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»Spielen die Tourismus-Karte«

Der Breitbandausbau ist wie für alle Kommunen auch für Gutach ein ganz wichtiges Thema.

Landrat Frank Scherer besuchte am Donnerstag, den 06.09.2018 die Gemeinde Gutach und hob vor allem deren enorme touristische Entwicklung hervor. In Sachen Breitband und Bahnhalt soll sich etwas tun.

Zwar gebe es in Gutach »keine kritischen Baustellen«, doch für Bürgermeister Siegfried Eckert gehört es »zum guten Stil, den obersten Dienstherrn immer mal wieder einzuladen«. Gutachs Bürgermeister nannte die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Landratsamt »exzellent« und man habe ja auch nicht wenige Bauvorhaben, bei denen das Landratsamt helfe und den Weg aufzeige.

Gutachs Bürger wären auch seine Bürger, betonte Landrat Frank Scherer, wie wichtig es ihm sei, die Dinge vor Ort zu erleben – visuell und in der Diskussion. »Das tut mir gut und ein direktes Feedback bereichert immer«, bekannte er ferner, dass er sich in der »Hochphase der Krankenhausdiskussion« über die Gutacher Einladung gefreut habe. Positiv überrascht zeigte er sich von der Präsenz der Gemeinderäte an einem ganz normalen Werktag. »Wir sind eine kommunale Familie«, ist es ihm wichtig, »Themen gemeinsam anzugehen«.

Eines davon beschäftigt alle: der Breitbandausbau. Ganz freimütig bekannte er dann allerdings, dass er sich wünschen würde, dass Bürgermeister, Verwaltungsgremien und Landrat sich nicht so sehr mit diesem Thema befassen müssten. Man tue trotzdem sehr viel dafür, aber klar sei, dass die Sache eigentlich in die Bundeshand gehöre. Das derzeitige Zuständigkeits-Wirrwarr sei mit einer der Gründe, warum so viel unabgestimmt laufe. »Es gibt Ideen und man muss auch mal den Mut haben, jetzt zu handeln. Es ist eine Zumutung, dass wir uns damit befassen müssen«, fordert der Landrat »rechtliche Anpassungen« – beispielsweise auch bei elektronischen Ummeldungen.

Es war ihm nicht nur anzumerken, wie sehr ihn das alles stört, sondern er wurde sogar noch deutlicher, indem er von einem »politischen Versagen« sprach. Froh sei er über die »zielorientierte Ausschreibung« in Sachen Breitband bei der der Clou darin liege, dass die Bewerber sich damit einverstanden erklären, dass ihre Infrastruktur mit ins Verfahren komme und diese auch für andere nutzbar sei. Natürlich hofft der Landrat dabei auf die »Großen« der Branche. Dadurch hätte man deutlich weniger Doppelstrukturen und könnte durch die Einsparung von bis zu 400 Kilometern »schneller und günstiger« vorankommen. Bürgermeister Siegfried Eckert ging ferner auf den Lärmaktionsplan ein, und darauf, in Sachen Wohnqualität etwas tun zu wollen.

Für Frank Scherer spielen da auch die Themen Verkehrsfluss oder Sicherheitsaspekte mit hinein. Einig waren sich beide darin, hier die Bevölkerung mitnehmen zu wollen, weshalb dies auch in der Einwohnerversammlung im November besprochen werden soll. Ein »weiteres Sorgenkind« ist derzeit das Hotel »Neue Linde«. Man habe den Landrat befragt, wie eine mögliche neue Ausrichtung aussehen könnte, informierte der Bürgermeister. Das Gebäude soll verkauft und die Gaststätte weitergeführt werden.

Zur möglichen Verlängerung des Bahnhalts beim Vogtsbauernhof für die Schwarzwaldbahn berichtete der Landrat, dass er aus dem Ministerium eine Mitteilung erhalten habe: Man sei bereit, tageweise einen Halt einzuführen und sich mit 50 Prozent an den Kosten zu beteiligen. Auch vom Kreis sollen nun Gelder dafür eingestellt werden«, nannte Frank Scherer die Info »ein gutes Zeichen« und dankt Verkehrsminister Winfried Hermann für dessen Einsatz. »Wir spielen die Tourismus-Karte immer mehr«, ist für Siegfried Eckert ein »glücklicher Umstand, dass die Firma Uhren-Herr aus Hornberg für den Vogtsbauernhof, der sich toll entwickelt, gewonnen werden konnte«. Allein 18000 Besucher aus den Schiffstouren seien schon für die Saison 2019 eingeplant.

Petra Epting
Offenburger Tageblatt

Landrat Frank Scherer (vorne, von links) mit Bürgermeister Siegfried Eckert, Gemeinderätin Renate Wasmer und Gemeinderat Peter Wälde. Dabei waren gestern ebenso die Stabsstellenleiterin im Landratsamt, Bettina Ebert (zweite Reihe, von links), Gemeinderat Thomas Albrecht und Hauptamtsleiter Fritz Ruf sowie die Gemeinderäte Gerhard Wöhrle (hintere Reihe, von links), Rolf Schondelmaier und Hans-Jürgen Schneider.