im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Große Vielfalt der Kleinkunst

Das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof lockte am Samstag, 30.07.2022 rund 400 Besucher zu seiner ersten Kleinkunst-Serenade auf den illuminierten Festplatz vor dem Falkenhof.

Über 400 Besucher waren es wohl, die am Samstagabend die Wiese vor der Bühne am Falkenhof im Freilichtmuseum bevölkerten. Jenes hatte zu einer abendfüllenden Kleinkunst-Serenade geladen, bei der die Menschen an diesem lauen Sommerabend vor einer einzigartigen Illumination und viel Bühnennebel die Kunst von acht Formationen aus der Region verfolgen konnten.

Die Begrüßung des großen Publikums übernahm Marco Pereira, der mit dem Wind und dem Vorhang zu kämpfen hatte. Den Anfang vor dem kunstvoll ins rechte Licht gerückten alten Schwarzwaldhofs machte ein kunstvolles Trio aus Wolfach: „A voice, six strings and a wooden box“ nannte sich die Formation mit der Sängerin Catia Ganatz, dem Gitarristen Max Ganatz und Michael Kiefer auf dem Cajon und dem Kazoo. Mit ihrer bewundernswerten Stimme und in gutturalem Portugiesisch sang die gebürtige Portugiesin neben einem Protestlied gegen das Salazar-Regime Fados eine heiße brasilianische Samba. Ihr Mann begleitete sie auf der Gitarre und verstärkte ihre schöne Stimme mit seinen Gesangseinlagen, während das Cajon den mitreißenden Rhythmus lieferte.

Viel zu kurz schien die der Gruppe zugebilligte halbe Stunde, als auch schon der zweite Beitrag begann: Der Liedermacher Wolfgang Gerbig alias „Woger“ aus Staufen, sang in der Tradition von Barden wie Hannes Wader zur Gitarre und zum Klavier eigene und eigenwillige Lieder. „Als singender Poet melde ich mich zu Wort“, stellte er sich mit seiner kraftvollen Stimme vor und: „Nein, ich bin keiner, der sich still vom Acker macht.“ Ein Lied über seinen Vater geriet ihm zum Anti-Kriegs-Lied und mit dem durch Loop-Effekt vielstimmigen „Lieben“ feierte er die Gewaltlosigkeit. „Kleines Lächeln“ hatte er als letztes Lied vor der Pandemie gesungen und er sang es auch als letztes an diesem Abend: „Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen!“

Dann ertönte unverkennbar Helmut Dolds Stimme: „Ich bin de Hämme aus Kuebe“. Über „den Badener an sich“, der gar nicht blöd sein könne, sinnierte er da: „Oder kenne ihr en bleder Mensch us Bade?“ Dann bat er „Frau Dold“, wie er seine Frau Diana zu nennen pflegt, auf die Bühne und lieferte mit ihr zusammen das köstliche Kabarettstückchen „Leider sprech ich kein Badisch“ ab, um dann die Zuhörer umgehend als Mitglieder in den „Dätschmer-Club“ einzuladen. Mit einer Extra-Fanfare für den Vogtsbauernhof verabschiedete er sich von seinem begeisterten Publikum.

Hochalemannisch gegen Niederalemannisch hieß es beim Rede-Gesangs-Duell der preisgekrönten Mundartautorin Ulrike Derdinger aus Kürzell und dem Liedermacher Heinz Siebold vom Wiesental. Sie machten poetisch den klaffenden Unterschied zwischen Sagen und Meinen deutlich, beklagten sich über die Mangelware „gschaffige Frau“ und zeigten Mitgefühl mit den Lahrer Russendeutschen, die neben Deutsch auch noch die „Lohrer Sproch“ lernen müssen.

Mit „Snapshot“ kamen die stimmgewaltige Wolfacherin Hannah Schiekofer und der virtuose Hausacher Gitarrist Roland Jäckle auf die Bühne und boten hinreißende Coverversionen von Songs von Adele bis Bob Dylan, Bluegrass- und Leadwood-Folk-Songs und als gefeiertes Highlight zum Schluss Rihannas lyrisches „Stay“.

Magdalena Ganter hatte 2015 schon einmal mit ihrem Electro-Chanson-Trio „Mockmalör“ einen spektakulären Auftritt in Vogtsbauernhof. Die Sängerin hatte diesmal den Multi-Instrumentalisten Robert Pachaly und den Bassisten Jonas Hammerschmidt mitgebracht – in dieser Besetzung eine Premiere und ein Glücksfall. Was diese drei mit Magdalenas tonalen Stimmausbrüchen, Roberts lyrischer Violinbegleitung und Jonas’ mitunter schaurigen Geräusch-Effekten da auf die Bühne zauberten, lässt sich kaum mehr beschreiben. Neben eigenen Songs brachte die Formation eine Hommage an Hildegard Knef und „Ton, Steine, Scherben“ – und durfte erst nach einer Zugabe von der Bühne, bei der als Instrument sogar eine Säge zum Einsatz kam und mit dem Versprechen: „Unsere Reise geht weiter“.

Den letzten Auftritt des langen Abends hatten der Singer-Songwriter Dominik Büchele aus Kappel-Grafenhausen mit seinem Bruder Mirko. „Wieviel Wasser muss de Rhii na renne?“ fragte er sich und sinnierte entwaffnend ehrlich über den eigenen Mut: „Wen ich nur kennt, ich dät dir sage, was ich denk.“ Auch hier war noch eine Zugabe fällig, ehe die begeisterten Zuhörer die beiden von der Bühne ließen.

Andreas Buchta, Offenburger Tageblatt

Einer der Höhepunkte der ersten Kleinkunst-Serenade im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof: Magdalena Ganter mit ihren kongenialen musikalischen Partnern Robert Pachaly (rechts) und Jonas Hammerschmidt.

Rund 400 Besucher genossen die Atmosphäre der Kleinkunst-Serenade auf dem Festgelände vor dem Falkenhof.