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Internationales Spring Meeting 10. - 13. September 2020 in Meduno, Italien

11 Piloten aus Deutschland waren beim Spring Meeting 2020 in Meduno vertreten. Insgesamt hatten sich etwa 50 Piloten aus mehreren Nationen eingefunden. Der Wettbewerb hätte eigentlich Ende April stattfinden sollen, Corona verhinderte dies. Dafür bescherte Petrus den anwesenden Piloten vier wunderbare Flugtage mit interessanten Aufgaben bis knapp 100 km. Wie gewohnt, zauberten die Gastgeber einen würdigen Rahmen für die Piloten. Trotz aller Corona-Maßnahmen und entgegen aller pessimistischen Vorhersagen, war das Wetter perfekt für schöne Wettbewerbsaufgaben. Das deutsche Team schlug sich beachtlich. Roland Wöhrle gewann zwei Durchgänge in der Flexi-Klasse vor den starken italienischen Konkurrenten. Die jungen Nachwuchspiloten wie Marco Gröbner und Oliver Salewski ließen ebenfalls mit guten Durchgängen aufhorchen. Markus Baisch flog konstant an die Spitze und zeigte, dass sein Deutscher Meistertitel 2018 kein Zufall war. Jochen Zeyher gewann den ersten Durchgang und belegte in der Gesamtwertung Rang 2. Auch Wettbewerbsneuling Christian Kamm flog mit der starken Konkurrenz mit und liess mit seinen Leistungen aufhorchen.....! Das nächste Jahr mit der WM in Mazedonien kann spannend werden.

Wenn Pizza, Cappuccino oder Espresso locken, dazu für alle vier angesetzten Wettbewerbstage gute Wetterprognosen herrschen, na dann sollte es keine Fragen mehr geben: Auf zum Spring Meeting nach Meduno, dem organisatorisch perfekten Wettbewerb mit den bekannt super freundlichen Helfern!

Einziger Wermutstropfen dieses Mal: Corona verhinderte das normalerweise zum Empfang zelebrierte Piloten- und Helferessen mit den genüsslichsten Spezialitäten der Region.
Eine in der Größe verhaltene Aufgabe am ersten Tag mit knapp 60 km erwies sich als nicht einfach zu knacken. Lediglich fünf Teilnehmer sahen die Zielflagge. Mit dabei ein bislang unbekanntes Gesicht aus Deutschland mit Erkennungspotential aus dem jüngsten DHV Info. Mir gelang der Tagessieg mit dem bisher unbekannten Erlebnis, einen Weltmeister hinter mir zu lassen, und das ausgerechnet in seinem eigenen Land!

Grösser dann die Aufgabe am zweiten Tag. Mit den Starrflüglern auf der gleichen Route, die eine halbe Stunde früher starten, geht´s über vier Wenden und 85 km entlang der Vorberge der Venezianer Alpen. Ich bin für meine Verhältnisse solide unterwegs bis zur vorletzten Wende. Christian Ciech und Marco Laurenzi in Sichtweite voraus zu meiner Linken, zu meiner Rechten sechs ausgewachsene, kreisende Prachtexemplare von hier ansässigen Geiern. Mein Herz hüpft vor Freude ob diesen unerschrockenen, beim Kurbeln bewegungslosen Kollegen, aber mein Herz rast vor Freude, als ich sehe, wie die zwei Führenden zu mir zurückfliegen. Ich erarbeite mir einen Vorsprung, den ich bis ins Ziel nicht mehr abgebe. Déjà-vu! Kommt mir schon sehr ungewohnt vor, daran kann man sich aber daran gewöhnen!
Unter den Zielfliegern auch Oliver Salewski, der nachstrebende “Juniorpilot”, der die Teilnahme an der letzten WM knapp verpasst hatte. Und dann schon wieder dieses bisher eher unbekannte Gesicht aus Deutschland mit Wohnsitz in Österreich. Der Teamchef unserer Liga hatte auch heute mit Widrigkeiten zu kämpfen in Form von Sperrgebieten für Militär und Geierschutz. German Ratte versenkte sich leider zum zweiten mal im ausgetrockneten Flussbett. Bei Jürgen Buchert fehlt leider noch etwas die Abstimmung mit seinem neuen Laminar. Insgesamt waren heute die Flexis schneller unterwegs als die Starren!

An Tag drei die Wachablösung. Wenn man den Start verpennt wird´s gehörig schwer, den Rückstand wieder aufzuholen. Wenn der Rückstand dann aber auch immer noch größer wird, braucht es halt auch Entschlossenheit. Ich sehe Christian Ciech zum letzten Mal vor dem Startgate, verpasse zugleich,zum richtigen Zeitpunkt am Radius zu sein. Erste Wende ist heute Aviano, einen Abschnitt, den man auch mit etwas Mut im Geradeausflug machen kann. Ich bin heute alles andere als mutig und geselle mich zu einem Pulk, der mich “sicher” ins Ziel bringen soll. Pulks können schnell unterwegs sein, dieser Pulk hatte leider ständig die Handbremse angezogen. Ich vergesse meine angedachte Fluglinie zu verfolgen und wir drehen im Nichts, abgelöst vom nächsten Nichts. Meine persönliche Herausforderung ist als erster dieses Pulks über die Ziellinie zu fliegen, es könnte ja sein, dass Christian irgendwo oder irgendwann oder irgendwie in Schwierigkeiten geraten sein könnte. Na ja, dieser Gedanke erweist sich als sehr infantil. Führung weg, aber mit Pauken und Trompeten! Heute war Geselligkeit angesagt im Ziel. Oli war wieder hier, Jörg auch und dann schon wieder dieses junge, freundliche Gesicht mit seinem Moyes Glider.

Finale am Sonntag! Unser Meteorologe war mit seinen Prognosen schon bei der WM glänzend gelegen, heute liegt er noch glänzender. Die Talquerung nach Gemona sieht er als Schwierigkeit, ist offensichtlich sehr skeptisch was Erfolg zur Rückkehr anbelangt und mit dem Task nicht so richtig glücklich. Der Hinweg ist easy, bei Gemona erweist sich der Hang als thermisch verlässlich auch zu dieser Jahreszeit, wenn auch wenig homogen und durchaus bockig. Der Weiterflug an der Ridge Richtung Slowenien ist gut zumachen, hier funktioniert das meiste im Geradeausflug. Jetzt heißt es maximale Höhe zu machen vor der erneuten Talquerung zurück. Das gelingt auch relativ gut, leider zeigt sich die Bergkante auf der anderen Seite als thermisch wenig einsichtig. Christian und Lorenzo de Grandis gleiten weiter und machen die ersten Kreise weit hinten und tief. Ich bin tiefer, trotzdem mutiger als am Vortag und folge ihnen, weil ein Abgleiten hinaus ins Tal bei eventuellem Nichterreichen der Thermik mir als sicherer Fluchtweg scheint. Es funktioniert, ich habe Anschluss. Dies ist heute die Schlüsselstelle. Die nachfolgenden Piloten haben große Schwierigkeiten und die meisten polieren die Kante, können aber leider nicht mehr aufdrehen.
Weiter am Antennenberg geht nicht viel, Christian fliegt weiter, ich bleibe und wünsche, dass der Bart anziehen möge um dann mit mehr Höhe die direkte Route fliegen zu können zur letzten Wende. Außerdem war die Gegend am Start wenig thermisch aktiv heute und somit die letzte Chance vielleicht noch mal mitreden zu können um den Gesamtsieg. Mein Glück war leider schon verbraucht und ich fliege heute nur als dritter über die Linie. Mit meiner zweiten Gesamtplatzierung bin ich natürlich super glücklich und zufrieden. Die "nicht-ins-Ziel-Flieger" stehen heute fast geschlossen im Tal von Gemona. Schade für den letzten Tag, bei der Rückholaktion haben es nicht mehr alle zur Siegerehrung geschafft. Im Ziel fünf Piloten, mit dabei schon wieder dieser Senkrechtstarter mit Namen Marco Gröbner. Leider hat er heute den Start verbockt, bekommt nur Landeplatzpunkte und verschenkt damit den fünften Gesamtrang. Mit ihm und Oliver Salewski hat Team D zwei Nachwuchstalente, die uns Etablierten vermutlich bald auf die Füße treten werden. In Meduno haben sie jedenfalls gezeigt, was sie drauf haben. 

Roland Wöhrle