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Eine »Hommage an Gutach«

Förderverein Chorakadmie bleibt bestehen und wird zum Förderverein für kulturelle Veranstaltungen

Nach kontroverser Diskussion und Abwägung aller Argumente entschied sich am Freitag, 01.06.2018 in der Hauptversammlung des Fördervereins Chorakademie der überwiegende Teil der Mitglieder dafür, den Verein bestehen zu lassen und seinen Zweck anzupassen. Sänger sind keine Vereinsmeier, sie wollen vor allem Singen. Deshalb stellte die Hauptversammlung des Fördervereins Chorakademie seine Mitglieder  auf eine Geduldsprobe: Anders als bisher – schnell die gesetzlich notwendigen Regularien abarbeiten und dann wieder ans Proben gehen – gab es dieses Mal eine recht harte Nuss zu knacken.

Dass die Gutacher Chorakademie so, wie sie 25 Jahre lang bestanden hat, aufgelöst wird, war schon länger klar: Der musikalische Leiter Johannes Esser aus Düren, Geschäftsführer und Cheforganisator Jürgen Bärmann sowie Küchenchefin Hannelore Bärmann hatten nach 25 Jahren genug. »Im vergangenen Jahr war mir klar, dass wir in diesem Jahr die Liqudatoren wählen müssen, um den Verein aufzulösen«, sagte Geschäftsführer Jürgen Bärmann in seinem Jahresbericht. Doch dann begann es zu nagen: Gegründet wurde der Förderverein ausschließlich deshalb, um mit der Chorakademie auch größere Projekte finanziell stemmen zu können. Warum ihn nicht weiterbestehen lassen mit dem Zweck, auch andere kulturelle Veranstaltungen zu unterstützen?

»Es gibt viele Musiker und Sänger, die mit der Chorakademie eng verbunden sind, die dann bei einem Konzert in Gutach oder in der Region ein deutlich kleineres Risiko hätten«, sagte Bärmann – und erklärte sich bereit, statt des bisherigen Postens des Geschäftsführers den Vorsitz zu übernehmen. Er sehe seine Aufgabe dann vor allem darin, für Konzerte einen geeigneten Ort zu finden sowie die Plakatierung und die Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen. Auch der bisherige Stellvertreter Volker Pirsich sagte sein weiteres Engagement zu – allerdings nicht als erster Stellvertreter, weil Wilhelmshaven immerhin 740 Kilometer von Gutach entfernt sei. Jean-Philippe Naudet willigte ein, das Amt des Vizevorsitzenden zu übernehmen, Schatzmeisterin Ilona Abels und Schriftführerin Lisa Vogelsang waren ebenfalls bereit, im Vorstand weiterzuarbeiten.

Gespannt war das Team dann, was die Mitglieder dazu sagen – sie leben zu 80 Prozent in ganz Deutschland verstreut und haben eigentlich mit kulturellen Veranstaltungen in Gutach nichts zu tun. Zunächst kamen jene zu Wort, die für einen Schlussstrich plädierten – weil sie mit anderen kulturellen Veranstaltungen in Gutach nichts zu tun hätten oder weil sie Misstöne befürchteten in der Auseinandersetzung, wer und was gefördert werden soll.

Die andere Seite hatte aber offensichtlich die zugkräftigeren Argumente: Wenn der Vorstand fast geschlossen weitermachen wolle, könne man dazu doch Vertrauen haben – und viele äußerten sich einfach dankbar für die 25 Jahre und wollten den Verein als »Hommage an Gutach« bestehen lassen. Natürlich brachen auch Bürgermeister Siegfried Eckert und Vereinssprecher Werner Hillmann eine Lanze für diese Lösung, die mit 28 Ja-Stimmen, neun Gegenstimmen und drei Enthaltungen von einer großen Mehrheit mitgetragen wurde.

Die neue Satzung wurde gleich mit verabschiedet, die im Vereinszweck auch die Förderung anderer kultureller Veranstaltungen ermöglicht. Im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt äußerte Jürgen Bärmann die Hoffnung, die Chorakademie könnte möglicherweise mit einem Neuanfang »zurück zu den Wurzeln« kehren – man habe damals ja auch mit einem kleinen Kammerchor angefangen. Über die Ehrungen und die Verabschiedung des bisherigen Vorsitzenden Ansgar Barth werden wir noch berichten.

Claudia Ramsteiner
Offenburger Tageblatt

Führen den Förderverein Chorakademie in eine neue Zukunft: von links der neue Vorsitzende Jürgen Bärmann (bisher Geschäftsführer), Schatzmeisterin Ilona Abels, Schriftführerin Lisa Vogelsang, der zweite stellvertretende Vorsitzende Jean-Philippe Naudet (neu) und der dritte Stellvertreter (bisher Vize-Vorsitzender) Volker Pirsich.