im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Nachdenkliches zum Advent

Sechste Adventslesung von Peter Hagmeyer in Gutach / Beste Beiträge der letzten Jahre

 

Mit einem "Best of" stimmte Peter Hagmeyer aus Gutach am Montagabend, 04.12.2017 auf die Adventszeit ein und und traf einmal mehr genau den Nerv der zahlreichen Zuhörer, die sich köstlich amüsierten.

 

Foto: Zum sechsten Mal lud Peter Hagmeyer zu seiner Lesung von Heiterem und Besinnlichem im Advent ein.

 

Es war so voll wie noch nie, als am Montag Peter Hagmeyer im Gutacher Gasthof Krone zum fünften Mal seine heiteren und nachdenklichen Texte zum Advent vortrug. Und noch etwas war anders als sonst: Er hatte keine neuen Geschichten und Gedichte mitgebracht; was er diesmal inmitten der weihnachtlichen Dekoration und in seiner unnachahmlichen, dialektgefärbten Art vortrug, waren die besten Beiträge aus den letzten fünf Jahren. Oder vielmehr das, was nach einer strengen Auswahl davon übrig geblieben ist. „Alle Höhepunkte vorzutragen, das hätte drei Stunden Lesung bedeutet“, erläuterte Hagmeyer die Schwierigkeit seiner Auswahl.

 

„Best of“ also – und die Auswahl war höchst gelungen. Sie begann, wie könnte es auch anders sein, mit Otmar Schnurr alias „Nepomuk der Bruddler" aus Ottenhöfen, der sich über die Schwierigkeiten der Begrüßung bei einer Festrede ausließ, um dann einfach auf Karl Valentins „Verehrte Alle“ zurückzugreifen. Von seinem traumatisierten Kater und dem elegant gelösten Problem mit der Weihnachtspost handelten weitere Schnurr-Texte. Um die Unruhe vor einem Auftritt, einem „Gang wie aufs Schafott“, ging es in einem Gedicht der Schwäbin Ingrid Koch, das in den Zeilen gipfelte: „Ob’s dann gut lauft oder dumm, des entscheidet ’s Publikum.“ Noch schlimmer für sie sind da nur noch die „Schnoogebloog“ und die Probleme mit der Garderobe angesichts eines überquellenden Kleiderschranks.

Und dann natürlich der Walter Fröhlich vom Bodensee, von dem Hagmeyer gar nicht genug bringen konnte und den er dann sogar in der Zugabe zitierte. Über die Morgenstund’, die so gar kein Gold im Mund hat und an der die Familie nur mit schärfsten Worten in Schwung gebracht werden kann, echauffierte sich der Autor. Oder wie er mit immerhin einer Stimme von 30000 „ums Hoor Oberbürgermeister gworde wär“. Der an sich unkomplizierte Einkauf von Senf wurde zur stundenlangen Odyssee – und der Erfolg war dann doch bloß Majonäse. Und dann erst der vorurlaubliche Stress beim Kofferpacken, bei dem nur noch ein spezielles Touristengebet helfen kann. Eugen Roths Überprüfung der Wohnung vor der Urlaubsreise fasst alle Vergeblichkeit von Kontrolle in der berühmten Zeile zusammen: „Nun brennt das Licht vier Wochen lang.“

 

Ein kleiner Höhepunkt an Umständlichkeit war „Do hanne num!“ des Karlsruhers Harald Hurst, der ebenso wortreich wie inkompetent einem Fremden den Weg erklärt. Und über ein befremdliches Erlebnis im Advent wusste Philipp Brucker aus Lahr zu berichten. Das Ganze gipfelte in Karl Valentins unvergesslichem und so tröstlichen Ausspruch: „Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger“ und endete mit Werner Richters sehnlichem Wunsch nach Zufriedenheit – und mit großem Applaus der begeisterten Zuhörer.

 

Andreas Buchta, Offenburger Tageblatt