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Keine Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen

Der Gutacher Gemeinderat lehnte am Mittwoch, 16.09.2020 den Antrag mit neun Gegenstimmen ab, obwohl es einige interessierte Landwirte gab, die auf neue Möglichkeiten für ihren Berufsstand hofften.

Hätte der Gutacher Bürgermeister Siegfried Eckert die Gemeindeordnung ganz streng ausgelegt wäre die Grundsatzentscheidung, ob in Gutach Photovoltaikanlagen auf Freiflächen gebaut werden dürfen, wahrscheinlich auch nicht anders ausgegangen. Aber durch das Zulassen von Redebeiträgen aus dem Publikum entwickelte sich ein Stück lebendig gelebte Demokratie, welche den Befürwortern und den Gegnern außerhalb des Gremiums Gelegenheit gab, alle Argumente für und wider zu begründen.

Der Sulzbacher Bürlebauer Martin Moser machte den Anfang und brachte seine Zweifel zu Wirtschaftlichkeit, Gefahren der Wasserableitung und Landschaftsversiegelung sowie Verstärkung der Waldtrockenheit bei dem angedachten Projekt zum Ausdruck. Bernd Wöhrle vom Müllerjörgenhof schilderte eindringlich die Nöte seines Berufsstandes und die Zweifel, ob die Vollerwerbslandwirtschaft auch noch von der nächsten Generation finanziell gestemmt werden könne. Die Bauern wollen ihre Betriebe in die Zukunft führen, allerdings müsse sich das auch lohnen. BLHV-Vorsitzender Steffen Aberle hatte bereits im Vorfeld darum gebeten über jeden einzelnen Antrag abzustimmen und bat auch in der Sitzung um Verständnis für die Landwirte. Gerade die Steilflächenbewirtschaftung ist ein Knochenjob und durch die Zulassung der Anlagen würden sich neue Möglichkeiten ergeben. Sieben Landwirte hätten bei der Gemeinde ihr Interesse bekundet und weitere stünden in der Warteschleife.

Ebenso kontrovers wie im Publikum wurde auch bei den Mandatsträgern diskutiert. Peterbauer Jürgen Wälde hielt ein flammendes Plädoyer für die Zulassung der Anlagen und widersprach den Bedenken der zusätzlichen Landschaftsversiegelung. Gutach stehe gut da, was aber auch mit Verdienst der Landwirte sei, die Flächen für Wohn- und Gewerbegebiete abgegeben hätten. Die Landwirte müssten sich aber auch für die Zukunft gut aufstellen und ein Auskommen haben. Hier käme ein risikoarmes zusätzliches Standbein gerade recht. Die Windräder wären letztendlich ja auch gebaut worden. Die Gemeinde dürfe sich nur aus optischen Gründen dem Anlagenbau nicht verschließen.

Aber genau diese Optik kann sich Gemeinderat Stefan Herr im Gutachtal schlecht vorstellen und sieht dadurch, wie einige seiner Ratskollegen auch, Gefahren für den Tourismus, in dessen Aufbau auch viele Landwirte investiert hätten. Die langjährigen Gemeinderäte Gerhard Wöhrle und Thomas Albrecht befürchten ähnlich unschöne Situationen wie bei der Zulassung der Windkraftanlagen. Das wolle keiner mehr erleben. Außerdem läge laut Wöhrle bei landwirtschaftlichen Förderprogrammen weiteres ungenutztes Potential, was für Unverständnis bei den Landwirten sorgte. Und Bürgermeisterstellvertreter Mike Lauble sieht eine Wirtschaftlichkeit für das ganze Tal überhaupt nicht gegeben, da letztendlich nur wenige Flächen in Frage kommen.

Bei der abschließenden Abstimmung enthielt sich Bürgermeister Eckert salomonisch, aber die Gemeinderäte hatten sich ihre Meinung gebildet und so wurde der Antrag mit neun Gegenstimmen gegenüber drei Befürwortern (Werner Heidig, Jürgen Wälde, Karla Wöhrle) abgelehnt. Ob sich die sieben interessierten Landwirte damit zufriedengeben ist äußerst fraglich.

Weitere Themen:

Die Änderung der Lage eines bereits genehmigten Carports Am Bühl wurde ebenso einstimmig abgesegnet wie der Neubau eines Einfamilienhauses mit Carportanlage im Ramsbachweg. Nicht genehmigungsfähig war dagegen das Baugesuch zum Umbau eines Daches und der Balkone eines bestehenden Wohnhauses in der Grub. Hier wird der Bauherr informiert und zur Vorlage geänderter Pläne aufgefordert.

Große Investitionen sind für die Hangsicherung in der Hornberger Straße nach einem Steinschlag erforderlich. Die sofortige Absicherung wurde zwar durchgeführt aber nach Auskunft der Fachfirma sind hier kostenintensive Maßnahmen nötig. Bürgermeister Eckert steht bereits mit der Stadt Hornberg und dem Regierungspräsidium Freiburg in Kontakt. Die dortige unklare Verkehrssituation wurde auch von einigen Gemeinderäten bemängelt.

Die Betriebskostenabrechnung für den evangelischen Kindergarten liegt mit 587.303,10 € nur unwesentlich über dem Haushaltsansatz von 585.000 €. Allerdings beträgt der Elternbeitrag lediglich knappe 15 Prozent. Die Gemeinde ist noch weit von den angestrebten 20 Prozent entfernt zumal laut Thomas Albrecht in den nächsten Jahren einiges investiert werden muss.

Auf Nachfrage gab Bürgermeister Eckert bekannt, dass die Bühlbrücke Ende Oktober fertiggestellt wird. Weiter informierte er die Gemeinderäte, dass „Rösslewirt“ Günter Hehl in der Oktobersitzung seine Planung vorstellen wird und dass mit dem Eingang des Bauantrages zum Umbau der „Linde“ im November gerechnet werden kann.

Michaela Keller, Offenburger Tageblatt

In der Optik von Fotovoltaikanlagen sieht mancher Gutacher Gemeinderat, ähnlich wie bei der unschönen Situation bei Windkraftanlagen, Gefahren für den Tourismus.