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Immer mehr Freizeitsportler suchen Erholung im Wald

Dadurch wird die Bewirtschaftung der Flächen erschwert. Zum Nulltarif könne das nicht weitergehen, hieß es in der Gutacher FBG-Sitzung. Auch die Haftungsfrage müsse geklärt werden.

Die Verkaufszahlen von E-Bikes erklimmen rasant schwindelnde Höhen. Was für die einen eine neue Freizeitmöglichkeit ist, ist für die anderen ein „wahnsinniger Druck auf den Wald“ und ein „Riesenproblem“ für dessen Bewirtschafter. Davon sprach Martin Moser, stellvertretender Vorsitzender der FBG (Forstbetriebsgemeinschaft) Gutach am Freitag, 24. Januar 2020 in der Hauptversammlung der Gutacher Waldbesitzer.

Wo früher vereinzelt Radfahrprofis in entlegenen und steilen Waldgebieten auftauchten, seien es heute „täglich Massen“, teils in großen Gruppen, berichtete der Forstwirt. Das E-Bike eröffne auch ungeübten Radfahrern neue Möglichkeiten und in größerer Fläche den Wald zu beunruhigen.

Die zunehmende Anzahl der  Freizeitsportler im Wald erschwerten dessen Bewirtschaftung und seien ein Risiko für die Bewirtschafter. „Wenn wir fällen, müssen wir die Wege in der Gefahrenzone sperren und nach Möglichkeit eine Umleitung ausschildern. Das kostet Zeit“, so Moser im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt im Nachgang zur Versammlung.

Hinzu käme das Stellen von Posten, die das angezeigte Durchgangsverbot der Wege überwachten, denn oft würde es von Freizeitsportlern, die die Gefahr gar nicht einschätzen könnten, einfach ignoriert. „So viele Leute haben die Privatwaldbesitzer bei der Bewirtschaftung gar nicht“, erklärt Moser einen weiteren Punkt des Problems. Er plädierte für eine Entschädigung, denn zum Nulltarif könne man das nicht leisten, so Moser. Am liebsten sei ihm die weggefallene Ausgleichszahlung Wald. FBG-Vorsitzender Jürgen Lehmann ergänzte Mosers Ausführungen um die Haftungsfrage bei Unfällen in diesem Zusammenhang, die zurzeit in „einer Grauzone“ sei. Diese Unsicherheiten bedürfen „dringend einer eindeutigen Klärung“, forderte er und gab den Ball an Bürgermeister Siegfried Eckert weiter, der ihn sofort annahm.

Bewusste Zurückhaltung

Eckert erinnerte daran, dass Gutach bewusst sehr zurückhaltend war, als vor rund zwölf bis 15 Jahren in vielen Kommunen zunehmend Nordic-Walking- und Mountainbikestrecken ausgeschildert wurden. Bereits damals und noch vor dem Aufkommen von E-Bikes sei er mit der FBG im Gespräch zum Konflikt von Mountainbiketourismus und Waldbewirtschaftung gewesen.

„Gutach wird auch künftig keine Wege dafür ausweisen. Wir werden nichts, aber auch gar nichts, an dieser Stelle machen. Das kann ich ihnen versprechen“, betonte er. Als weitere Vorgehensweise schlug er vor, das geschilderte Problem zunächst in „kleiner Runde“ in der kommunalen G5 Gruppe – Hausach, Wolfach, Oberwolfach, Hornberg und Gutach – zu besprechen und dort nach Lösungen zu suchen.

In einem zweiten Schritt will der Bürgermeister das Gespräch im Kinzigtal-Sprengel zum Druck durch die Entwicklung des E-Bike-Freizeitsports anstoßen.

Und im dritten Schritt möchte Eckert das Problem im Gemeindetag und der Forstkammer besprechen. „Wir müssen gucken, dass wir eine vernünftige Regelung bekommen“, so der Gutacher Bürgermeister.

Martina Baumgartner
Offenburger Tageblatt

Auch wenn keine Motorsäge zu hören ist, heißt des nicht, dass eine Gefahrensituation bei Forstarbeiten aufgehoben ist. Absperrungen sollen auf jeden Fall beachtet werden, appellieren Bewirtschafter an Freizeitsportler und Wanderer.