im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Mehr als ein Sahnehäubchen

Acht Künstler des „Kosmos Schwarzwald“ präsentieren in der Winterausstellung im Gutacher Kunstmuseum den Kulturraum Schwarzwald bis 22. Januar in einer einzigartigen Vielfalt.

Die Gesamtheit von Raum, Zeit und aller Materie und Energie darin – so beschrieb der Gutacher Bürgermeister am Sonntagabend, 20.11.2022 den Kosmos und stellte fest: „Farben haben die Macht, das Handeln und Denken der Menschen zu prägen.“ Er traf damit ziemlich genau das, was die Ausstellung der acht Kunstschaffenden des Projekts „Kosmos Schwarzwald“ im Gutacher Kunstmuseum Hasemann-Liebich präsentieren. Oder, wie es dessen Initiator Uwe Baumann und Moderator der Vernissage ausdrückt: „Eine erdfaltige Kultur- und Naturlandschaft voller Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ein Stück Himmel mit Hell und Dunkel, Berg und Tal.“

Künstler des „Kosmos Schwarzwald“ stellen schon zum zweiten Mal im Gutacher Kunstmuseum aus, dieses Mal unter dem Motto „Raum:Gefühl“. Mehr als 40 zeitgenössische Künstler aus allen Bereichen der Kunst beteiligen, thematisieren und interpretieren das vielfältige zeitgenössische Schwarzwald-Bild auf ihre persönliche Weise.

Wie zuvor Hasemann und Liebich, „leistet jeder seinen Beitrag zur Stärkung, Entwicklung und Entfaltung des jetzigen und kommenden Kulturraumes Schwarzwald“, zitierte die Vorsitzende Gerlinde Hirschbühl die Ziele des „Kosmos Schwarzwald“.

Nichts liege näher, als einer Auswahl dieser Künstler im Gutacher Museum ein Forum zu geben, ihre Visionen zu präsentieren und die Museumsbesucher teilhaben zu lassen an ihren Raum-Gefühlen, Gedanken und Sichtweisen.

„Den Schwarzwald zu zeigen, ohne das Offensichtliche des Schwarzwalds zu zeigen“, war für den Co-Vorsitzenden José Schloss die Intension für diese Ausstellung.

Kunst sei nicht etwa ein „Sahnehäubchen“, sondern ein elementares geistiges Lebensmittel, das es braucht, um alles in Resonanz zu setzen, sagte Uwe Baumann, der das Projekt „Kosmos Schwarzwald“ vor sieben Jahren initiierte. „Zur Kunst gehört auch die Kunst des Betrachtens“, rief er dazu auf, etwa fünf Begriffe zu einem Bild zu notieren und in einen „lyrischen Moment“ zu übersetzen.

Dann wäre man schon bei der Wortkunst von José F. A. Oliver, der die Verdichtung von Raum und Gefühl mit dem oliver’schen Doppelpunkt erklärt, „ethymologisch falsch aber poetisch wunderbar“. Man könne Wörter betrachten wie Bilder. Als er als kleiner Spanier mit dem Wort „wunderbar“ nichts anfangen konnte, habe seine deutsche Mutter das Wort mit ihm auseinander genommen. Bei „bar“ sei ihm zunächst barfüßig in den Sinn gekommen, und so wurde aus „wunderbar“ ein „Wunder ohne Strümpf’ und ohne Schuh’ “.

Karin Hirschle sieht als Jägerin und Malerin den Wald nicht verträumt, „der Wald hat Realität“, sagte sie. Sie genieße aber die Stille im Wald und die Anspannung durch die Jagd und drücke beides in ihren Bildern aus.

Silke Gerfen zerlegt ihre Motive in geometrische Formen, die sie in ihrer eigenen Ordnung wieder neu zusammenfügt. In dem Bild mit den grellen Kacheln und Prilblumen erkennt man sofort „Omas Küche“, die Kindheit der 1970er-Jahre dreidimensional verarbeitet.

Dass Hasemann und Liebich hier sesshaft wurden, kann Wolfram Paul, seit einiger Zeit „Freilichtmaler“ im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, sehr gut nachvollziehen. Wenn er mit der Staffelei mitten im Wald steht, betrachtet er nicht nur die Landschaft, sondern verwendet auch das Material in seiner Malerei. So kam es zu den einzigartigen Waldbildern, einer Art „Schwarzwald-Akupunktur“.

Die Fotografin Juliane Wendel beschreibt das ganz spezielle Raumgefühl in einem verlassenen Grandhotel in Freudenstadt, wo sie sich, eingeschlossen, mehrere Stunden mit Zeit und Raum beschäftigte. Das Ergebnis macht Staunen. Zu den Ausstellern gehören auch die Fotografen Sebastian Wehrle und Michaela Kindle sowie die Maler Kurt Hockenjos und Panos Kounadis mit seiner „griechischen Sicht auf den Schwarzwald“.

Die Vernissage war sehr gut besucht, das Museum war voll von Betrachtern, die sich noch lange bei Schwarzwald-Canapés über ihre „Raum:Gefühle“ unterhielten.

Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Kosmos Schwarzwald“ ist bis 22. Januar im Gutacher Kunstmuseum Hasemann-Liebich immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen – außer 24. bis 26. und 31. Dezember. Sonderführungen nach Vereinbarung, Anmeldung Telefon 07833/9604222.

 

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Freude über den großen Kosmos Schwarzwald im kleinen Gutacher Kunstmuseum: von links José F. A. Oliver, Wolfram Paul, die Vorsitzenden des Kunstvereins Gerlinde Hirschbühl und José Schloss, Bürgermeister Siegfried Eckert, Uwe Baumann, Silke Gerfen, Karin Hirschle und Juliane Wende.