im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Gutacher offen für Ökumene

Eine sehr offene Atmosphäre und viele Anregungen für die Ökumene prägten das Gespräch »Gemeinde trifft Kirche« mit rund 40 evangelischen und katholischen Christen im Gutacher Bürgersaal.

»Das war ein richtiges Erntedankfest für mich mit vielen Samen, die man fürs nächste Jahr säen kann«. sagte Pfarrer Christoph Nobs am Montag zum Schluss des Gesprächs »Gemeinde trifft Kirche«, und klappte das voll geschriebene Notizbuch zu. Rund 40 evangelische und katholische Christen waren der Einladung von Bürgermeister Siegfried Eckert gefolgt und haben, um beim Bild zu bleiben, viele Samen gelegt für eine gelingende Ökumene.

Auch Pfarrerin Marlene Schwöbel-Hug fand die »gelebte Ökumene sehr spannend und interessant«, die christlichen Kirchen sollten »mehr werben und weniger schlechtes Gewissen machen«. Im nächsten Jahr wird die Kirchenbrücke zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche saniert. Die Christen beider Gemeinden »sanierten« am Montag bereits ihre geistliche Brücke. Es war zwar deutlich herauszuhören, dass die Angehörigen beider Konfessionen an ihren Traditionen hängen, dass es aber sehr viel gibt, das sie verbindet. »Ökumene ist, dass wir uns mit unseren unterschiedlichen Traditionen ernst nehmen und dann schauen, was wir gemeinsam machen können«, definierte Marlene Schwöbel-Hug.

Heimathistoriker Ansgar Barth hatte zu Beginn daran erinnert, dass die Gutacher Peterskirche zunächst katholisch war und erst 1534 evangelisch geworden ist. Zufälle hätten oft die Konfession bestimmt, die dann meist sehr bestimmend und stur gelebt worden sei: »Wunderbar, dass heute Wege wieder eher zusammenführen«, so Barth. Pfarrer Nobs ließ keinen Zweifel daran, wie wichtig dies ist: »Die Zukunft der Christen ist ökumenisch, oder sie findet nicht statt«. Das Christentum sei heute nicht mehr automatisch identisch mit der Gesellschaft: »Wer sich Christ nennt, ist viel stärker gefordert zu definieren, was ihn als Christ ausmacht.«

Die Bedenken eines Besuchers, die »Kirchenoberen« könnten den Geistlichen Steine in den Weg legen, zerstreute Schwöbel-Hug: »Wenn ich etwas theologisch begründen kann, müssen die mir’s erst einmal theologisch widerlegen«, in Heidelberg habe sie damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Unterschiede waren beispielsweise beim evangelischen Abendmahl und der katholischen Eucharistie herauszuhören. Während sich ein älterer Protestant beschwerte, das Abendmahl werde inzwischen »angeboten wie Sauerbier«, ist den Katholiken die Kommunion »Quelle und Höhepunkt« jedes Gottesdiensts.

Bildungsarbeit könnte sich Pfarrer Nobs ebenfalls ökumenisch vorstellen: »Viele Erwachsene sind in Glaubensdingen auf dem Stand der Schulentlassung stehen geblieben.« Auf die Frage nach Themen, die unter den Nägeln brennen, kam der Vorschlag »christliche Kindererziehung«. Auch wenn die Katholiken sich darauf freuen, die Gottesdienste ab Ostern wieder in ihrer eigenen Kirche feiern zu können, zeigte sich eine Katholikin »überrascht, wie schnell ich mich wohl gefühlt habe in der evangelischen Kirche«. Es gibt auch Protestanten, die die katholische Messe dort mit besuchen.

Die »paar Hansele« am Samstagabend in der Kirche seien nicht die 625 eingetragenen Katholiken, »da fehlen noch 590, welchen Bezug haben die zur Kirche?«, fragte Pfarrer Nobs. Gerade die jungen Eltern betonten, dass die starren Gottesdienstzeiten am Sonntagmorgen an der Lebenswirklichkeit junger Familien vorbei gingen. Einmal im Monat einen Familiengottesdienst am Samstagnachmittag war ein konkreter Vorschlag – der dann durchaus auch ökumenisch oder von beiden Gemeinden abwechselnd angeboten werden könnte. Auch bei der Jugendarbeit kann man sich eine Zusammenarbeit sehr gut vorstellen. Eine gemeinsame Landjugendgruppe brachte Bürgermeister Siegfried Eckert ins Spiel. Er versprach, das Gespräch im Frühjahr zu wiederholen, um die »große positive Energie« in die Zukunft mitzunehmen.

Konfessionen:
Von den 2281 Gutachern sind 1181 (51,8 Prozent) evangelisch, 625 (27,4 Prozent) römisch-katholisch, 475 (20,8 Prozent) haben eine andere oder keine Konfession. Die Zahl der Muslime wird auf etwa 30 bis 35 (ca. 1,5 Prozent) geschätzt.

Claudia Ramsteiner
Offenburger Tageblatt

Zum Gespräch »Gemeinde trifft Kirche« kamen am Montag, 26.11.2018 rund 40 evangelische und katholische Christen ins Rathaus, um sehr offen über Ökumene in Gutach zu diskutieren.