im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Pilz-Seminar der Gutacher Landfrauen gut besucht

Das 2-tägige PilzSeminar der Gutacher Landfrauen mit der Pilzexpertin Karin Pätzold aus Hornberg stieß mit vierundzwanzig Teilnehmern auf großes Interesse. Es kamen Interessierte nicht nur aus Gutach, sondern der ganzen Umgebung von Hornberg, Hausach, Haslach und Offenburg. Der Einführungsvortrag am Freitagabend von Pätzold enthielt sowohl faszinierende Fotos von Pilzraritäten aus der Umgebung von Hornberg sowie von weiteren Speise- und Giftpilzen. Die Pilze werden in der Wissenschaft neben den Pflanzen (Flora) und Tieren (Fauna) als „Fungi“ bezeichnet und haben ein eigenes Reich. Die Lebensweise der Pilze findet zum großen Teil als Symbiose mit Bäumen (Mykorrhiza) statt, ein gleichberechtigtes, nützliches Zusammenleben für Baum und Pilz. Die holzzersetzenden Pilze, als Braun- und Weißfäuleerreger, mineralisieren das Holz und stellen es als Waldboden den Pflanzen wieder zur Verfügung. Sie wurden im Seminar vereinfacht „Müllabfuhr des Waldes“genannt. Die zwei Großgruppen der Pilze, die Schlauch- und Ständerpilze, gehen schon seit 541 Millionen Jahren der Erdgeschichte getrennte Wege. Pätzold erklärte leicht verständlich den Unterschied der Sporenbildung der beiden Pilzgruppen mit einigen Mikrofotos. Im weiteren Vortrag kamen Röhrlinge sowie Lamellenpilze mit weißem, rosa, braunem und schwarzem Sporenpulver zur Sprache. Jeder Pilz wurde zusammen mit den Teilnehmern vom Hut bis zur Stielbasis bis ins Detail beschrieben. Allen voran die tödlich giftigen Pilze und ihre Doppelgänger. So lernte jeder Einzelne die Herangehensweise der Pilzbestimmung kennen. Der Speisewert spielte hier ebenfalls eine Rolle. In Großaufnahme wurden Röhren, Lamellen, Leisten und Stacheln der Pilze aufgezeigt, Sprödblättler wie Täublinge und Milchlinge anhand ihrer Zellstruktur vorgestellt. Attraktiv waren die verschiedenen Porlinge und ebenso die unterirdischen Pilze wie Trüffel.

Begleitend zu dem Vortrag bekam jeder Teilnehmer als Gedankenstütze von der Referentin ein vierseitiges „Unterrichtspapier“ ausgehändigt. Ausgelegt waren verschiedene Porlings-Arten wie Zunderschwamm und der daraus gefertigte Hut. Eine Attraktion war der Tisch mit Handarbeiten von Rita Zajoncs, die Naturwolle mit Pilzen gefärbt hatte. Vor der Exkursion am Samstag hatte keiner der Teilnehmer große Erwartungen Pilze zu finden. Das Ergebnis jedoch war überwältigend. An die 30 - 40 Pilzarten lagen anschließend auf den Tischen im Gasthaus „Löwen“. Sie wurden auf Schälchen nach Gattungen ausgelegt und von Karin Pätzold bis in den frühen Abend besprochen. Dabei waren vom kuriosen Strubbelkopf-Röhrling, Steinpilze, Butterpilze über Fliegenpilze, Gelber Knollenblätterpilz bis zu den Täublingen, Pfifferlingen, Semmelstoppelpilzen und Krause Glucke vertreten. Besonders schön waren die Rotrandigen Baumschwämme, der Tannenfeuerschwamm und die jungen weißen Birkenporlinge, die schon Ötzi zu schätzen wusste. Die Begeisterung für Pilze, die Karin Pätzold ausstrahlte, sprang auf die Teilnehmer über. Ein Ehepaar äußerte sich folgendermaßen: „Wir sehen die Pilze jetzt mit ganz anderen Augen“. Genau das war wohl auch die Intension von Pätzolds Pilzseminar in Gutach. Die Vorsitzende der Landfrauen Gutach Frau Bärbel Wöhrle bedankte sich bei Frau Pätzold für das lebendige und informative Wochenende mit einem blumigen Präsent.

Sabine Mai-Bizenberger