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Wiedergeburt von Union Star

Bastian Moser hat am Montag, 27.04.2020 sein Gewerbe angemeldet. Er führt die Fahrradtraditon seines Urgroßvaters Hans Moser in die Zukunft. Sitz ist in Gutach, die Produktion in Berghaupten.

Die Schwangerschaft dauerte etwas länger als geplant, aber jetzt ist der Urenkel der Gutacher Union-Star-Räder da: Bastian Moser hat am Montag im Gutacher Rathaus sein Gewerbe angemeldet und setzt das Werk seines Urgroßvaters fort. Obwohl der 39-jährige den einstigen Union-Star-Gründer Hans Moser nicht selbst kennengelernt hat, fühlt er sich mit ihm eng verbunden: „Er ist mein unternehmerisches Vorbild.“

Es muss ein „pfiffiger und wagemutiger Mensch gewesen sein“, findet er, wenn einer gleich nach dem ersten Weltkrieg in dem kleinen Gutach auf die Idee kommt, eine Fahrradmanufaktur zu gründen. Es war Anfang der 1920er-Jahre, als die ersten Union-Star-Räder hier produziert wurden, wo Bastian Moser seit zehn Jahren wieder wohnt. Als kleiner Bub hat er auf dem Dachboden mit dem Union-Star-Universum gespielt: Die Fahrräder, Mopeds und Motorräder haben ihn magisch angezogen.

„Tradition trifft Zukunft“

Er zog mit seiner Mutter nach Freiburg, die Gedanken waren dennoch oft in Gutach und bei den Fahrrädern seines Urgroßvaters. „Mit den Jahren wuchs nicht nur die Lust, sondern das tiefe Gefühl, dass ich das wieder zum Leben erwecken wollte“, erzählt der junge Start-up-Unternehmer.

Und ganz nach dem Motto „Tradition trifft Zukunft“ hat er selbstverständlich nicht die Räder von damals kopiert, sondern die Einstellung seines Urgroßvaters zu Innovation, Qualität und Design in die heutige Zeit übertragen.

In Zweiradmechanikermeister Manuel Kaletta fand er einen Menschen, der nicht nur gleich tickt, sondern auch das technische und handwerkliche Know-how hat, Bastian Mosers Ideen umzusetzen. Was daraus entstanden ist, würde Hans Moser vermutlich sehr gefallen.

Die Entwicklung hat etwas länger gedauert als ursprünglich geplant. Bis das Design wirklich saß und bis alle Bauteile in der gewünschten Qualität geordert werden konnten – und dann ist Union Star ja auch kein Vollzeit-Start-up. Manuel Kaletta hat noch ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt in Berghaupten (wo die Union-Star-Räder gebaut werden sollen), und Bastian Moser musste sich daneben auch um seine drei Fitnessstudios kümmern.

Minimales Design

Die sind momentan coronabedingt geschlossen, und so kann er sich gerade ganz auf seinen Zukunftstraum konzentrieren. Das „City-Bike“ hat er schon mal nach Gutach mitgebracht: Minimales Design – nichts zu wenig und nichts zu viel – ausgereifte Technik und superleicht. „Bis Dezember war es jedenfalls das leichteste E-Bike der Welt“, habe ihm Manuel Kaletta versichert.

Es war im Spätherbst im vergangenen Jahr, als Bastian Moser abends im Bett betete: „Lieber Gott, lass das die richtige Entscheidung sein.“ Und am nächsten Tag habe ihn ein Mann besucht und wollte ihm sein altes Union-Star-Fahrrad zeigen. „Wenn das kein Zeichen war“, ist sich Moser heute noch sicher. Und nun hat er, kaum dass der Prototyp gebaut ist, schon die ersten Bestellungen.

Präsentation der Neuheiten in Gutach

Es wird mindestens ein superleichtes E-Bike und ein E-Mountainbike in zwei Farben und aus zwei verschiedenen Materialien geben, die Produktion der Räder soll im Juli starten, und zum Produktionsstart bereitet Bastian Moser auch noch eine große Päsentation aller Modelle vor. „Natürlich in Gutach, dem Sitz von Union Star damals und heute.“

Darüber freut sich Bürgermeister Siegfried Eckert ganz besonders, er habe die jüngste Entwicklung mit Interesse verfolgt und unterstützt. Etwa 100 Jahre nach der Firmengründung und 50 Jahre nach dem Produktionsende werde nun die Geschichte „Union Star“ neu geschrieben, und er sei sich sicher, dass daraus „heute wie damals eine Erfolgsgeschichte wird“.

Claudia Ramsteiner, Offenburger Tageblatt

Bastian Moser hat am Montag, 27.04.2020 sein Gewerbe im Gutacher Rathaus angemeldet. Hier zeigt er einen Prototypen seiner neuen Union Star Fahrräder.