im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Mehr als nur ein Sahnehäubchen

Der „Kosmos Schwarzwald“ breitet sich auf positive Weise aus. Beim Aktionstag im Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof beteiligten sich 25 Künstlerinnen und Künstler mit über 60 Werken an einer interaktiven Ausstellung.

Als wissenschaftlicher Leiter des Gutacher Freilichtmuseums “Vogtsbauernhof“ begrüßte Thomas Hafen zunächst die Gäste im pädagogischen Pavillon hinter dem Haupteingang. Im vergangenen Jahr habe ein komplett vorbereitetes Veranstaltungsprogramm weggeworfen werden müssen, was nicht schön gewesen wäre. „Aber einer ist im Ring geblieben – und das war Kosmos Schwarzwald“, betonte Hafen. Über das Lippenbekenntnis hinaus sei eine Ausstellung realisiert und die jetzige Veranstaltung verabredet worden.

Malerkolonie Herzstück der bildenden Kunst

Dass Landrat Frank Scherer am Sonntag, 04.07.2021 in privater Mission mit der Familie im Freilichtmuseum unterwegs war, ehrte die beteiligten Künstler, „Kosmos Schwarzwald“ und den Vogstbauernhof als Freilichtmuseum gleichermaßen. „Hier ist kein guter Platz für Kunst“, bedauerte Thomas Hafen dann beiläufig, um gleichzeitig zu betonen, dass das Freilichtmuseum der beste Platz für die Kunst wäre. Den Widerspruch erklärte er mit der frühen Tradition der Schwarzwälder Bauernkunst, die entweder Handwerk oder Ware für das Gesindel gewesen sei. Und doch wäre Gutach und das Freilichtmuseum auch der beste Platz für Kunst, weil mit der Malerkolonie um Curt Liebich und Wilhelm Hasemann das Herzstück der Schwarzwälder bildenden Kunst genau dort verortet wäre. Als aktuelles Mitglied der Gutacher Malerkolonie – in die man einstimmig gewählt werden müsse – wurde die Haslacher Künstlerin Beate Axmann begrüßt, die gleichzeitig Mitglied im Kosmos Schwarzwald sei und damit im weitesten Sinn den Kreis aus ehemaliger Malerkolonie und aktueller Kunstszene schließe. Dem Erfinder, Initiator, Kraft- und Ideengeber Uwe Baumann oblag dann die Vorstellung von „Kosmos Schwarzwald“, in dem sich mittlerweile 63 Kunstschaffende verschiedener Richtungen vereint haben. „Mit sieben Künstlern, die ich an einem Sonntagnachmittag kennen lernen durfte, hat alles angefangen“, blickte Uwe Baumann zurück. Für die erste Ausstellung im Lahrer Zeit-Areal (ehemalige Roth-Händle-Fabrik) hätten sich dann innerhalb von vier Wochen 33 Künstler gefunden, die sich beteiligen wollten. „Als letzter war Sebastian Wehrle reingerutscht“, erklärte Uwe Baumann nicht ohne Stolz und erzählte von der aufwendigen Ausstellungs-Umgestaltung von sieben auf 33 Künstler. „Eine Begeisterungswelle wurde ausgelöst, die sich in den vergangenen sechs Jahren enorm entwickelt hat und keineswegs einen bloßen „Hype“ bestätigte“, blickte Baumann zurück. Der Zielansatz sei gelungen, in die Kunstszene des Schwarzwaldes wäre eine Erfrischung gebracht worden. „Was die Gutacher Malerkolonie damals ausgelöst hat, wirkt bis heute nach“, bilanzierte Baumann. Kunst sei ein Nahrungsmittel für die Gesellschaft und nicht nur das Sahnehäubchen, das man dazu lege.

Begeisterungswelle nimmt Fahrt auf

Dabei schätzte er das kunstvolle Expertentum zwar hoch ein, war sich aber der Bedeutung der persönlichen Auseinandersetzung mit Kunstwerken durchaus bewusst. „Kunst ist eine Position!“, befand Uwe Baumann, die in der Begegnung und Auseinandersetzung der Menschen gefunden werden müsse. Der Schwarzwald sei ein Kulturraum, in dem es auch eine eigene Zeit gebe. Das was früher „Winter“ gewesen sei mit eigener Zeit und Freiraum für Kreativität, müsse heute in kleiner Form zelebriert werden. Unter der Dusche, beim Spaziergang im Wald, in der Natur – „“Winter“ ist wichtig für die Reflexion“, betonte Uwe Baumann. Am Beginn der Bewegung „Kosmos Schwarzwald“ habe es kritische Momente gegeben, in denen sich die Verantwortlichen in Diskussionen begeben hätten. Gerade im Bund für Heimat- und Volksleben habe Baumann einen schweren Stand gehabt, in diesem Zusammenhang wurde Gutachs Bürgermeister Siegfried Eckert - als dessen Vorsitzender - besonders begrüßt. Doch es sei höchste Zeit geworden, dass eine Erfrischung in die Heimat-Szene gekommen wäre, mittlerweile hätten etwa 300 000 Besucher die verschiedenen Ausstellungen von „Schwarzwald Kosmos“ gesehen. Am Sonntag kamen im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof gut 1 000 Besucher dazu, die sich die Live-Performance von Beate Axmann, die komprimierten Schwarzwald-Eindrücke im Foyer und die Ausstellungen im Falkenhof, dem Hermann-Schilli-Haus sowie dem „MuP“ (Museumspädagogischer Pavillon) angeschaut hatten. Auch an den Mitmach-Aktionen beteiligte sich eine große Zahl an Besuchern, stellvertretend sei hier die bildhafte Künstlerin Gudrun Kern aus Nordrach genannt, die auch an der Kunstschule in Offenburg als Dozentin unterrichtet.

Sie sind dabei: Der „Kosmos Schwarzwald“ ist eine Zusammenschluss frei Schaffender Künstler, die sich der Heimat auf den unterschiedlichsten Weisen nähern. Die beteiligten Künstler waren: Beate Axmann, Annemary Deusch, Silke Gerfen, Sarah von der Geest, Selina Haas, Bernd Himmelsbach, Hardy Kaiser, Gloria Keller, Michaela Kindle, Hansjörg Haas, Bernd Himmelsbach, Hardy Kaiser, Gloria Keller, Michaela Kindle, Hansjörg Kleiser, Janine Michiedo, Matthias Paul, Wolfram Paul, José Schloss, Gabriele Schuller, Thomas Wechlin, Sebastian Wehrle, Bernhard Schwär, Bernd Kohl, Bert Kohl, Ralf Rosa , Simon Stiegler, Evgeniya Scherer

Christine Störr, Schwarzwälder Bote

Der Initiator von „Kosmos Schwarzwald“, Uwe Baumann, hat die Ausstellung im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof vorgestellt.

Bei den Mitmachaktionen haben sich am Sonntag, 04.07.2021 im Museum viele Besucher beteiligt.