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Gutach verbittet sich Einmischung

Gutacher Gemeinderäte ärgern sich über Nachbarkommunen „mit Tunnel und Umfahrung“, die ihren Schutz der Bevölkerung vor dem nächtlichen Verkehrslärm torpedieren wollen.

Mike Lauble (CDU) war der erste, der in der Gemeinderatssitzung am Dienstag in der Gutacher Festhalle seinem Ärger Luft machte über die Einwände benachbarter Kommunen zum Gutacher Lärmaktionsplan. „Wir haben uns nicht darum gerissen und hatten immer das Damoklesschwert einer angeordneten verschärften Geschwindigkeitsbeschränkung auch am Tag über uns“, erläuterte er, wie es zu dem Beschluss kam, die Geschwindigkeit an drei Stellen nachts auf 30 zu beschränken.

„Und nun kommen Kommunen, die selbst eine Umfahrung mit Tunnel haben und in ihrer Stadt das Tempo auf 20 Stundenkilometer beschränkt haben, und wollen uns vorschreiben, dass wir nicht nachts auf 30 Stundenkilometer gehen“, ärgerte sich der Bürgermeisterstellvertreter. Bekanntlich hatte sich Wolfach im Gemeinderat für ein Veto entschieden (wir berichteten am Mittwoch), weil befürchtet wird, dass die Verkehrsteilnehmer den Weg über Wolfach nehmen, wenn sie durch Gutach knapp drei Minuten länger bräuchten.

Hauptamtsleiter Fritz Ruf erläuterte auf die Frage von Gerhard Wöhrle (SPD), was „die mit unserem Lärmschutzplan zu tun haben“, dass dieser wie ein Bebauungsplan offen liegt und jeder seine Einsprüche vorbringen kann. „Sollen sie sich doch alle dafür einsetzen, dass Gutach auch eine Umgehung bekommt“, wandte Karla Wöhrle (CDU) ein. Auch Bürgermeister Siegfried Eckert zeigte sich überrascht über Einsprüche der Nachbarkommunen: „Wer selbst 20 Stundenkilometer hat, sollte sich zurücknehmen, in Gutach die 30 anzuprangern.“ Gerade habe eine Geschwindigkeitsmessung wieder gezeigt, dass von 2400 Fahrzeugen mehr als zehn Prozent zu schnell waren, sehr viele mit einer Überschreitung von 20 bis 30 km/h.

Der Gemeinderat habe sich dieses Lärmaktionsplans nun zwei Jahre lang intensiv angenommen. Man habe ein qualifiziertes Büro hinzugezogen, das Thema in einer Bürgerversammlung vorgestellt und sei nach intensiver Abwägung zur Entscheidung gekommen: „Wir sind gestandene Demokraten. Dass wir die Wohnqualität unserer Bürger im Blick haben, sollte man respektieren.“

Eine Spitze in Richtung Hornberg konnte er sich nicht verkneifen. Dort wurde das Thema noch nicht im Gemeinderat behandelt, der Wolfacher Bürgermeister hatte aber bereits bekundet, dass auch Siegfried Scheffold aus Hornberg die Gutacher 30er-Zone in der Nacht zu weit gingen. „Wir gönnen anderen ihren Tunnel, und Gutacher haben ja sogar Flächen abgegeben, damit die Hornberger ihren Tunnel bekommen“, sagte er.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt