im Schwarzwald | Heimat des Bollenhutes

Schönheit und Vielfältigkeit der geheimen Pilzwelt vorgestellt

„Es geht eine ewige Schönheit durch die Welt“. Mit diesem Zitat von Reiner Maria Rilke eröffnete Peter Hagmeyer, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Gutach, den Vortragsabend im Gasthaus Neue Linde zum Thema „Faszination Pilze“.
Nach der poetischen Eröffnung des Abends entführte die Referentin Karin Pätzold, Pilzsachverständige und Pilzfotografin aus Hornberg, die Zuhörer in die Welt der Pilze mit farbenprächtigen Makro- und Mikroaufnahmen von Pilzen allesamt aus der nächsten Umgebung. Sie zauberte mit ihrer Liebe zu den Pilzen reine Wunderwelten auf die Leinwand: Ob mit farbenprächtigen Rindenpilzen wie dem Blutroten Borstenscheibling an Weißtanne oder die unter dem Mikroskop fotografierten farbig gemusterten Pilzsporen von den kleinen Pilzen, mit der Lupe sichtbar als schwarze Punkte auf Ulmen-, Birken-, Birnbaum- oder Besenginster-Ästchen.

Im Frühjahr sprießen die Gallertpilze wie das Judasohr, Heilpilz und Pilz des Jahres 2017 oder Schlauchpilze wie Morcheln und Lorcheln. Die einen sind essbar und wohlschmeckend, die anderen tödlich giftig.
Pilze als Baumpartner wie z. B. die Röhrlinge wurden vorgestellt: So der Sommersteinpilz bei Buche, der Fichtensteinpilz bei Fichte, der Butterpilz bei Kiefer oder der Goldröhrling bei Lärche. Der Nahrungsaustausch findet an den Feinwurzeln der Bäume statt. Dies wurde im Bild gezeigt. Die Bäume erhalten von den Pilzen Nährstoffe in Wasser gelöst und die Pilze bekommen vom Baum Zuckerverbindungen. Auch einige Täublinge in allen Farben, mal scharf mal essbar, wurden im Bild gezeigt; man sollte sie aber als Gattung erkennen, bevor man sie verzehrt.
Thema waren auch die Holzzersetzende Pilze wie der Zunderschwamm, der Weißfäule erzeugt und aus dem man früher Hüte im Schwarzwald anfertigte oder der Rotrandige Baumschwamm als häufigster Braunfäule-Zersetzer. Diese Pilze bezeichnete Karin Pätzold als „Müllabfuhr des Waldes“, da sie dafür sorgen, dass Holz wieder zu Waldboden zersetzt wird. Dieses Prinzip macht man sich auch in der Pilzzucht zu Nutze wie z. B. bei dem japanischen Zuchtpilz Shiitake. Ihn kann man auf Eichen- oder Buchenstämmen mit Pilzmyzel züchten. Er ist sowohl ein hervorragender Speisepilz als auch in Asien ein angesehener Heilpilz. Ein Glas mit getrockneten Shiitake wurde rumgereicht.

Lachsreizker wie Parasol wurden als leckere Bratpilze vorgestellt. Es wurde darauf hingewiesen sie in heißem Fett in einer Bratpfanne ausreichend zu garen, da rohe Parasole giftig sind. Bei der Bestimmung der tödlich giftigen Pilze wie dem Grüne Knollenblätterpilz oder dem Spitzgebuckelte Raukopf ist es lebensnotwendig auf jedes einzelne Merkmal des Pilzes zu achten: Der eine verursacht tödliche Leberschäden, der andere Nierenversagen noch nach 14 Tagen.
Beim Thema Sammeln wurde auf das Waldgesetz hingewiesen, Speisepilze doch in überschaubaren Mengen zu sammeln. Als Richtlinie wurde ein kg pro Person pro Tag empfohlen. Bei Unsicherheit wurde auf die Pilzberatungsstelle, der Schwarzwälder Pilzlehrschau Hornberg, hingewiesen.

Am Ende des spannenden Vortrags ging die Referentin noch auf die farbenprächtigen Herbstpilze wie Ritterlinge und Haarschleierlinge ein. Mit einem Bild vom Haareis, ein Phänomen auf Totholz zur kalten Jahreszeit, endete der spannende Vortrag. Nach einer Fragerunde konnten die Besucher noch sich über Pilzliteratur informieren und die mit Pilzen gefärbten Woll- und Seiden-Handarbeiten von Rita Zajonc bewundern.

Kirschroter Saftling Hygrocybe coccinea gr.