im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Gutach hat ein "Mitsitzbänkle"

Vier lebensgroße Trachtenpuppen laden Gäste des Bollenhutdorfs zum Dazusitzen und Fotografieren ein

Nach der feierlichen Enthüllung aller vier Statuen am Donnerstagabend, 15.08.2019 hat das Bollenhutdorf Gutach eine neue Touristenattraktion: Jeder kann sich zu einem lebensgroßen Bollenhutmädchen auf eine Bank setzen und Bilder unter dem Hashtag »Liesele« ins soziale Netzwerk laden.

Vor rund 120 Jahren waren es die von den beiden Gutacher Schwarzwaldmalern Wilhelm Hasemann und Curt Liebich gestalteten Postkarten, die die Bollenhuttracht in die ganze Welt hinaustrugen. Die Zeiten haben sich geändert, und mit ihnen die Art und Weise, wie Urlauber ihre Lieben daheim grüßen.

Dem hat die Gemeinde nun Rechnung getragen und lädt mit lebensgroßen Bollenhutmädchen aus Kunstharz an vier Stellen zum Fotografieren und zum Posten in den sozialen Netzwerken ein . »Bilder gehen schneller um die Welt als Worte«, betonte Bürgermeister Siegfried Eckert, der bei der offiziellen Enthüllung der vier Statuen erläuterte, wie es dazu kam. Man habe sich, auch auf Wunsch der Bürger und des Tourismusvereins, schon lange Gedanken gemacht, wie man an den Ortseingängen darauf aufmerksam machen könnte, dass in Gutach die weltberühmte Bollenhuttracht zu Hause ist.
Als dann Kirnbach seine Stelen aufstellte, schied diese Variante aus – man wollte ja nicht als Nachahmer dastehen. Dann kam der Gutacher Werbefachmann Hans-Jörg Haas mit der Idee der lebensgroßen Bollenhutmädchen auf einem Bänkle. »Wir haben uns überzeugen lassen, dass das Gutach gut zu Gesicht steht«, sagte Eckert.

Zwei Bänkle im Ortskern

Im Tourismusverein und im Tourismus-Ausschuss des Gemeinderats sei die Idee diskutiert und weiterentwickelt worden. So entschied man sich nicht nur zum Blickfang an den Ortseingängen, sondern zu zwei weiteren »Mitsitzbänkle« im Kurpark und im Lindengarten, weil sich vor allem dort die Gäste aufhalten und Gelegenheit bekommen sollen, sich mit dem Bollenhutmädchen fotografieren zu können.
Davon können die »echten« Trachtenmädchen Gutachs nämlich ein Lied singen – wenn sie regelmäßig am Wochenende im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof unterwegs sind, erleben sie hundertfach die Bitte, mit ihnen fotografiert werden zu dürfen.

Hans-Jörg Haas wollte seine Idee zunächst mit einem 3-D-Drucker umsetzen, das wäre aber viel zu teuer geworden. Er fand aber eine Firma, die dreidimensionale Skulpturen in Kunstharz herstellt. Jule Albrecht stand ihm als Model zur Verfügung – Haas hat sie von allen Seiten fotografiert, die Firma habe von den Bildern die Statue aus Styropor und Gips modelliert, daraus eine Form hergestellt, diese in Kunstharz gegossen und von Hand bemalt.

Bis es soweit war, habe es allerdings vieler Korrekturen bedurft, »ich weiß doch, wie detailverliebt die Gutacher sind, wenn es um ihre Tracht geht«, schmunzelte Haas. Und zum Schluss sei sie dann entschieden zu blass angekommen. Der Haslacher Lackierer Hubert Falk habe sie dann noch »geschminkt«.

Großer Beifall

Da kam auch Mike Lauble, der Vorsitzende der Gutacher Trachtenkapelle mit ins Spiel, der sich freute, dass er »am letzten Schliff beteiligt war«. Der Bauhof mit seinem Leiter Björn Welke hat die Bänkle samt Puppen auf Betonfundamenten fest verankert. Knapp 20 Passanten – Gutacher und Gäste – verfolgten unter großem Beifall die Enthüllung und waren allesamt sehr angetan von dieser neuen Attraktion Gutachs.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

 

Monika Schondelmaier und Anne Wöhrle vom Tourismusverein, Bürgermeister Siegfried Eckert, Werbefachmann Hans-Jörg Haas und rechts von der Trachtenpuppe Kathrin Ecker und Mike Lauble enthüllten die „Mitsitzbänkle“ mit den lebensgroßen Bollenhutmädchen am Donnerstagabend, 15.08.2019.

Kathrin Ecker probierte mit ihrem Sohn Leon auch gleich ein Selfie aus.

Familie Ostgathe, die am Morgen noch für ihren zehnten Urlaub in Gutach geehrt worden war, waren die ersten Gäste, die sich damit fotografierten.