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Umsetzung war nicht ganz einfach

Zwölfte, spannungsgeladene Ausstellung der Gutacher Malerkolonie unter dem Motto „Frei Wild“ eröffnet

Unter dem Motto "Frei Wild" stellt die Gutacher Malerkolonie derzeit ihre neuesten Arbeiten im Gutacher Krämerhaus aus. Mit der Vernissage am Sonntag, 16.09.2018 eröffnete und feierte der Kunstverein Hasemann-Liebich in seinem Museum gemeinsam mit den Künstlern die außergewöhnliche und spannungsgeladene Ausstellung.

"Frei Wild" - es sind zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen und trotzdem sind sie untrennbar miteinander verbunden. So wie die Künstler der Gutacher Malerkolonie. Jeder für sich in seiner Ausdrucksweise völlig anders, trotzdem als Einheit zusammengehörig, halten Beate Axmann, Martina Dieterle, Willy Heine, Werner Luft und Wendelinus Wurth die Gutacher Kunsttraditionaufrecht.

Viele Interpretationsmöglichkeiten lassen Frei und Wild zu. "Und es ist auch frei und wild gemeint", unterstrich Wendelinus Wurth in seiner Laudatio. Er intonierte "Über den Wolken" von Reinhard Mey mit seiner grenzenlosen Freiheit, rezitierte Rainer Maria Rilke's "Panther", ein wildes Tier, das nicht frei ist und spielte auf Gericault´s kanibalistisches "Floß der Medusa" oder jede fehlende Gegenständlichkeit bei Jackson Pollock an. "Frei und wild eben".

"Der Mensch ist auf Freiheit gestoßen, als er merkte, dass er eingeschränkt ist", fand der Laudator. Doch menschlich gemachte Einschränkungen seien zum Teil auch sinnvoll, nannte er die Regeln im Straßenverkehr. Wendelinus Wurth tauchte in die Geschichte ein, erinnerte an den Sezessionskrieg in Nordamerika oder die Französische Revolution. Doch trotz aller Regeln: "Tief drinnen bleiben wir immer noch wild", sagte Wurth, auch wenn die menschliche Zivilisation die Wildnis verdränge. "Wir sind paradoxe Wesen". Die künstlerische Freiheit würde viele wilde Arbeiten ermöglichen. "Nehmen sie sich die Freiheit und schauen sich die Ausstellung an. Werden sie aber nicht zu wild dabei", lud Wendelinus Wurth ein.

Im ersten Moment zeigte sich Bürgermeister Siegfried Eckert ob des Themas "Frei Wild" irritiert. "Gleichzeitig bin ich neugierig, wie dieses vielsagende Motto im Kunstwerk umgesetzt wird", sagte er bei seiner Begrüßung und beschrieb, was die beiden Worte für ihn bedeuten. Frei löse positive Gedanken aus, wild sei nicht durch Züchtung verändert und erinnere unter anderem auch an den Wilden Westen, schmunzelte er.

Das Thema sei sehr diskutiert worden, ergänzte Willy Heine. "Das hat für uns nichts mit dem Jägerbegriff, schon gar nichts mit rechtslastiger Gesinnung zu tun", betonte der Künstler. Es sei eher ein positives Lebensgefühl. "Freiheit ist das allerwichtigste und das schönste Attribut für die Kunst". Die Umsetzung sei allerdings nicht ganz einfach gewesen, "doch dieses Ei haben wir uns selbst ins Nest gelegt", gab Willy Heine augenzwinkernd zu.

Kunstvereinsvorsitzender Jean-Philippe Naudet freute sich, als er die zwölfte Ausstellung der Gutacher Malerkolonie eröffnete und berichtete über das vielseitige Angebot im Museum Hasemann-Liebich. "Die guten Besucherzahlen belegen das große Interesse", dankte er.

Auch die Vernissage war am Sonntagvormittag sehr gut besucht und die interessierten Gäste bestaunten die unterschiedlichen Werke in Ausführung und Material, so verschieden wie die Künstler selbst. Musikalisch umrahmte Saxophonist Ralf Keil die Ausstellungseröffnung.

Die Sonderausstellung "Frei Wild" der Gutacher Malerkolonie ist bis zum 28. Oktober zu sehen. Das Kunstmuseum Hasemann-Liebich öffnet immer mittwochs sowie an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.kunstmuseum-hasemann-liebich.de.

Christiane Agüera, Offenburger Tageblatt

 

Ausstellungseröffnung der Malerkolonie Gutach: Bürgermeister Siegfried Eckert (von links), Kunstvereinsvorsitzender Jean-Philippe Naudet, Saxofonist Ralf Keil sowie die Künstler der Gutacher Malerkolonie Martina Dieterle, Werner Luft, Beate Axmann, Wendelinus Wurth und Willy Heine.