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Volker Sahr ist Ehrenbürger

15 Jahre nach Ende seiner Amtszeit bekommt der ehemalige Bürgermeister Gutachs hohe Auszeichnung

Gutach hat einen neuen Ehrenbürger: Volker Sahr, von 1979 bis 2003 Bürgermeister und bis heute ehrenamtlich für die Gutacher engagiert, wurde beim Erntedankfest mit der höchsten Ehrung der Gemeinde ausgezeichnet.

Sein 70. Geburtstag wird Volker Sahr wohl unvergesslich bleiben: Er feierte ihn just am Erntedanksonntag, und die Gemeinde Gutach verlieh ihm in Anschluss an den Festgottesdienst in der evangelischen Peterskirche die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde. Sahr war 24 Jahre lang – von 1979 bis 2003 – Gutachs Bürgermeister, er absolvierte »vom Lehrling bis zum Bürgermeister« eine kommunale Bilderbuchkarriere, war 40 Jahre lang im Rathaus beschäftigt und engagierte sich weit darüber hinaus auch ehrenamtlich.

»Um in den Genuss einer besonderen Ehrung zu gelangen, muss man sich mit seinem Handeln, mit seiner ganzen Persönlichkeit um das Wohl der Allgemeinheit und das Ansehen seiner Gemeinde verdient gemacht haben«, sagte Bürgermeister Siegfried Eckert und betonte: »Lieber Volker Sahr, Sie erfüllen diese Voraussetzungen voll umfänglich.Sein halbes Leben sei von politischer Arbeit geprägt gewesen, als Bürgermeister habe er viele Maßnahmen verantwortet, die die Gemeinde Gutach vorwärts gebracht hätten.«

Doch damit eben noch nicht genug. Als Volker Sahr sich 2003 entschloss, nach drei Amtszeiten nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, engagierte er sich weiterhin ehrenamtlich für »sein« Gutach. 1990 übernahm er als Bürgermeister den Vorsitz der Teilnehmergemeinschaft Gutach für das BZ-Verfahren – diese Aufgabe erfüllt er bis heute mit großer Leidenschaft. Und auch die Organisierte Nachbarschaftshilfe hat in ihm noch immer einen engagierten Mitstreiter.

»Der gute Geist«

Darauf ging die Kirchengemeinderatsvorsitzende Rosemarie Armbruster in ihrer Laudatio ein. Als Klassenkameradin richtete sie ihren Dank an den »lieben Voker«. Die nachbarschaftliche Fürsorge und den Blick aufeinander habe in Gutach lange Tradition. 1979 habe er gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Berger die Gründung eines Krankenpflegevereins mitgetragen, ebenso 1999 den Neubeginn mit der »Organisierten Nachbarschaftshilfe« und habe beide Vereine gemeinsam mit den Kirchenvertretern geführt.

»Bis heute bist du der gute Geist der Nachbarschaftshilfe«, dankte sie für »viele Jahre wertvolle Hilfe und Unterstützung« und hoffe darauf, dass er mit seinem großen Fachwissen und seiner reichen Erfahrung weiter an ihrer Seite sei.

»Wahrer Zehnkämpfer«

Für die Gutacher Vereine verglich der TuS-Vorsitzende Martin Heinzmann Volker Sahr mit einem »wahren Zehnkämpfer«, der in unterschiedlichen Disziplinen hervorragende Leistungen bringe. Er habe es verstanden, die verschiedenen Interessen der Gutacher Vereine zu koordinieren und zu bündeln.

Dass eine Ehrenbürgerwürde nach dem Gottesdienst in der Kirche verliehen wird und die Trachtenkapelle danach das Te Deum spielt, ist sicher ungewöhnlich. Für Gutach nicht: Hier sind Gemeinde und Kirchengemeinde eng miteinander verwoben. »Es ist etwas ganz Besonderes, in diesem Ambiente seinen Geburtstag feiern zu dürfen und mit der Ehrenbürgerschaft gewürdigt zu werden«, bekannte Volker Sahr am Schluss: »Es rührt mich, dass meine Arbeit Früchte getragen hat«. Und er versprach, sich auch weiterhin ehrenamtlich einzusetzen.

Schmerzlich vermisst

Viele Wegbegleiter, ehemalige und aktuelle Bürgermeister der Nachbargemeinden, eine Delegation aus dem Partnerort Stoßwihr sowie natürlich seine Söhne Manuel und Markus nahmen an der Feier teil. Schmerzlich vermisst wurde nur seine Frau Renate, mit der Volker Sahr 42 Jahre lang verheiratet war und die vor knapp zwei Jahren verstorben ist.

Beim Erntedankempfang im Gemeindehaus wurde der neue Ehrenbürger Gutachs mit Gratulationen aus dem ganzen Dorf und darüber hinaus überschüttet.  Den Nachmittagskaffee verbrachte Volker Sahr bei seiner Mutter in Schiltach, am Abend folgte die Feier im trauten Familienkreis.

Meilensteine

Bürgermeister Siegfried Eckert ging auf den beruflichen Werdegang des neuen Ehrenbürgers Volker Sahr ein und nannte einige wichtige Meilensteine seiner Amtszeit:

1963 bis 1966: Verwaltungslehrling bei der Gemeinde Gutach.

1966 bis 1979 diverse Aufgaben bei der Gemeinde, zuletzt Grundbuchratschreiber und Gemeinderechner.

1979: Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Gutach, auf die 1987 und 1995 die Wahlen zur zweiten und dritten Amtszeit folgten

1981: Bau Kuranlage

1983: Grunderwerb für die Baugebiete »Grub« und »Westlich der Sonne«.

1987: Wasserleitungsbau »Kleine Kinzig« und wichtige Radwegabschnitte.

1991: Baubeginn Rathausumbau, Partnerschaft mit Mühlberg an der Elbe.

1993: Bau Feuerwehrgerätehaus.

1995: Grunderwerb für das Baugebiet »Lindenmatte«.

1997: Bau Liebich-Sporthalle.

2000: Beschluss über die Förderkonzeption für die Offenhaltung der Landschaft, Neugestaltung des Parkplatzes Dorfmitte.

2001: Tunnelanschlag für die Hornberg-Umgehung auf Gutacher Gemarkung.

2002: Umbau der alten Turnhalle zur heutigen Festhalle.

2003: Partnerschaft mit Stosswihr im Elsass, nach 40 Jahren im Rathaus verzichtet Volker Sahr auf eine erneute Kandidatur.

Claudia Ramsteiner
Offenburger Tageblatt

 

Umrahmt von roten Bollenhutträgerinnen überreichte Bürgermeister Eckert an seinen Vorgänger Volker Sahr die Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde Gutach. Gleichzeitig an diesem Tag feierte Volker Sahr seinen 70. Geburtstag. Die evangelische Kirche bot hierfür eine prächtige Kulisse, da sie wunderschön für das Erntedankfest geschmückt war.

Blick von der Empore auf die Trachtenkapelle Gutach und den Erntedankkranz, sowie die Bollenhut- und Schäppelträgerinnen