im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Kunstradzweier in Hongkong

Weltelite fordert Gutacher Radsportverein finanziell heraus / Bürgerstiftung steuert 1000 Euro bei

Europameisterinnen der Jugend sind sie schon, Vizeeuropameisterinnen der Elite, und nach zwei Siegen bei zwei Weltcup-Wettkämpfen führen sie die Kunstradwelt an: Sophie Nattmann und Caroline Wurth. Am vergangenen Freitag, startet das Flugzeug um 11.15 Uhr in Frankfurt zum dritten Weltcup-Wettkampf nach Hongkong. Sophie Nattmann wird übrigens auf dem Flug in ihren 21. Geburtstag hineinfeiern, sagte sie bei einem Pressetermin am Donnerstag, 02.08.2018 im Rathaus.

»Wir sind gut drauf, das letzte A-Kader-Wertungsfahren mit dem Nationalkampfrichter ist super gelaufen. Wir haben eine neue Übung eingebaut, die auch gut geklappt hat«, sagte Caroline Wurth. Insgesamt werden sie etwa zwölf Stunden fliegen mit einem Zwischenstopp in Abudabi. Dann haben sie noch eine Woche, um den Jetlag abzubauen, zu trainieren und auch etwas Hongkong kennenzulernen. Sieg oder Niederlage entscheiden sich dann erst am Sonntag, 12. August, in ihrer fünfminütigen Kür.

Die beiden werden mit dem deutschen Team mit weiteren zehn Sportlern unterwegs sein, »das schweißt sicher auch unsere Mannschaft zusammen«, freut sich Sophie Nattmann. Die Organisation liegt bei dem Verein »Indoorcycling wordwide«, in dem sie beide Mitglied sind und mit dafür kämpfen, dass das Kunstradfahren olympische Disziplin wird. Dieser riesige Erfolg für den kleinen Verein in dem kleinen Gutach ist Fluch und Segen zugleich. Ganz oben an der Weltspitze zu stehen, ist natürlich eine super Leistung.

Aber die Reisen durch die Welt kosten auch Geld – und es ist weder den jungen Sportlerinnen noch den Eltern zuzumuten, diese Kosten alle selbst zu tragen. In diesem Jahr standen bereits WeltcupWettkämpfe in Prag (Tschechien) und in Herrlen (Niederlande) an. Allein Hongkong kostet mit Flug, Hotel und Trainingsmöglichkeiten 1500 Euro pro Person. »Wir bekommen Unterstützung von allen Seiten und sind dafür mega dankbar«, sagten die beiden. Das sei nicht überall so – es gebe auch Sportler, die daheim bleiben müssten, weil sie sich die Reise nicht leisten könnten.

Die beiden wohnen auch zusammen in Stuttgart, wo Caroline Wurth Elektrotechnik und Sophie Nattmann Mathematik und Wirtschaft auf Lehramt studiert. Sie trainieren als Gäste in Wendlingen, die Solidarität im Kunstradsport sei vorbildlich. Beim Worldcup starten sie übrigens nicht für Deutschland, sondern für Gutach. Das freute die Herren der Bürgerstiftung, die als Unterstützung 1000 Euro Reisegeld überreichten. »Es kann ja nicht angehen, dass junge Leute die Leistung bringen und dann wegen des Geldes nicht starten dürfen«, sagte Hermann Blum.

Es ist natürlich nicht Bedingung, sondern Wunsch, dass das Duo mit einem Erfolg wieder nach Hause kommt. »Die Chancen stehen gut«, strahlte der Vorsitzende Martin Geiler und dankte für die Unterstützung durch die Bürgerstiftung und die Gemeinde.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Sophie Nattmann (vorn, links) und Caroline Wurth fliegen zum Weltcup im Kunstrad-Zweier nach Hongkong. Bürgermeister Siegfried Eckert (von links) gab ihnen die guten Wünsche der Gemeinde mit. Von der Bürgerstifung, vertreten durch Hermann Blum, Rolf Schondelmaier und Joachim Schondelmaier, gab’s noch 1000 Euro Reisegeld obendrauf.