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Gutacher "Flexi" Roland Wöhrle feiert seinen dritten DM-Titel

Nach 2008 und 2012 feierte der Gutacher Roland Wöhrle am Sonntag, 03.06.2018 seinen dritten Deutschen Meistertitel im Drachenfliegen – »und das in der Heimat, da ist die Freude natürlich riesengroß«.

Trotz der bescheidenen Wetterprognosen bei diesen Internationalen Deutschen Meisterschaften mit Start auf dem Kandel, dem mit 1241 Meter höchsten Waldkircher Punkt, »konnten wir an vier von fünf Wertungstagen um die Wette fliegen«, blickte Roland Wöhrle am Sonntag bei der Siegerehrung auf dem Lande- und Festplatz in Bleibach mehr als zufrieden nicht nur auf seinen dritten DM-Tiel zurück. »Besonders schön war auch das große Zuschauerinteresse am Start und im Ziel«, betonte der Gutacher, »das ist in unserem Sport nicht selbstverständlich«.

Der erste Durchgang war »für mich ein Anrennen gegen eine schwarze Wand«, so Wöhrle, der im Vorjahr mit dem Nationalteam bei den Weltmeisterschaften in Brasilien startete, »eine große Wolkenabschattung im Elztal, die sich einfach nicht auflösen wollte, ließ mich scheitern«. Nur ein Mittelfeldplatz blieb zum Auftakt. Am zweiten Flugtag entwickelte sich eine ganz ähnliche Situation. »Der Schirm einer Gewitterwolke über dem Elsass legte unseren Wendepunkt am Kaiserstuhl vollkommen in den Schatten. Ohne Sonne keine Thermik und ohne Thermik kein Weiterkommen. Die Landung war unausweichlich und der Mittelfeldplatz gefestigt«. Der Freitag verlief dann ganz anders. »Als einziger des Pilotenfeldes konnte ich die gestellte Tagesaufgabe über 65 Kilometer erfüllen und ging im Gesamtergebnis in Führung«, so Wöhrle.

Und dann stellte sich das beste Flugwetter am letzten Wettkampftag ein. 71 Kilometer über drei Wendepunkte waren die zu bewältigende Distanz mit Ziel in Bleibach.  »Da wollte ich mir natürlich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen«, so der Gutacher, der das im wahrsten Sinne des Wortes hochspannende Finale gerne beschreibt: »Mitte der Strecke konnte ich mich mit Gerd aus Bayern und Olav aus Norwegen etwas vom Feld absetzen. Das gegenseitige Helfen bei der Suche nach Thermik funktionierte gut, wir kamen schnell voran und auf den letzten Kilometern im Endanflug ins Ziel war dann jeder gegen jeden angesagt. Ich hatte zuvor unterwegs etwas mehr Höhe gesammelt und nach zwei Stunden Flugzeit konnte ich wenige Sekunden vor Gerd und Olav über die Ziellinie pfeifen. Der Titel war im Sack!« Auf Silber-Rang 2 in der »Flexi-Klasse« folgte Olav Opsanger (Norwegen) und auf dem Bronze-Platz Primoz Gricar, Nationalteamkollege von Wöhrle.

Klassische Drachen mit flexibler Tragfläche werden vor allem durch Gewichtsverlagerung gesteuert. Seit Mitte der 1990er-Jahre werden auch mehr und mehr Hängegleiter mit starrer Flügelfläche gebaut. Diese Starrflügler lassen sich nur mittels aerodynamischer Systeme um die Längsachse steuern. In dieser Starrflügler-Klasse setzte sich Markus Baisch vor Weltmeister Tim Grabowski und Toni Raumauf aus Österreich durch.

Viel Beifall für Gastgeber

Bei der Siegerehrung erhielten auch die Gastgeber des hier beheimateten Drachen- und Gleitschirmfliegerclubs DGFC Südschwarzwald mit Strippenzieher Klaus Kienzle, dem zweiten Vorsitzenden der Ortenauer Drachen- und Gleitschirmflieger, für die erstklassige Organisation dieses größten deutschen Drachen-Wettbewerbs 2018 großen Applaus. Nach 1982 stieg eine solche DM erst zum zweiten Mal am Kandel.

Marc Faltin, Offenburger Tageblatt

Roland Wöhrle ganz oben auf dem Siegerpodest bei der DM der Drachenflieger, neben ihm Nationalteamkamerad Primoz Gricar (links) und Olav Opsanger (Norwegen). ©Verein