im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Im nächsten Jahr geht es los

Dass ein Bauantrag in einer Gemeinderatssitzung mit Beifall bedacht wird, kommt eher selten vor. Nachdem Wolfgang Scheidtweiler am Mittwochabend, 09.11.2022 in der Gemeinderatssitzung die überarbeiteten Pläne für die „Linde“ in Gutach vorgestellt hat, gab es nicht nur ein einstimmiges Votum des Gemeinderats, sondern auch Applaus vom recht großen Publikum. Warum die ursprünglichen Sanierungspläne scheiterten, machte der Bauherr aus Pforzheim deutlich: Es wären nicht mehr als 25 Zimmer herausgekommen – bei Kosten von knapp acht Millionen Euro: „Da wäre der Wirt schon pleite, bevor er angefangen hat“, machte Scheidtweiler deutlich, dass dies wirtschaftlich nicht mit einer angemessenen Pacht möglich gewesen wäre.

Die katastrophale Situation für die Gastronomie und Hotellerie während der Corona-Pandemie habe auch zur Verzögerung beigetragen. Inzwischen lägen die Zahlen in den Hotels der Privaten Schloss Collection über jenen von 2019. Das hier geplante Hotel liege in „der schönsten Landschaft überhaupt, und auch die jungen Leute wollen nicht mehr so weit in den Urlaub fliegen“, glaubt Scheidtweiler an eine gute Zukunft der „Linde“. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde dann die Idee geboren, ein Gästehaus dazuzustellen. Um den Mammutbaum zu erhalten, ist dieses noch ein Stück vom Hotel weggerückt mit der Folge, dass nun der Bebauungsplan noch geändert werden musste.

„Die Linde wird restauriert und saniert, aber lieb gewordene Räume bleiben erhalten – deshalb brauchen wir den Neubau“, sagte Scheidtweiler. Er wird von der heimischen Zimmerei Kaspar aus Holz der Region gebaut. Ein schlichtes Gebäude, das absichtlich zurückgesetzt ist und der alten „Linde“ nicht die Schau stehlen soll. Die barrierefreien Zimmer, etwa 30 Quadratmeter groß und mit Balkonen oder Terrassen und einer kleinen Küchenstation ausgestattet, sind zum Teil mit weiteren Schlafzimmern zu Familienzimmern erweiterbar. Der alte Gastraum der „Linde“ bleibe unverändert, auch die Küche und der große Saal bleiben erhalten als Gast- und Tagungsraum. Die Zimmer werden generalsaniert und zum Teil zu größeren Einheiten zusammengeschaltet. Das Dachgeschoss im alten Teil werde nicht ausgebaut, das Dach müsse aber saniert und neu gedeckt werden. Die Tagesgastronomie liegt im Erdgeschoss im südlichen Teil. Die Ostseite werde „etwas entrümpelt“, dort verbindet ein Glasgelenk den Altbau mit dem neueren Teil der „Linde“. Dass der große Saal erhalten bleibe, komme auch den Firmen der Region zugute und den Bürgern, die „gerne festeln“, bemerkte Bürgermeister Siegfried Eckert.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Parkplätze. 36 Parkplätze für 67 Zimmer und 130 Betten halte sie für zu wenig, sagte Susanne Heinzmann (FDP). Es sei ursprünglich eine größere Fläche für die Parkplätze sowie zwei Busparkplätze angedacht gewesen. Die Parkplätze im Innenhof, wo die Besucher der Kirche und von Beerdigungen heute parken, fielen ja auch weg. Auch ihre Parteikollegin Kathrin Ecker kritisierte, dass die Mitarbeiter bei der Parkplatzplanung gar nicht vorkämen. Was im Bauantrag steht, sei allein dem Baurecht geschuldet, versprach Scheidtweiler. sicher mehr als die dort aufgeführten Stellplätze zu bauen. Ein Vier-Sterne-Hotel sei aber eher kein Bushotel, „wir sind keine Fans von Busgesellschaften“. „Alle mittelgroßen Fahrzeuge können in den Hof einfahren zum Abladen“, zerstreute Scheidtweiler die Bedenken von Jürgen Wälde (Freie Wähler), dass der Lieferverkehr zu sehr den Straßenverkehr beeinträchtigen könnte.

Selbstverständlich gebe es auch Ladestationen für Autos und Fahrräder, beschied er Florian Oßwald (SPD). Ansonsten gab es durchweg Lob von den Gemeinderäten, „ein deutlicher Mehrwert für Gutach“, fasste es Karl-Heinz Wöhrle (FDP) zusammen, und Gerhard Wöhrle (SPD) unkte: Hoffentlich geht das nicht so lange, wie wenn man ein Windrad bauen will. „Bis wann kriegen wir denn das Baurecht?“, stellte Scheidtweiler die Gegenfrage auf die Frage nach dem Bauzeitenplan. Bürgermeister Siegfried Eckert versprach, das zur Chefsache zu machen und regelmäßig in der Baubehörde nachzuhaken: „Im Frühjahr möchte ich den Spatenstich machen.“

Wärmekonzept:
Sehr offen reagierte Wolfgang Scheidtweiler auf die Frage eines Bürgers, ob er sich ein Nahwärmenetzwerk für das ganze Gebiet vorstellen könne. Für das Hotel seien Hackschnitzelheizung, Wärmepumpen und eventuell eine Gasturbine vorgesehen. Ein Nahwärmenetz sei eine gute Sache, spielte er den Ball an die Gemeinde weiter.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Persönlich überreichte Wolfgang Scheidtweiler (links) den Bauantrag in drei Ordnern an Bürgermeister Siegfried Eckert.