im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Musikfest „in der Gutacher Innenstadt“

Gutacher Trachtenkapelle bietet Gästen großes Programm und viel Blasmusik / Wetter war gemischt

Die Gutacher Trachtenkapelle feierte drei Tage lang ihr Musikfest im Kurgarten. Samstag, 27. Juli und Montag, 29. Juli waren gut besucht, doch am Sonntag, 28. Juli machte das regnerische Wetter einigen Festbesuchern einen Strich durch die Rechnung.

Die Gutacher Trachtenkapelle hatte am Samstagabend richtig Glück, denn laut Hansy Vogt »rägnets ringsrum«, nur in Gutach konnten die zahlreichen Besucher eine schöne Sommernacht im Kurpark mit viel musikalischer Unterhaltung genießen. Der Menzenschwander Musikverein war zu seinem Gegenbesuch angetreten und hatte mit traditionellen, aber auch modernen Blasmusikmelodien wie etwa der »Golden Swing Time« die Stimmung hochgeschraubt. Für die Kinder war eine Hüpfburg aufgebaut und die Gutacher Musiker sorgten bestens für die leibliche Versorgung der Gäste. 2018 war Bürgermeister Siegfried Eckert mit einigen Trachtenträgern in St.Peter bei der Open-Air-Aufführung des »Schwarzwaldmädel« gewesen und hatte den bekannten Moderator Hansy Vogt für das Gutacher Musikfest begeistern können. Und der war bis vor 14 Tagen in dem Glauben, dass in Gutach ebenfalls eine Filmvorführung stattfindet. Aber, keine Leinwand, kein Film – und so plauderte sich Vogt vom Bollenhutkäfer vorgefahren, gekonnt und souverän durch den Abend. Das Publikum erfuhr, dass ihn eine Menzenschwanderin in der Christnacht zur Welt gebracht hatte, wobei »der Kartoffelsalat schon auf dem Tisch stand und die Wienerle platzten«. Auch verriet er, dass er von Gutach zwar den Vogtsbauernhof kenne, aber zum ersten Mal »in der Innenstadt« sei. Dazwischen brachte er mit »Marmor, Stein und Eisen bricht« oder »Sierra Madre« die Gäste zum Schunkeln und führte locker mit dem Publikum flirtend durchs Programm. Vogt bediente humorvoll jedes Klischee, vom Triberger Uhrenträgerpaar über den Bollenhut bis zur Schwarzwälder Kirschtorte, die übrigens frisch »vom Dorfbeck« an das sechzig Jahre verheiratete Paar Elfriede und Günter Brohammer ging. Und doch erfuhren die Gäste in den jeweils auf der Bühne stattfindenden Gesprächsrunden viel Wissenswertes über die Tradition der Trachten, ob die echte Schwarzwälder mit oder ohne Mürbteigboden gemacht wird oder was eine »Uhregrädde« ist. Tradition erhalten Bürgermeister Siegfried Eckert, direkt von der Hochzeit des Pfaffenweiler Kollegen Dieter Hahn kommend, hielt in der letzten Runde ein flammendes Plädoyer für die Erhaltung der traditionellen Bollenhuttracht, denn laut Trachtenkapellenvorsitzendem Mike Lauble komme jede Woche eine Anfrage, die Tracht für Werbezwecke und Ähnliches abgeändert nutzen zu dürfen. »Gräßer, kloiner, gstreift, als Firmenlogo in andere Farbe«, die Fantasie kenne dort wohl keine Grenzen. Nach dieser Gesprächsrunde verabschiedete sich Hansy Vogt noch musikalisch, Handys und Feuerzeuge sorgten für die passende Illumination und die Menzenschwander Musiker übernahmen die Unterhaltung der Gäste, die einen wirklich kurzweiligen und unterhaltsamen Abend genossen. Weniger glücklich waren die Musiker mit dem Wetter am darauffolgenden Sonntag. Der permanente Nieselregen sorgte für viele freie Plätze im schön gestuhlten und dekorierten Gutacher Kurpark. »D’Michel und seine Holzebener« störte das wenig. Die Schenkenzeller Musiker spielten in der Konzertmuschel für die wenigen Besucher, die im Schutz der Schirme trotzdem ihre Freude am Frühschoppenkonzert und weiterem Festtag mit Brauchtum, Trachtenvorführungen und Musik hatten. Mit dem Handwerkervesper am wieder trockenen Montagabend klang des Musikfest für die vielen Besucher dort aus.

Michaela Keller, Offenburger Tageblatt

 

Eine Schwarzwälder Kirschstorte gab’s vom »Dorfbeck« Karlheinz Wöhrle für das Ehepaar Günter und Elfriede Brohammer, die 60 Jahre miteinander verheiratet sind.

Hansy Vogt im Gespräch mit den Trachtenträgern aus Triberg und Gutach, im Vordergrund die "Uhregrädde".