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„Guten Mix“ mehr transportieren

Vom größten bis zum kleinsten Betrieb waren die Gutacher Firmen beim Gesprächsabend aus der Reihe »Gemeinde trifft...« am Montagabend, 28.01.2019 im Rathaus vertreten.

Die Gutacher Firmenchefs haben genau die gleichen Probleme wie alle anderen auch. Das kristallisierte sich beim Gesprächsabend am Montag, 28.01.2019 im Rathaus sofort heraus. Doch es ging allen um die Frage, wie die Gemeinde Gutach bei ihren Sorgen und Nöten am besten helfen kann.

Zwar war die Digitalisierung auch Thema, doch da gebe es nichts zu diskutieren, so der Tenor: Ein Muss, eine Grundversorgung und zwar nicht irgendwann, sondern morgen. Punkt. Die Firmenchefs können nur noch die Köpfe darüber schütteln, wie man in manch einer Wüste gut telefonieren könne und einen besseren Internetanschluss habe –  die Industrienation Deutschland das aber nicht auf die Reihe bekomme. Ein Lichtblick sei jetzt aber die Breitband Ortenau, bemerkete Bürgermeister Siegfried Eckert.

Während dieser erst einmal schmunzelnd für die guten Gewerbesteuereinnahmen dankte, ging Hans-Jürgen Brüstle vom Arbeitskreis auf die Veranstaltung mit Franz Kook ein, der »Die Herausforderungen für unser Gutachtal« beleuchtet hatte und damals von einem »beneidenswerten Mix« sprach. Brüstle informierte außerdem über die Struktur der Gemeinde, und dass die hiesigen Industriebetriebe für Gutach sehr wichtig seien.

Hausgemachtes Problem

Wie überall schlagen sich auch die Gutacher Firmen mit dem Fachkräftemangel herum und damit, dass wenn sie überhaupt Lehrlinge bekommen, sich diese ziemlich bald wieder zum Studium oder in größere Städte verabschieden. Marion Bruder sieht darin ein gesellschaftliches und hausgemachtes Problem. Das Handwerk habe kein Ansehen und die Wertschätzung fehle. Hier gehe es auch darum, die Eltern wieder mehr zu erreichen. Auch Daniel Grimm erläuterte, wie er seinen Betrieb »durchjüngen« wollte. Er stelle vermehrt fest, dass für immer mehr junge Menschen ein Studium oder ein Auslandsaufenthalt für die weitere Karriere von großer Wichtigkeit seien. Gleichzeitig nehme er viele als orientierungslos wahr, die nicht wüssten, was sie machen sollen. »Die Mitarbeiter hier zu halten und auch eine Wohnung zu finden, ist verdammt schwierig«, sagte er.

Thomas Schneider wies auf das in großen Firmen oft übliche »Rundum-sorglos-Paket« hin, das man in kleineren Firmen so natürlich nicht bieten könne. Hier müssten die Lehrlinge noch mitarbeiten, würden dafür garantiert aber auch mehr lernen. Auch das müsse wieder mehr hervorgehoben werden.

Gemeinsame Aktionen

Aber Wohnungen zu bieten und gerade die guten Familienbetriebe vor Ort zu haben, genau dies könnte der Ansatz für die Gemeinde sein. Diesen »guten Mix«, die schöne Umgebung, wo andere Urlaub machen, die Vereinsstruktur und die Menschen vor Ort, gilt es nach außen zu transportieren. Auch könnte man die Kräfte noch besser bündeln, gerade in gemeinsamen Aktionen bei der Werbung um Nachwuchs. Und beim Kampf um die Digitalisierung sollte man geschlossen auftreten.

»Wie überall sind eine gute Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser, Nahverkehrsverbindungen und eine ärztliche vor-Ort-Versorgung immens wichtig, weil potenzielle Arbeitnehmer auch diese Dinge bei der Arbeitsplatzsuche abwägen«, bemerkte Joachim Schondelmaier. »Weiter darum zu kämpfen«, auch das wünschen sich die Firmenchefs von den Lokalpolitikern. Diese wiederum fühlen sich beim Führen solcher Kämpfe wie gerade rund um die Digitalisierung so manches Mal von übergeordneten Stellen im Stich gelassen oder sogar »verarscht«. »Die Politik schürt oft Hoffnungen und dann kommt nichts an«, wurde Hans-Jürgen Schneider deutlich.

In Sachen Wohnungssuche informierte der Bürgermeister über den Neubau von zwei geplanten Sechser-Einheiten im Hasemannweg, wo er sehr zuversichtlich sei. Es gelte, weiter einen guten Rahmen zu schaffen, weitere Baulücken zu schließen und nicht nur auf Einfamilienhäuser, sondern auch wieder mehr auf mehrstöckige Häuser zu setzen. Anja Blum sprach die noch nicht optimalen Öffnungszeiten des Kindergartens an, der ansonsten durchaus ein Vorzeigekindergarten sei. Ihr fehlen die Öffnungszeiten für Kinder von zwei Jahren ab 7.30 Uhr.

Leider werden solche Dinge für die Gemeinden immer teurer und es schlägt darüber hinaus auch hier der Personalmangel zu. Hans-Jürgen Schneider verdeutlichte bei allem Verständnis das Abwägen des Gemeinderats beim Mittelausgeben, zumal auf die Kommunen immer mehr Aufgaben zukämen.

Bahnhalt und Tunnel

Und selbst wenn ein weiterer Gutacher Bahnhalt oder ein Tunnel noch in die Wünschekategorie gehören – schon mancher sehnsüchtige Wunsch habe sich mit Hartnäckigkeit auch mal erfüllt. Bei kleineren Wünschen brauchen die Gutacher jedenfalls nicht Jahrzehnte zu warten: Dafür gibt es den Gutacher Geschenk-Gutschein, den man auch als betriebliche Zuwendung nutzen könne, wie Brüstle informierte.

Petra Epting, Offenburger Tageblatt

Gutacher Firmenchefs aus den metallverarbeitenden Betrieben diskutierten am Montag, 28.01.2019 mit Bürgermeister Siegfried Eckert und einigen Gemeinderäten über ihre Probleme.