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Gemeinschaft muss man pflegen

Der erste Vereinssprecher in Gutach, Werner Hillmann, gibt seine Aufgaben nach zwölf Jahren an einen Nachfolger ab. „Ich habe das sehr gerne gemacht und es ist ein wichtiges Amt“, sagt er.

Sie sind der erste Vereinssprecher Gutachs im Amt. Wie ist es dazu gekommen?
Werner Hillmann: Ich kam 1970 nach Gutach und ich war 1972 in Vereinen dort aktiv, 18 Jahre lang bis 2008 auch als Vorsitzender der Gutacher Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins. 2008 gab es eine Landwirtschaftliche Ausstellung in Gutach. Die Gutacher Vereinsgemeinschaft, die es auch zuvor schon gab, war dort aktiv, der Schwarzwaldverein federführend und ich organisatorisch für die Koordination der Vereine dafür tätig. Bürgermeister Siegfried Eckert schlug deshalb wohl damals das Amt und mich dafür vor und ich wurde gewählt.

Warum haben Sie die Aufgabe damals übernommen?
Hillmann: Der Zusammenhalt der Vereine in Gutach ist besonders. Es gab schon immer Veranstaltungen in Gutach, bei denen die Vereine gemeinsam geholfen haben. Auch untereinander unterstützen sich unserer Vereine mit viel Engagement, aber ohne viel Aufhebens, beispielsweise bei der Bewirtung oder im Fall der Trachtenkapelle und des Akkordeonorchesters mit Musizieren bei Festen. Man geht gut und wertschätzend miteinander um. Die Vereinsgemeinschaft macht ein Geben und Nehmen aus. Das hat mir immer schon gut gefallen und ich wollte mich dafür einsetzen.

Warum ist die Vereinsgemeinschaft in Gutach so stark?
Hillmann: Das ist wohl aus der Tradition heraus gewachsen und gab es auch schon vor meinem Amt. Als Vereinssprecher habe ich es mir auch zur Aufgabe gemacht, diese immer wieder ins Bewusstsein zu rufen und sie weiterhin zu pflegen. Ohne Pflege einer Gemeinschaft droht diese zu zerfallen. Zudem versuche ich am Neubürgerempfang mit der Aktion „Vereine schützen vor Einsamkeit“ immer wieder bei Bürgern vorzustoßen um Vereinsmitglieder zu generieren. Das unterstützt sowohl die Bürger über das Anstoßen sozialer Kontakte als auch die Vereine und nicht zuletzt die dörfliche Gemeinschaft in Gutach.

Was gehört zu Ihren Aufgaben als Vereinssprecher und wie viel Zeit nimmt die Arbeit in Anspruch?
Hillmann: Das ist kein Fulltimejob und mal ist mehr und mal weniger los. Kommt auch darauf an, ob Veranstaltungen anstehen, bei denen die Vereine unterstützen. Der Vereinssprecher funktioniert als Scharnier zwischen Gemeindeverwaltung und Vereinen. Er vertritt dort die Vereine, wenn es um Dinge geht, die alle Vereine betreffen. Und zudem gibt es feste und wiederkehrende Aufgaben.

Welche?
Hillmann: Die Vereinsgemeinschaft bewirtet immer an der Fasnacht nach dem Kinder­umzug. Außerdem informiere ich beim Neubürgerempfang zu den Vereinen in Gutach. Einen Rück- und Ausblick zu unserer Arbeit gebe ich bei der Einwohnerversammlung einmal im Jahr. Außerdem leite ich die Vereinsvertreterversammlung, bei der die Termine aller Vereine zu Jahresbeginn abgestimmt werden. Zudem vertrete ich die Vereine und spreche in ihrem Namen beispielsweise bei Nachrufen oder wie im Herbst bei der Begrüßung des neuen Pfarrers und Jubiläen.

Warum hängen Sie das Amt jetzt, nach zwölf Jahren Tätigkeit, an den Nagel?
Hillmann: Ich war zu jeder Zeit sehr gerne Vereinssprecher in Gutach. Es hat mir immer viel Spaß gemacht, mich für die Sache einzusetzen. Ich habe allerdings auch noch andere Aufgaben übernommen, die mir ebenfalls wichtig sind,  und ich möchte zudem auch etwas mehr Freizeit, beispielsweise zum Wandern und Fahrradfahren, haben. Seit knapp zehn Jahren bin ich nicht mehr berufstätig und möchte meine Zeit etwas einteilen.

Welche Aufgaben beschäftigen Sie denn zudem?
Hillmann: Bisher war ich im Schwarzwaldverein-Präsidium des Hauptvereins in Freiburg als einer der drei Vizepräsidenten tätig. Jetzt habe ich mich weitere drei Jahre dafür verpflichtet und vertrete den Bereich Mittlerer Schwarzwald. Daneben bin ich Bezirkswegewart im Bereich Kinzigtal. Zu dessen Aufgaben gehören die Zuständigkeiten für die Fernwanderwege und Zuwege des Schwarzwaldvereins und die Betreuung der Wegewarte der elf Ortsgruppen im Kinzigtal.

Suchen Sie bereits aktiv nach einem Nachfolger als Vereinssprecher in Gutach?
Hillmann: Es hat bereits einige Gespräche gegeben. Gutach hat ja einen Hort von Kandidaten, die infrage kämen.

Und? Fündig geworden?
Hillmann: Ja.

Wer ist denn Ihr Nachfolger?
Hillmann: Das soll eine Überraschung sein. Er wird sich bei der kommenden Vereinsvorstände-Besprechung offiziell vorstellen. Bis dahin müssen Sie sich noch gedulden.

Martina Baumgartner
Offenburger Tageblatt

Werner Hillmann hat die Arbeit als Vereinssprecher in Gutach immer sehr viel Spaß gemacht. Deshalb geht er mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge.