugnis“

„Hasemanns Atelier ist ein wichtiges Zeitzeugnis der Anfänge der Gutacher Malerkolonie. Es ist ehrenwert, dass die Gemeinde sich dessen Rettung und Neubelebung zur Aufgabe macht“, sagt Jean-Philippe Naudet, Vorsitzender des Kunstvereins Hasemann-Liebich. Für das Kunstmuseum komme jedoch nach wie vor nur das Krämerhaus als Wirkungsort infrage, nicht zuletzt aus Kapazitätsgründen.

Hasemann-Atelier:
Der Freund und Xylograph (Holzschneider) Carl Streller schreibt Wilhelm Hasemann auf sein Ansinnen, in Gutach ein Atelier zu bauen: „Mit Ihrem Plan, sich ein Atelier zu bauen, bin ich ganz einverstanden. Wenn Sie glauben, dass Ihnen Gutach für eine lange Zeit Stoffe und Motive bietet als dieselben hinreichend die Kosten des Baus decken und verzinsen, so wäre ja diese Frage hiermit erledigt.“ Am 20. März 1882 schrieb Wilhelm Hasemann seinen Eltern, dass er sich in Gutach angekauft habe. Acht Tage später wurden die Grenzsteine gesetzt und am 21. April die Arbeiten an acht Handwerksmeister vergeben. Ein altes Gütlerhäuschen sollte abgerissen und neu aufgebaut werden. Die Zimmerleute entschieden sich für das Haus der Peterbäuerin im Steinenbach, weil es das bessere Holz hatte. So gelangte das Hasemann-Atelier vom Steinenbach direkt ins Dorf in den heutigen Hasemann-Weg (wer es sucht: hinter dem Baugeschäft Wöhrle). Das Wohnhaus ließ Hasemann allerdings erst einige Jahre später bauen, als er „besser betucht“ war. Quelle: Wilhelm Hasemann – Sein Weg zum Schwarzwaldmaler, Eigenverlag Kunstmuseum Hasemann-Liebich

Claudia Ramsteiner
Offenburger Tageblatt

Blick ins Atelier des 1913 verstorbenen Schwarzwaldmalers Wilhelm Hasemann im Gutacher Hasemannweg – als hätte er es gestern erst verlassen.

Der Brief von 1926 zeigt, dass auch Schriftverkehr aus der Zeit nach dem Tod Hasemanns noch aufbewahrt ist.

Bürgermeister Siegfried Eckert blickt aus dem Fenster des Hasemann-Ateliers, das er der Nachwelt gern erhalten möchte.

Bauhofleiter Björn Welke öffnet die Kommodenschublade mit vielen alten Büchern.