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Nahwärmenetz für Gutach?

Energieberater Uwe Holasek wurde in die Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 10.08.2022 eingeladen, um allgemein Tipps zum Energiesparen zu geben – die Gemeinderäte erwarteten dann aber doch auch noch Vorschläge, was die Kommune tun kann, um den Energieverbrauch zu senken. „Es gibt viele Punkte, die man einfach umsetzen kann“, begann Uwe Holasek mit seinen Tipps fürs Eigenheim. Eine neutrale, energetische Beratung sei wesentlich besser als „blinder Aktionismus“. Man müsse das Gebäude ganzheitlich betrachten und mit einem Fachmann überlegen, wo man mit den wenigsten Mitteln die größten Einsparungen erzielen könne.

So könne man etwa schon mit der Dämmung der Geschossdecke Energie sparen – das könnten Hobbyhandwerker auch selbst leisten. Ältere Fenster könne man optimieren, indem durch Nachstellen der Anpressdruck erhöht wird. „Was ich täglich beobachte: 90 Prozent der Heizungen laufen so, wie sie der Heizungsbetrieb irgendwann mal eingestellt hat. Wer die Zeiten individuell auf seinen Verbrauch einstellt, kann größere Energiemengen sparen ohne Verlust an Komfort“, riet Holasek, die Bedieungsanleitung der Regelung zu studieren und die Heizung „bis zur Schmerzgrenze der Frau zu reduzieren“.

Auch seien die Temperaturen oft zu hoch eingestellt. Es sei besser, weniger Energie ins Heizungssystem zu pumpen, als überall die Heizkörper runterzudrehen. „Ich würde eine Heizung so lang wie möglich hegen und pflegen“, riet Holasek, da im Moment keiner sagen könne, „wo die Reise hingeht“. Wer mit einer Vorlauftemperatur von 50 Grad auskommt, könne auch auf eine Wärmepumpe zurückgreifen. Die Kostensituation und die Auslastung der Handwerker seien „völlig abgefahren“, rät Holasek, nichts übers Knie zu brechen und lieber noch einmal Öl zu tanken, um die Heizperiode zu überbrücken. Schwierig werde es, wenn 2024/25 die Ölheizung in die Knie geht und der Gesetzgeber verlangt, 65 Prozent mit regenerativen Brennstoffen zu heizen.

„Traumhaft wäre es, wenn man in Gutach Nahwärmenetze umsetzen könnte“, schlägt der Energieberater vor. Zwei Netze, bestückt mit Hackschnitzel von den heimischen Landwirten, dann könnte man in Gutach sehr viel mit regenerativer Energie heizen. Bürgermeister Siegfried Eckert nahm den Ball auf. Für die „Linde“ sei auf jeden Fall eine Hackschnitzelanlage geplant. Gemeindehaus, Kindergarten und Schule würden mit Pellets geheizt, im Herbst sollen die Arbeiten für die Festhalle ausgeschrieben werden. Und der Anbau der Sporthalle soll dann ebenfalls an der Anlage der Schule angeschlossen werden. „Man sollte dann auf jeden Fall größer denken, damit auch Bürger ihre Häuser mit anschließen können“, riet Holasek.

Gerade für Neubaugebiete sei das ein Standortvorteil und für die Bürger lohnend, beantwortete er eine Frage aus dem Rat. Vor allem, wenn die Gemeinde oder eine Bürgergenossenschaft das selbst in die Hand nehmen. So wie in Hausach mit der Zentrale am Stadion und kilometerlangen Leitungen – das halte er für nicht zielführend. Auch das „Spitzenlastkesseldenken“ halte er für falsch, das „machen die Firmen, damit sie zu 100 Prozent auf der sicheren Seite sind“, unterm Strich sei das aber zu teuer. „Die Kirche braucht fürs Gemeindehaus eine neue Heizung, die ‚Linde kommt, das Neubaugebiet – und Holz ist genug da“, freute sich Karla Wöhrle (CDU) über Holaseks Vorschläge. Mike Lauble (CDU) hatte eher Vorschläge erwartet, wie die Gemeinde Energie sparen könnte. „Das muss der nächste Schritt sein“, so Lauble.

Nahwärmenetz für Gutach?

„Die Bürgermeister im Sprengel machen sich auch Gedanken“, sagte Bürgermeister Siegfried Eckert. Für die Schulen erwarte man Anweisungen „von oben“. Kämmerer Thomas Blum erläuterte die Entwicklung der Straßenleuchten. Man habe in der Zeit von 2010 bis 2021 60 Leuchten mehr installiert und den Verbrauch durch die Umstellung auf LED dennoch von 95 Megawattstunden auf knapp 42 Megawattstunden gesenkt. Innerorts laufe die Beleuchtung durch. Außerorts wird sie ab 1 Uhr abgestellt, im Ort nur auf 50 Prozent abgesenkt.

Stichwort Explodierende Pelletspreise

„Niemand kann erklären, warum die Pellets heute viermal so teuer sind wie im vergangenen Jahr, obwohl das ein nachwachsender Rohstoff ist“, klagte Bürgermeister Siegfried Eckert. Umgerechnet auf das Kilowatt Wärme seien Pellets aktuell sogar noch zwei Cent teurer als Öl, bestätigte Kämmerer Thomas Blum. „Der Waldbesitzer, der den Rohstoff liefert, merkt nichts von der Explosion der Pelletspreise“, erklärte Gemeinderat und Waldbesitzer Jürgen Wälde (Freie Wähler).

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Schornsteinfegermeister und Energieberater Uwe Holasek gab in der Gutacher Gemeinderatssitzung Tipps zum Energiesparen.