im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Rallye-Weltmeister Walter Röhrl auf der Sommerrodelbahn

Winter-Challenge in Gutach

 

Walter Röhrl, einziger deutscher Rallye-Weltmeister, erwies sich bei der Station der Winter-Challenge bei der Sommerrodelbahn in Gutach auch als Weltmeister der Herzlichkeit und der Geduld. Nur ungern tauschte er Porsche gegen Rodel: Ein Fahrzeug ohne Lenkrad sei ihm nicht geheuer.

So schnell wird Pamela Groll ihren Dodge Charger nicht mehr waschen. Auf dem Tankdeckel des Geschäftsführerautos der Gutacher Sommerrodelbahn hinterließ der einzige deutsche Rallye-Weltmeister Walter Röhrl am Samstag, 13.01.2017 beim Stopp der Winter-Challenge sein letztes Autogramm, bevor er zur nächsten Rallyeaufgabe auf dem Parkplatz des Freilichtmuseums startete.

Schon bei seiner Ankunft gegen 12:30 Uhr wurde er vor dem Willkommens-Transparent von Fans »überfallen«, stand geduldig für Selfies und für Bilder mit Enkeln, Papa und Opa zur Verfügung und signierte alles, was ihm seine Fans entgegenstreckten – vom Porschemodell über den Fahrradhelm bis zur von der Journalistin erbettelten Blockseite. »Kannst tauschen: einen Röhrl gegen zehn Beckenbauer«, streckte er lächelnd einem Mädchen die fünf signierten Karten entgegen.

»I hab zu Glück a groß Auto dabei«, dankte er mit bayrischem Zungenschlag Bürgermeister Siegfried Eckert für seine Gutacher Geschenktasche mit Kirschwasser, Likör und Prospekten. Eigentlich wolle er schon seit zehn Jahren aufhören und nur noch mit seiner Frau im Oldtimer Deutschland erkunden. Irgendwann sei es so weit, »und dann komm’ ich nochmal her in diese schöne Gegend«, versprach er.

»Wie autonomes Fahren«

Als Rallyefahrer habe man nämlich in der Regel nicht so viel von der Landschaft, durch die man fährt: »Als Fahrer bist der Depp. Das Hirn ist der Beifahrer!« Was ihm aber im Vergleich zu seiner Heimat Bayrischer Wald auffiel: »Die Hänge sind hier viel steiler.« Zum Beispiel der, von dem sich die Sommerrodelbahn mehr als einen Kilometer herunterwindet. »Viel zu gefährlich«, will er zunächst von einer Rodelfahrt nichts wissen. Gefährte ohne Lenkrad seien ihm suspekt, »das kommt mir vor wie autonomes Fahren«.

Vom Charme der Pamela Groll ließ er sich aber doch einwickeln und wagte sich hinter seinem Beifahrer auf einen Rodel – die Bremse fest in der Hand. Ganz gleich, wie sehr er diese auch gedrückt hätte, der Siegerkranz und die Urkunde »Supersommerrodelbahnweltmeister« waren eh schon vorbereitet. »Weltbestzeit 333 Stundenkilometer in der Nordschleife«, empfing ihn die Geschäftsführerin.

Da hätte allerdings der TÜV dann doch noch ein Wörtchen mitzureden gehabt. Mehr als 40 Stundenkilometer sollen die Rodel nämlich nicht fahren. So gesehen ist seine tatsächliche Zeit von 42,9 Stundenkilometer, die beim Fotografieren in der Nordschleife gemessen wurde, gar nicht schlecht.

»Wir konnten alle heute Nacht nicht schlafen«, gestand Pamela Groll und rief ihr gesamtes Team noch zu einem Gruppenbild zusammen, bevor sich die Winter-Challenge in Richtung Prüfung beim Vogtsbauernhof und zu einem weiteren Stopp bei der Dorotheenhütte in Wolfach bewegte. »Das sind die wahren Helden, die nach ihrem Erfolg nicht abdrehen, sondern bodenständig bleiben«, kommentierte Groll den prominenten Besuch.

 

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt