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Musikalischer Abschluss der Gutacher Chorakademie

Mit einem Konzert am Samstag, 6. Juli 2019 und der musikalischen Gottesdienstbegleitung am Sonntag, 7. Juli 2019 ging die Gutacher Chorakademie in diesem Jahr zu Ende. Unter dem Eindruck des Musikabends standen die Besucher noch lange im Gespräch mit den Sängern vor der Peterskirche.

Michael Kaltenbach, Domkantor in Mainz, hatte erstmals das Ruder der Gutacher Chorakademie in der Hand und drückte dem Konzert »Geistliche Chormusik aus zehn Jahrhunderten« in der Peterskirche seinen Stempel auf. Die Literatur war den 26 versierten Sängern aus ganz Deutschland bereits bekannt, als sie am Mittwoch, 3. Juli 2019 um 8 Uhr zur ersten gemeinsamen Probe im Gutacher Gemeindehaus zusammenkamen. »Die große Herausforderung für die Sänger bestand darin, nach dreieinhalb intensiven Probentagen mit mehr als 25 Stunden Arbeit noch Kraft und Konzentration für den musikalischen Abschluss aufzubringen«, so der Mainzer Domkantor und gebürtige Hornberger aus Niederwasser nach dem erfolgreichen Konzert.

Das Konzertprogramm zeigte die Vielfalt von Chormusik, die sich im Laufe der Musikgeschichte entwickelte. Kaltenbach hatte das Repertoire entlang dieses roten Fadens mit chronologisch geordneten Wendepunkten aufgebaut. Zu Konzertbeginn stand ein einstimmiger gregorianischer Gesang, der den Beginn der Chormusikgeschichte markierte. Den Schlusspunkt des Konzerts setzte Kaltenbach mit »Lux aurumque« (Goldenes Licht), von Eric Whitacre 2000 komponiert. Allein die gezielt eingesetzten Dissonanzen des Stücks und deren nicht ganz einfach zu haltende Wiedergabe brachten – lediglich für die Sänger sichtbar – einen Daumen hoch des Dirigenten und einen stürmischen Applaus des Publikums ein. Die Sänger und Kaltenbach präsentierten 24 Stücke in lateinischer, englischer und deutscher Sprache. Ihre Übersetzung im Programmheft trug zum sprachlichen, aber auch musikalischen Verständnis des Vortrags bei. Einfühlsam, mit präzisen Einsätzen und oftmals weichem Ausklingen, berührten die Akteure das Publikum mit A-capella-Musik, Kantaten und Oratorien und einem hohem künstlerischen sowie fachlichen Anspruch und einer beeindruckenden musikalischen Leistung.

Solisten aus der Heimat

Die gebürtige Schenkenzeller Sopranistin Susanne Müller, die heute in Freiburg wohnt, verzauberte die Zuhörer mit glockenhellen Klängen bis zum hohen C in Mozarts »Alleluja«, was den Sonderapplaus der Zuhörer verdiente. Organist Roland Uhl aus Hausach, heute Münsterkantor auf der Insel Reichenau, steuerte zum Konzert Dietrich Buxtehudes »Präludium C-Dur Bux WV 137« bei und begleitete Müller beispielsweise bei Händels »Rejoice greatly«. Auch dieser Hörgenuss wurde mit Zwischenapplaus quittiert.

Neben dem Konzert habe Kaltenbach besonders die Atmosphäre während der intensiven Chorakademiezeit gefallen. »Ich habe das gute Miteinander der Generationen unter den Sängern zwischen 77 und 17 Jahren genossen«, sagte er. Wenn Kaltenbachs gut gefüllter Terminkalender in Mainz es zuließe, würde er im kommenden Jahr gerne ein weiteres Mal die Leitung der Chorakademie übernehmen, sagte der Musiker.

Martina Baumgartner
Offenburger Tageblatt

 

Gelungener Neubeginn für Chorakademie

Viele ehemalige Teilnehmer sind nicht mehr aktiv dabei, bleiben aber Mitglied im Förderverein

Die Gutacher Chorakademie hat ihren Neubeginn gut überstanden. Einige Diskussionen im vergangenen Jahr wären gar nicht notwendig gewesen, ließ der Vorsitzende des Fördervereins in der Hauptversammlung am Freitag, 05.07.2019 durchklingen. 

»Verzaget nicht, Ihr Häuflein klein«, zitierte Vorsitzender Jürgen Bärmann ein Kirchenlied zum Beginn der Hauptversammlung der Gutacher Chorakademie am Freitag vor dem evangelischen Gemeindehaus. Es war tatsächlich nur ein kleines Häuflein Mitglieder, das den Regularien des Vereins Genüge tat. Der Grund: Nach der Zäsur im vergangenen Jahr sind viele Teilnehmer der ehemaligen Chorakademie in diesem Jahr nicht mehr dabei – Mitglied des Fördervereins sind sie aber geblieben. Bärmann erinnerte an den emotionalen Abschied im vergangenen Jahr, nachdem in 25 Jahren 176 Werke gemeinsam erarbeitet worden waren.

Viele Diskussionen über den Erhalt des Vereins hätte man sich damals ersparen können, wenn er schon hätte sagen dürfen, dass Michael Kaltenbach als Nachfolger von Johannes Esser musikalischer Leiter der Gutacher Chorakademie werden würde. Das Bistum Mainz hätte dies zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht offiziell bestätigt. Die roten Zahlen, die die Jubiläumsveranstaltung im vergangenen Jahr beschert hatte, hätte der Verein gut verkraftet, zitierte Bärmann aus dem Kassenbericht von Ilona Abels, die selbst nicht an der Versammlung teilnehmen konnte. 

Sehr berührend sei für ihn die Aufnahme des Fördervereins in der Gutacher Vereinsgemeinschaft gewesen, »wo doch die wenigsten Mitglieder Gutacher sind«. Bürgermeister Siegfried Eckert sprach von einer »immensen Freude«, dass Michael Kaltenbach die Chorakademie weiterführe, die in Gutach großen Stellenwert genieße. Das passe zu den vielen Veränderungen in der letzten Zeit von den Pfarrern über die Schulund Kindergartenleitung bis zum Gemeinderat.

»Es ist schön, dass ich in der Heimat, an der ich sehr hänge, weiter Musik machen kann«, dankte Michael Kaltenbach für die herzliche Aufnahme«. Dass er noch mit Johannes Esser »vor so einem super Chor stehen und Erfahrungen sammeln durfte, hat mich mit geprägt«, so Kaltenbach. Noch nicht sicher ist, ob es künftig wieder einen festen Termin für die Chorakademie geben wird. Ganz sicher aber nicht Fronleichnam – da wird der Domkantor in Mainz gebraucht.

Claudia Ramsteiner
Offenburger Tageblatt