im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Es darf ruhig in der Gemeinde bleiben

Landwirt Florian Wöhrle setzt sich für Regionalität ein

Zuliefern, verarbeiten und an die Gäste bringen, geht in Gutach manchmal Hand in Hand und nicht über die Grenzen der Gemeinde hinaus. Der Lieferweg könnte nicht kürzer sein und die gegenseitige Hilfe in Zeiten von Corona auch nicht. So jedenfalls beschreibt Landwirt im Nebenerwerb Florian Wöhrle seine noch recht junge Geschäftsbeziehung zu Gastwirt Christian Weber von „Webers Esszeit“ in Gutach, die kurz vor der Corona-Krise begann und die trotz Einbrüchen in der Gastronomie noch Bestand hat. Rund alle zwei Wochen bezieht der Gutacher Gastronom ein ganzes Rind von Wöhrle, in küchenfertigen Teilen und verarbeitet das regionale Fleisch vom Schwanz des Tiers bis zur Schnauze. Das schätzt Wöhrle und das nicht nur als Biolandwirt.

Er ist gelernter Metzger. Von Kindesbeinen an half er in der benachbarten Landwirtschaft beim Vorderschlauchbauernhof mit. Und als der Bauer dort verkaufen wollte, machte er Nägel mit Köpfen und verkaufte 2016 an Wöhrle.

Und weil man gemeinsam in der Landwirtschaft heute stärker ist, nahm er die Kollegen Martin Moser vom Joklisbauernhof und Jürgen Lehmann vom Oberainbauernhof mit ins Boot. Gemeinsam bewirtschaften sie ihre rund 70 Tiere auf insgesamt 68 Hektar Grünland. „Wir haben für jedes Tier genügend Weidefläche und Stallplatz“, so Wöhrle.

Letzteres haben sie im Offenfrontstall den Wöhrle im vergangenen Jahr baute und wo auch die Kollegen im Winter ihre Tiere unterstellen – zumeist Charolais-Rinder, eine französische Rinderrasse. Im Januar haben alle drei Landwirte ihre Betriebe auf Bioproduktion umgestellt, was auch gute Bedingungen zum Tierwohl und ein Weglassen von Dünger beinhaltet, erklärt der Gutacher.

Total überzeugt ist Wöhrle davon, dass das Fleisch was im Schwarzwald „wächst“, besser ist, als das, was manche Gastronome im Ausland, beispielsweise aus Argentinien oder Irland, beziehen. „Wir haben hier alle Voraussetzungen: bestes Gras, beste Weiden, beste Schwarzwaldluft“, zählt der Landwirt auf, „und ich kann es nicht leiden, wenn das Fleisch dann aus dem Ausland kommt“, sagt er.

Gerade deshalb beliefert er Weber, der regionale Produkte offenbar zu schätzen weiß. Viel mehr möchte Wöhrle gar nicht vermarkten, sondern lediglich die Lanze für die regionale Landwirtschaft und deren Produkte brechen.

Martina Baumgartner, Offenburger Tageblatt

Oskar und Hugo (Kinder von links) gehen mit Vater Florian Wöhrle gerne in den neuen Offenfrontstall beim Vorderschlauchbauernhof.